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NEUDORF / Turnsaal der Volksschule: Rossinis Il SIGNOR BRUSCHINO

Festspiele Schloss Kirchstetten mit Rossini-Oper im Turnsaal

05.08.2021 | Oper in Österreich
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Daniele Macciantelli (Bruschino), Theresa Krügl (Marianne) und Emilio Marcucci (Gaudenzio). Alle Fotos: Patrick Piller

NEUDORF IM WEINVIERTEL / Turnsaal Volksschule: Gioachino Rossinis Il SIGNOR BRUSCHINO

4. August 2021 (Premiere am 31. Juli 2021)

Von Manfred A. Schmid

 Das von Belcanto-Liebhabern geschätzte Opern-Festival im nördlichen Weinviertel findet traditionell im Maulbertsch-Saal von Schloss Kirchstetten statt. Angesichts möglicher Restriktionen wurden für diesen Sommer die Aufführungen von Gioachino Rossinis selten gespielte Oper Il Signor Bruschino, die im Vorjahr Corona bedingt abgesagt werden musste, vorsorglich in den Ehrenhof verlegt. Intendant Stephan Gartner achtete darauf, auch im Freien die Zahl von maximal 160 Besuchern nicht zu überschreiten, um auch diesmal dem Anspruch des Festivals, das „kleinste Opernhaus Österreichs“ zu sein, gerecht zu werden. Wegen einsetzenden Regens knapp vor Beginn muss bereits bei der 2. Vorstellung nach der Premiere – das sind die Tücken einer Open Air Veranstaltung – in den Turnsaal der nahegelegenen Volksschule der Marktgemeinde Neudorf übersiedelt werden, was klaglos und rasch über die Bühne geht.

Regisseur Richard Panzenböck sorgt für flotte Abläufe und empfiehlt sich mit seiner souveränen Art, wie er mit der in die Länge gestreckten Bühne umgeht, ohne Weiteres für inszenatorische Herausforderungen, wie sie etwa die gefürchtete Bühne in der Salzburger Felsenreitschule parat hält. Das farbig leuchtende Bühnenbild von Petra Fibich-Patzelt setzt sich aus den geschickt ineinander verschlungenen Buchstaben des Titels Il Signor Bruschino – zusammen. Davor in der Mitte eine Bank, das genügt.  Die fantasievoll gestalteten Kostüme von Sigrid Dreger passen hervorragend zur Buntheit des Bühnenbilds, während bei der Maske (Bettina Franz, assistiert von Jacqueline Doume) vor allem großer Wert auf originelle Haartrachten gelegt wird. Das geht so weit, dass das Haupt des Wirts Filberto von einem schäumende Bierkrügerl gekrönt wird und der kahlgeschorene jugendliche Liebhaber Florville seine fehlende Haarpracht durch grotesk wuchernde Brauen kompensiert.

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Theresa Krügl (Marianne), July Zuma (Florville) und Dora Garciduenas (Sofia)

Die Festspiele Kirchstetten sind bekannt dafür, junge Sängerinnen und Sänger zu engagieren und ihnen eine Bühne für ihre gesanglichen und darstellerischen Fähigkeiten zu bieten. Das ist auch diesmal der Fall. Die aus Mexiko stammende Dora Carciduenas, die schon vor zwei Jahren in Rossinis L’Italiana in Algeri das Publikum erfreut hat, ist eine gute Sofia und setzt ihren zu anmutigen Koloraturen fähigen Sopran mühelos ein, was sie in der Arie „Ah, donate il caro sposo“voll ausspielen kann. Die Rolle ihres Geliebten Florville ist dem Südafrikaner July Zuma anvertraut. Ein lyrischer Tenor mit eigenwilligem Timbre, der schauspielerisch mit feinem Humor und verschmitzter Mimik punkten kann.

Im Zentrum der Handlung stehen allerdings zwei ältere Herren, die sich in die Haare geraten und einander austricksen wollen, vor allem wenn es um die Verheiratung von Sofia, der Tochter des Herrn Gaudenzio geht. Signor Bruschino hätte sie gerne als Braut für seinen, wie sich herausstellt, ziemlich missratenen Sohn, bekommen wird sie letztendlich aber Florville, mit dem, außer Sofia selbst, niemand gerechnet hat Für die beiden zentralen Rollen werden mit den italienischen Bassbaritonen Emilio Marcucci als Gaudendzio und Daniele Macciantelli in der Titelpartie zwei bewährte, stimmstarke und komödiantisch mit allen Wassern gewaschene Kaliber aufgeboten. Diesen beiden musikalischen Erzkomödianten beim Spiel zu beobachten und zuzuhören, ist eine Freude.

Ergänzt wird das Ensemble durch den Tenor Andrea Calce, der nicht nur als Bruschinos Sohn auftritt, sondern auch als höchst komischer Polizeikommissar mit Polizeihund für Lacher sorgt, sowie den polnischen Bassbariton Damian Suchozebrski als markanter Wirt Filiberto. Theresa Krügl, die im Stadttheater Baden bereits als Zerlina in Mozarts Don Giovanni zu erleben war, ist eine quirliges, frisches Zimmermädchen Marianna.

Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Hooman Khalatbari. Als Orchester fungieren zehn Mitglieder der Virtuosi Brunenses aus Brünn. Herzlicher Applaus für eine gelungenen Opernabend, der zwar nicht unter Sternen, sondern in einem nicht gänzlich vollbesetzten Turnsaal stattfinden muss und dennoch unter einem guten Stern zu stehen scheint.

 

 

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