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NAXOS und Vinyl: Gelungener Pilotversuch mit Werken von Krzysztof Eugeniusz Penderecki auf zwei massiven 180gr LPs

17.04.2015 | cd

NAXOS und Vinyl: Gelungener Pilotversuch mit Werken von Krzysztof Eugeniusz Penderecki auf zwei massiven 180gr LPs

Polymorphia / Anaklasis / Fluorescences / Threnody To the Victims of Hiroshima / Intermezzo / Kosmogonia

NAXOS Penderecki

 Auch das mutige chinesische Label NAXOS, das anfänglich vor allem durch leistbare Editionen klassischer Werke in meist anständiger künstlerischer Qualität von sich reden machte, hat seinen ersten (zaghaften) Versuch mit Vinyl mit Bravour bestanden. NAXOS, das heute mehr für Nischen in zeitgenössischer Musik steht, aber auch jungen Nachwuchstalenten die Möglichkeit gibt, ihre Kunstfertigkeit auch auf Tonträgern unter Beweis zu stellen (vgl. meine Besprechung der CD mit Violinkonzerten des Italieners Castelnouvo-Tedescos mit Tianwa Yang), hat mit den auf den beiden LPs versammelten wirklich noch avantgardistischen postseriellen Werken des polnischem Meisters aus den frühen 60-er Jahren großen Mut bewiesen.

 Der Zyklus mit Pendereckis Orchesterwerken, den der fachkundige und mit dem Komponisten befreundete Dirigent Antoni Wit für NAXOS mit dem Warschauer Philharmonischen Chor, dem Warschauer Philharmonischen Orchester, dem Polnischen National Radio Symphonie Orchester erarbeitet und eingespielt hat, ist ein in der Fachpresse viel gerühmtes editorisches Unterfangen mit wie so oft bei NAXOS enzyklopädischem Anspruch. Die Aufnahmequalität ist herausragend, die Pressungen sind erstklassig gelungen ohne die (gefürchteten) Pressrückstände, die vielfach bei neuen Vinylerzeugnissen ein unangenehmes Knistern verursachen.

 Penderecki ist einer der wenigen zeitgenössischen Komponisten der Avantgarde, denen der Durchbruch zur breiten Öffentlichkeit gelang. Auf Pendereckis geheimnisvolle Klangflächen ist bald auch die Filmindustrie aufmerksam geworden.  Davon zeugen so bekannte Zelluloids wie „Der Exorzist“, „Shining“, „Fearless – Jenseits der Angst“, „Inland Empire“ oder „Children of Men“. Er komponierte auch die Originalmusik etwa für den Spielfilm „Die Handschrift von Saragossa“.

 Hört man heute die für die zwei LPs ausgewählten Titel Polymorphia, Anaklasis, Fluorescences, Threnody To the Victims of Hiroshima, Intermezzo oder Kosmogonia, so fällt sofort die Klangversessenheit des Komponisten, die hohe Innenspannung, die unglaubliche Modernität und Zeitlosigkeit des Dargebotenen auf. Was vor über 50 Jahren im ersten „Nachkriegsbiedermeier“ einen veritablen Schock beim Hörer ausgelöst haben musste, kann man heute bei Techno Parties in Berlin an allen Ecken und Enden hören. Ich habe viele der DJs in Verdacht, große Anleihen beim frühen Penderecki genommen zu haben. Dass das Vergnügen auch für das geschulte „klassische“ Ohr nicht zu kurz kommt, dafür sorgen die Präzision und der Abwechslungsreichtum der Partituren, die emotionale Tragfähigkeit, die Rückgriffe und Anklänge an Tradition und die vortreffliche musikalische Umsetzung.

 Hoffentlich setzt NAXOS die Vinyl-Serie bald mit neuen Überraschungen, vielleicht auch exklusiv nur mit Vinyl produzierten Editionen fort. Das würde auch eine entsprechende Aufmerksamkeit beim Fachpublikum sichern. Das knallbunte ein wenig psychodelische Design der LPs setzt sich wohltuend von den schon sichtlich in die Jahre gekommenen weiß-gerandeten CD-Covers ab. Die Marketing- und Vertriebsleute haben sicher noch eine Menge an guten Ideen, wie man die Grafik noch ansprechender gestalten könnte.

 Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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