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NEW YORK/ Die Met im Kino / Wien-Cineplexx Landstraße: EUGEN ONEGIN

23.04.2017 | Oper

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Anna Netrebko (Tatjana), Stefan Kocan (Gremin). Copyright: Metopera

New York /Wien/ Die Met im Kino: 22.04.2017 MET/Kino „Eugen Onegin“

Russische Oper und Anna Netrebko – eine prächtige Kombination. Wo, wenn nicht in diesem Werk kann der Superstar der Oper all ihre Stärken ausspielen, großartiges, glaubwürdiges Spiel, ideales, warmes Timbre, kräftige Attacke neben zarten Lyrismen und eine gehörige Portion Temperament, das sie im ersten Akt erfolgreich zügeln kann. Da blieb kein Wunsch offen. Erstaunlich war allerdings, dass sie im Pauseninterview diese Rolle als Erholung zum italienischen Fach sah. Ihr zur Seite stand mit dem schwedischen Bariton Peter Mattei ein hervorragender Vertreter seines Faches. Ein Nobelbariton erster Güte, der weniger den Draufgänger spüren ließ, als einen gefühlvollen Mann, der zwei verhängnisvolle Fehler begangen hatte, einer davon führte ja zum letalen Ende seines Freundes Lenski. Der russische Tenor Alexey Dolgov verkörperte den unglücklichen Poeten mit recht lyrischer Stimme, seine Arie sang er sehr berührend, im Duett mit Onegin fehlte ihm aber doch einiges an Kraft. Elena Maximova war eine ausgezeichnete Olga, ihr lag das Mädchenhafte, Spielerische sehr gut, stimmlich passte sie bestens zu Anna Netrebko. Stefan Kocan ist ein ungewöhnlich junger Gremin, einer der rar gewordenen „Schwarzen Bässe“. Die MET sorgte auch dieses Mal für ein Wiedersehen mit einer prominenten Sängerin in der kleinen Rolle der Larina: Elena Zaremba, an der Wiener Staatsoper vor längerer Zeit in vielen Rollen sehr beliebt.

Peter Mattei als Onegin.

Ein neuer Dirigent stellte sich vor, der junge Brite Robin Ticciati dirigierte das ausgezeichnete Orchester mit sehr viel Umsicht und der richtigen Hand für Tschaikowski, als einfühlsamer Begleiter der Sänger und sicherer Koordinator zwischen Bühne und Orchestergraben, das könnte ein Versprechen für die Zukunft sein. Ein gelungener Opernabend, an dem man sich – außer der schon öfter erwähnten Überlänge – erfreuen konnte.

Johannes Marksteiner

 

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