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NATHALIE KÜSST

08.05.2012 | FILM/TV

Ab 11. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
NATHALIE KÜSST
La Delicatesse  /  Frankreich  / 2011 
Regie: David Foenkinos, Stéphane Foenkinos           
Mit: Audrey Tautou u.a. 

Man ist ja so dankbar, wenn eine Kinogeschichte einmal nicht nach dermaßen vorhersehbaren Klischees läuft, dass man sie ohne Hilfe der Leinwand weitererzählen könnte. Was Natalie passiert, geht zwar im mühsamen Schneckengang, der auf einen zugrunde liegenden Roman schließen lässt – tatsächlich hat ihn einer der Regisseure, David Foenkinos, auch geschrieben, und sein Bruder Stéphane Foenkinos hat bei der Kinoumsetzung geholfen – , aber es ist wenigstens eine „andere“ Geschichte als üblich.

Zuerst gibt’s Liebe, Freude, Eierkuchen. Natalie ist nichts Spektakuläreres, nicht viel mehr als Programmverkäuferin in einem Theater, und von ihrem Liebsten erfährt man nicht viel, außer dass sie ihn heiratet und glücklich ist. Es geht ja auch alles ganz schnell – sie blickt kaum von ihrem Buch auf, als er abends zum Joggen geht. Und dann passiert das, was der Alptraum jedes Liebenden ist: Der andere kommt nicht mehr heim. Vom Auto überfahren. Spital, Tod, Friedhof. Seltsam und beklemmend die Szene, als Natalie wie erstarrt gleich danach sämtliche Besitztümer ihres Mannes (inklusive Laptop) in Müllsäcke wirft und wegschmeißt.

Von da an ist sie katatonisch. Beruflich allerdings läuft plötzlich alles toll – sie wird zur Karrierefrau. Arbeitet sich in einer Firma hoch, leitet eine Abteilung. Aber das kann es ja nicht sein, die Frau ist ja noch jung. Und wäre Natalie anders, als Audrey Tatou sie mit allen Anzeichen einer unsicheren, erschütterten Seele darstellt (so dass man immer noch die leere Höhle in ihr spürt), dann würde sie sich ja wohl mit ihrem Chef (Bruno Todeschini, der elegante, aalglatte Upper-Class-Franzose) einlassen. Aber es ist der schwedische „Gastarbeiter“ Markus, der in ihrer Abteilung arbeitet, der Natalie plötzlich so in Verwirrung setzt, dass sie ihn küsst…

Es ist nicht konventionelle Liebes-Psychologie, die sich nun entwickelt, denn dieser Markus (dem wirklich höchst unspektakulär aussehenden Francois Damiens gelingt es, skandinavisch zu wirken) ist alles andere als der klassische Liebhaber: Natalies Freunde sind sogar ziemlich entsetzt von diesem hölzernen Möbel von Mann. Aber er hat, was anderen fehlt: die Sensibilität.

Freilich, die französischen Filme, die oft so gut beginnen, versinken am Ende gerne in Sentimentalität. Dieser tut es auch. Dass Natalie plötzlich die so wichtige Arbeit sein lässt, um mit Markus zu ihrer Großmutter aufs Land zu fahren, und dass er dort, in dem Garten, wo sie aufgewachsen ist, quasi ihre Seele erspürt… das kommt doch etwas dick von der Leinwand. Aber sensible Kinobesucher werden von dem schwebenden Happyend vermutlich angetan sein.

Renate Wagner        

 

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