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NEAPEL: LADY MACBETH VON MZENSK. Premiere

17.04.2018 | Oper


Natalia Kreslina. Copyright. Teatro San Carlo.

NEAPEL/Teatro San Carlo; Lady Macbeth von Mzensk  15.4.2018  Premiere

Das besondere Verdienst dieser Inszenierung am Teatro San Carlo scheint mir zu sein, daß sie den expressionistischen bis brutalen Stoff nach der Novelle von Nikolaj Leskov mit einer bemerkenswerten Diskretion aufgreift, und das gilt nicht  nur für die sublime Regie von Martin Kusej, sondern in besonderem Maß für die musikalische Darbietung der Schostakowitch-Oper, die von dem jungen Slowaken Juraj Valcuha geleitet wird, der den großen Orchesterapparat sicher beherrscht, gut in die Proportionen setzt und dabei nie knallig wird, sondern die oft untergründig ‚arbeitenden‘ musikalischen Verläufe bemerkenswert ausdifferenziert aufscheinen lässt, so dass sich auch die Orchesterinstrumente klangfarbig in Position bringen können. Dazu trägt natürlich auch die besondere Akustik des Theaters San Carlo, einer der größten ältesten Häuser Italiens, bei. Im Unterschied zu den Symphonien gibt es bei der Oper nicht so markante Themen, dafür scheint jede Szene ganz individuell und plastisch gezoomt.


Copyright. Teatro San Carlo.

Da kann auch Martin Kusej nicht zurückstehen. Er  inszeniert in der ersten Hälfte in einem Einheitsbild, das einen rechteckigen Glaspavillon zeigt, dessen Glastüren sich vorne nach dem Ziehharmonika-Prinzip öffnen lassen  Dahinter ist die Bühne durch Holzlatten begrenzt. in diesem Glaspavillon spiegelt sich die Einsamkeit der wie eingeschlossenen Protagonistin Katerina Ismailova wider. Davor findet Kusej auch gute Lösungen für die kollektiven Bestrafungsszenen, wie für die männlichen Machtrituale der ‚Blaumäner‘. Die Liebesszene zwischen Katerina und Sergej spielt sich dann unter Stroboskoplicht ab. Mit einem fetzigen Lied läßt der betrunkene Gast keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er den Leichenfund bei der Polizei melden wird. Diese wird in einer aseptischen beigen Halle beim kollektivem Duschen vor ihrem Auftritt  unter den Tischen der Hochzeitsgesellschaft vorgeführt. Bei der Deportation nach Sibirien kommt ein weiteres Bühnenbild von Martin Zehetgruber zum Zug, ein Metallgerüst, wo oben die Polizisten defilieren, unten ein Stangengehäuse, wo die Gefangenen, nur in verschiedenartige Unterwäsche gekleidet (Heide Kastler) zusammengepfercht sind, sich aber auch auch rhythmisch als Kollektiv bewegen. Am Ende sieht man Katerina leblos in dem Gestänge, von ihrer Nebenbuhlerin Sonietka, die sie mit in den Tod gezogen haben soll, aber keine Spur mehr. Vielleicht wollte Kusej so doch noch eine katarthische Wirkung erreichen. 


Dmitry Ulyanov. Copyright. Teatro San Carlo.

Der als Kontrollfreak gezeigte Schwiegervater Boris Ismailov ist Dmitry Ulyanov als Basso cantante. Sein Sohn, Ehemann von Katerina, wird vom Tenor Ludovit Ludha, gern auch mit quasi Fistelstimme charakterisierend gegeben. Allbeherrschend erscheint Katerina Ismailova in der absolut rollendeckenden Gestalt von Natalia Kreslina, die mit angenehmem Timbre alle (Gefühls)lagen stimmlich auskostet, wobei sich ihr Sopran als dramatisch belastbar zeigt. Der Ihr zugetane Sergej wird von dem Tschechen Ladislav Elgr gegeben, der seinen agilen Tenor mit großer Konsistenz einsetzt und auch schon zwei Spielzeiten an der Wr.Volksoper gesungen hat. Die geschundene Köchin Aksinja wird von Carol Wilson verkörpert/gesungen. Der köstlich überzeichnete Pope ist Baß Goran Juric. Die Sonieka gibt mit klangvollen gläsernem Alt Julia Gertseva

Diese bereits in Amsterdam gezeigte Inszenierung ist es wert, wieder wie jetzt in Neapel gespielt zu werden.                           
Friedeon Rosén

 

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