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NEW YORK/ Die Met im Kino/ Cineplexx Wien-Mitte: ROBERTO DEVEREUX – eine Donizetti-Sternstunde

17.04.2016 | Oper

CINEPLEXX   LANDSTRASSE   : „ROBERTO DEVEREUX“     – Donizetti-Sternstunde

Nun bin ich sehr sparsam mit dem Prädikat “Sternstunde”, doch diese Aufführung der Met hat sich diese Bezeichnung wahrhaft verdient : ein packender Abend von der ersten bis zur letzten Minute!
      
Maurizio Benini – der ausschaut wie ein Bruder von Alfred Biolek – bewies, dass er heute einer der besten Dirigenten am Belcantosektor ist:  schon die Ouvertüre ließ einen musikalisch spannenden Abend (Nachmittag) erwarten, Orchester – und später auch der Chor , der teilweise als „Zuschauer“ das Geschehen verfogen sollte – zeigten sich in Bestform und hatten das Niveau , das man sich von einem ersten Haus erwartet. Ein spezielles Lob gebührt dem Regisseur David McVicar, der das Werk phantastisch umsetzte, ohne zusätzliche „Ideen“ auskam, und eine stringente Personenführung kreiierte, die das oft als „Stehoper“ geschmähte Stück zu einem wahren Krimi werden liessen – besonders atemberaubend  gelang etwa das Duett Sara – Nottingham. Wenn  man schon „Beckmesseern“ wollte, dann wäre das zu häufige Wangen tatscherln zu monieren, speziell im Duett zwischen Roberto und Nottingham, so betatschen sich keine Freunde…! Aber das nur der Vollständigkeit halber, fiel nicht ins Gewicht, da auch die Ausstattung sehr gut das höfische Element der Elisabethanischen Zeit traf und die prächtigen Kostüme von Moritz Junge das ihre zum herrlichen szenischen Rahmen beitrugen.
     Auf der Bühne vier Protagonisten , die allesamt mit totalem Einsatz in ihren Rollen aufgingen. Elina Garanca wertete die Sara – relativ kleinste Rolle dieser vier -enorm auf , und konnte mich diesmal wirklich überzeugen. Die hohe Tessitura lag ihr vorzüglich und sie war engegiert bei der Sache, die „Kühle“ , diue mich sonst an ihr stört, war wie weggeblasen, das Timbre ist in letzter Zeit auch runder und weiblicher geworden – brava! Ihr – ungeliebter – Ehemann Nottingham wurde bei Marius Kwiecien zu einem echten Charakter geformt, dem er optisch, darstellerisch und stimmlich bestens entsprach. Sein kerniger Bariton wurde stilistisch bestens geführt und zu Recht wurde auch er gefeiert. Der Protagonist war Matthew Polenzani, dem man diese schwere Rolle einmal erst so nachsingen muss! Sein ansprechender Tenor ist vieler Nuancen fähig, wird technisch sicher geführt und zündet in der Höhe. Da er sich nicht lumpen ließ und damit recht splendabel umging, bei Strophenwiederholungen alternative Variationen sang war er absolute Weltklasse! 

Nicht nur weil Donizetti ihr das „letzte Wort“ zugesteht, gebührt die Krone des Abends denn doch der Elisabetta. Sondra Radvanovsky bot eine bestechende Leistung , war Elisabeth, mit unheimlichem physischem Einsatz, man war gebannt! Und bei der stimmlichen Umsetzung ließ sie keinen Wunsch offen: linea di canto perfekt, technisch exzellent, ausdrucksstark, unglaubliche Höhen, ein solides Fundament , da sitzen auch die tiefen Töne , und  alles rund und eingebunden – bravissima!  So gehört das gesungen – ohne gesäuselte piani und „veristische „ Schluchzer und Drücker“  – nach der Kabaivanska  ( in den 80er Jahren in Rom  mit Fisichella und Sardinero ) habe ich keine vergleichbare Leistung in dieser Partie mehr gehört!  Die Gruberova – die ich für ein Jahrhundertereignis halte , aber als Lucia, Zerbinetta etc  – legte sich Elisabetta, Anna Bolena, Norma etc. für sich zurecht und „verbildete“ jahrzehntelang speziell das Wiener Publikum, das keine anderen hören konnte…
     Da auch die Comprimarii allesamt entsprachen, ein runder, gelungener, beglückender Donizetti-Abend , der mit berechtigten Ovationen zu Ende ging, und die Kinobesucher beglückt entliess. Da war auch bedeutungslos, dass der Ton diesmal nicht so perfekt wie üblich über den Teich kam – und über längere Zeit sogar einmal ein Mikrophon hinter der Bühne aufgeschaltet war, und man just im gefühlvollen Duett Sara – Roberto geschäftige Stimmen vernehmen konnte…
                     

Michael Tanzler

 

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