Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

NEUBURG/Donau: DER ZWEIKAMPF MIT DER GELIEBTEN von Louis Spohr – Premiere

22.07.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Wieder Opernrarität in Neuburg / Donau: „Der Zweikampf mit der Geliebten“ von Louis Spohr (Premiere: 21. 7. 2012)


Der Komponist Louis Spohr (1784 – 1859)

Seit Jahren bringt die Neuburger Kammeroper selten gespielte Werke von kaum aufgeführten Komponisten im hübschen Biedermeier-Theater der bayerischen Kleinstadt an der Donau, die als Residenz des Fürstentums Pfalz-Neuburg und Bischofssitz seine glanzvollste Epoche hatte. Für heuer gelang Horst Vladar, dem künstlerischen Leiter der Neuburger Kammeroper, eine besondere Ausgrabung: „Der Zweikampf mit der Geliebten“ von Louis Spohr. Von der Oper, die 1811 in Hamburg uraufgeführt wurde, war das Textbuch von Johann Friedrich Schink verschollen, doch fand Vladar vor drei Jahren die Vorlage dazu, sodass er das Libretto rekonstruieren und mit neuen Dialogen versehen konnte.

Die Handlung der Oper in drei Aufzügen, die in und um Brüssel des 16. Jahrhunderts spielt, in Kurzfassung: Der hitzköpfige spanische Edelmann Enrique hält seine Braut Isabella für untreu und reist mit seinem Diener Decio an den Hof der Pfalzgräfin Mathilde nach Brüssel, ohne Isabella Gelegenheit für Erklärungen gegeben zu haben. Bei einer Jagd wird er von einem fremden Ritter aus den Händen von Räubern befreit. Es ist niemand anderer als Isabella, die ihm in Verkleidung mit ihrer Zofe Laurette nachgereist ist. Doch auch jetzt will Enrique ihre Erklärungen nicht hören. Sie nimmt ihm das Versprechen ab, ihre Identität nicht zu verraten – und so kommt es zu Missverständnissen, Eifersüchteleien und Rivalitäten, denn Mathilde findet an dem jungen Ritter, der sich als Don Rosardo ausgibt, großen Gefallen. Dadurch wieder fühlen sich ihre Verehrer am Hof brüskiert. Enrique, der Isabella immer noch liebt, wird gegen seinen Willen in die Streitereien verwickelt – und schließlich fordert ihn die gereizte Isabella in der Gestalt des Rosardo zum Duell. Durch eine List des sich gut verstehenden Dienerpaares kann das in letzter Sekunde verhindert werden. Es siegt – wie meist in der komischen Oper – die Liebe!

Louis Spohr (1784 – 1859) führte als Hofkapellmeister in Kassel neben seinen eigenen Werken Wagner auf, dessen Leitmotivtechnik und Durchkomponierens er vorwegnahm. Er war von der Wiener Klassik beeinflusst, gehörte zu den Romantikern und stand Schubert und Mozart, den er sehr bewunderte, nahe. Clive Brown schrieb in seiner Biographie über Louis Spohr: „Dass ‚Der Zweikampf‘ sich nicht dauerhaft auf der Bühne halten konnte, war keinesfalls aus Mangel an musikalischem Wert, sondern wegen der Tatsache, dass das Genre zu seiner Entstehungszeit schon als veraltet galt.“

Horst Vladar, die „Seele“ der Neuburger Kammeroper, schuf eine schwungvolle, komödiantische Inszenierung, die auch durch gute Personenführung bestach. Das einfach gehaltene und für die einzelnen Szenen leicht verwandelbare Bühnenbild, in dem die Farben Rosa und Grün vorherrschten, gestaltete Ulrich Hüstebeck.

Donna Isabella alias Don Rosardo wurde von der hübschen Sopranistin Yvonne Steiner, die bereits seit sechs Jahren dem Ensemble in Neuburg angehört, mit sichtlich großer Spielfreude gegeben. Auch bewältigte sie ihre mit Koloraturen gespickte Rolle eindrucksvoll. Ihren hitzköpfigen Freund Enrique gab der fesche junge Tenor Matthias Ziegler. Er wirkte anfangs ein wenig nervös, überzeugte jedoch stimmlich im Lauf der Vorstellung immer mehr. Mathilde, die Pfalzgräfin von Flandern, wurde von der gebürtigen Schwedin Annika Liljenroth mit Eleganz und Liebreiz dargestellt, die in ihrer Zuneigung zwischen Enrique und Don Rosardo so lange schwankte, bis dessen Identität gelüftet war und sie nur kopfschüttelnd das Happyend zur Kenntnis nahm. Stimmlich hatte die Sopranistin wohl die schwerste Rolle zu bewältigen, was ihr auch großteils gelang.

Für viel Heiterkeit im Publikum sorgte das „Dienerpaar“, das schauspielerisch und stimmlich ihre Rollen blendend gestalteten. Ausgezeichnet die Mezzosopranistin Denise Felsecker als Kammerzofe Laurette, die ausgelassen und augenzwinkernd agierte und so Decio, den Kammerdiener des Grafen von Lothringen, der vom Bariton Michael Hoffmann dargestellt wurde, raffiniert um den Finger wickelte. Als die beiden Verehrer der Pfalzgräfin Mathilde konnten der Bass Stephan Hönig und der Tenor Ulrich Löns ihr komisches Talent ausspielen.

Humorvoll gestaltete der Regisseur den Einzug der Hofdamen und Höflinge zu dem mit Spannung erwarteten Duell, wobei Horst Vladar auf launische Art selbst den Kampfrichter mimte. Dem Orchester des Akademischen Orchesterverbandes München – mit großem Einfühlungsvermögen von Alois Rottenaicher geleitet – gelang es, die vielschichtige Partitur des Romantikers Louis Spohr mit vielen Facetten wiederzugeben und so dem Publikum einen unverdientermaßen fast vergessenen Komponisten näherzubringen.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer waren begeistert, spendeten des Öfteren Szenenapplaus und belohnten am Schluss alle Mitwirkenden und das Regieteam mit minutenlangem Beifall.

Jubel und Bravorufe gab es für die Solisten Denise Felsecker, Yvonne Steiner, Matthias Ziegler und den Dirigenten Alois Rottenaicher mit seinem Orchester sowie den Regisseur Horst Vladar.

Udo Pacolt, Wien – München

PS: Die Spohr-Oper wird noch am 27., 28. und 29. Juli in Neuburg an der Donau gespielt.

 

 

 

 

Diese Seite drucken