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NEUBURG/ Donau: ABENTEUERLUST von Nicolas Isouard (geb.1755)

31.07.2016 | Oper

Wieder tolle Opernrarität in Neuburg / Donau: „Abenteuerlust“ von Nicolas Isouard (Vorstellung: 30. 7. 2016)

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Jeannette (Janina Pudenz) mit ihrem Freund (Wolfgang Veith) Foto: Neuburger Kammeroper

Wieder wartete die Kammeroper des schmucken Städtchens Neuburg / Donau mit einer tollen Opernrarität auf: „Abenteuerlust“ von Nicolas Isouard, die im Jahr 1814 unter dem Titel „Joconde ou Les coureurs d’Aventures“ in Paris uraufgeführt wurde.

Nicolas Isouard (geb. 1775 in Mosta auf Malta, gest. 1818 in Paris) wurde „Niccolò de Malta“ genannt. Er studierte bei Nicola Sala und Pietro Guglielmi in Neapel und debütierte als Opernkomponist mit L’avviso ai maritati in Florenz, ehe er als Organist komische und ernste Opern für das Theater in La Valetta schrieb. Im Jahr 1800 kam in Paris mit Le petit page seine erste Opéra-comique heraus. Durch seine großen Erfolge mit La statue und Michel-Ange gehörte er bald zu den erfolgreichsten Vertretern der Opéra-comique. Nach seiner Märchenoper Cendrillon schuf er 1814 in Konkurrenz zu Boieldieu mit den Opern Jeannot et Colin und Joconde seine besten Werke.   

Die Handlung der Oper Joconde, deren Libretto Charles Guillaume Etienne verfasste und die in der Neuburger Kammeroper unter dem Titel Abenteuerlust aufgeführt wurde (Übersetzung: Annette und Horst Vladar), spielt im Mittelalter in der Provence. Graf Robert und Joconde, sein Vertrauter, halten zu Unrecht Gräfin Mathilde und deren Freundin Edile, mit denen sie verlobt sind, für untreu. Sie beschließen deshalb, als Troubadoure durch die Lande zu ziehen und sich am weiblichen Geschlecht zu rächen. Doch Lysandre, der gemeinsame Freund der vier, verrät besorgt den Plan. Die Frauen folgen den Abenteurern als Zigeunerinnen verkleidet. – In einem nahe gelegenen Dorf soll anlässlich des Rosenfests das unschuldigste Mädchen zur Rosenkönigin gekrönt werden. Die hübsche Jeannette liebt zwar schon einen Bauernburschen, will aber trotzdem unbedingt den Preis erringen. Sie gerät an die beiden Troubadoure, die sie begeistert umwerben, versteht es aber geschickt, sie hinzuhalten. Der kauzige Dorfrichter, der Jeannette beobachtete, lässt die Abenteurer über Nacht einsperren, da sie überdies von den wahrsagenden „Zigeunerinnen“ als Betrüger bezichtigt werden. Als der Graf sein Inkognito lüftet, wird er ausgelacht. Am Morgen des Rosenfestes kommen Gräfin Mathilde und Edile als Gäste, decken alles auf und verzeihen ihren reuigen Verlobten. Zähneknirschend muss Robert die „unschuldige“ Jeannette zur Rosenkönigin krönen.

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Die beiden Troubadoure (links: Patrick Ruyters, rechts: Karsten Münster) versuchen, die künftige Rosenkönigin (Janina Pudenz) zu verführen (Foto: Neuburger Kammeroper)

Horst Vladar, der im Jahr 1969 Mitbegründer der Neuburger Kammeroper war und seitdem auch ihr künstlerischer Leiter ist, inszenierte die Ausgrabung des maltesischen Komponisten und zog heuer als Darsteller des Dorfrichters auch die Fäden der Handlung. Als Regisseur gelang ihm eine flotte, humorvolle Inszenierung, in der das gut zusammengesetzte Sängerensemble durch seine große Spielfreude das Publikum begeisterte und immer wieder zu Szenenbeifall animierte.

Die beiden Troubadoure – Robert, Graf von Martigue, und sein Vertrauter Joconde – wurden von dem in Gotha geborenen Tenor Karsten Münster und von dem am Staatstheater Braunschweig engagierten und vielgereisten Bariton Patrick Ruyters gesungen, die sowohl gesanglich durch ihre kraftvollen Stimmen wie auch darstellerisch mit einem Hang zur Komik überzeugten. Blendend auch die mit den beiden „Draufgängern“ verlobten Damen. Als Edile brillierte die aus Armenien stammende Sopranistin Astghik Khanamiryan vor allem mit ihrer gleichfalls kräftigen Stimme, während die schwedische Sopranistin Annika Liljenroth – einige Male bereits Mitgestalterin der Neuburger Produktionen – mit ihrer höhensicheren Stimme, ihrer Eleganz und ihrer köstlichen Mimik bezauberte. Als „Zigeunerinnen“ waren beide so gut verkleidet, dass sie kaum zu erkennen waren.

Sehr kokett spielte die junge deutsche Sopranistin Janina Pudenz das Bauernmädchen Jeannette, das schließlich trotz ihrer Freundschaft mit dem Bauernburschen Matthes zur Rosenkönigin gewählt wird. Stimmlich steigerte sie sich von Szene zu Szene. Ihren Freund gab der ehemalige Wiener Sängerknabe Wolfgang Veith mit lyrischer Tenorstimme und sympathisch wirkendem Spiel. Der aus Regensburg stammende Bariton Michael Hoffmann – seit vielen Jahren treues Mitglied der Neuburger Kammeroper –  spielte die Rolle des Lysandre, der als Freund der gräflichen Familie geschickt die Fäden zog, mit subtiler Komik.     

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Szene aus der Oper „Abenteuerlust“ von Isouard, rechts Horst Vladar, Dorfrichter und Regisseur (Foto: Neuburger Kammeroper)

Stärker besetzt als in den Vorjahren war der Chor, der sowohl als Schlossgesellschaft wie auch als Bauernschaft auftrat und die kleine Bühne fast zu sprengen drohte. Er agierte wie immer sehr lebendig und stimmgewaltig (Einstudierung: Norbert Stork). Das etwa 30-köpfige Orchester, Mitwirkende des Akademischen Orchesterverbandes München –  wieder von Alois Rottenaicher mit großer Routine geleitet – brachte die musikalischen Feinheiten der Partitur gut zur Geltung.

Das begeisterte Publikum belohnte am Schluss der Vorstellung alle Mitwirkenden mit starkem, nicht enden wollendem Beifall, wobei Horst Vladar, die „Seele der Neuburger Kammeroper“ mit Jubelschreien gefeiert wurde.

 Udo Pacolt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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