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MY WEEK WITH MARILYN

10.04.2012 | FILM/TV

 

Ab 20. April 2012 in den österreichischen Kinos
MY WEEK WITH MARILYN
USA  /  2011
Regie: Simon Curtis
Mit: Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Judi Dench, Julia Ormond u.a.

Es gibt eine wunderbare Stelle in den Memoiren von Sir Laurence Olivier. Man weiß, mit welchem grenzenlosen Hochmut er agierte, als er, der größte Schauspieler der Welt (zweifellos hielt er sich dafür), für die Verfilmung von „The Prince and the Showgirl“ mit dem verächtlichen Hollywood-Blondinchen Marilyn Monroe zusammen arbeiten musste. Sicher hat er unter ihren Launen und ihrer Unzuverlässigkeit nach allen Regeln der Kunst gelitten. Aber Jahrzehnte später, als er den Film wieder sah, erkannte er erst, wie unvergleichlich wunderbar sie in der Rolle der kleinen Tänzerin gewesen war – und er hatte immerhin die Größe, dies zuzugeben…

Was geschah eigentlich wirklich damals, 1957 in London, als dieser Film gedreht wurde? Als Marilyn mit ihrem Gatten Arthur Miller anflog und Olivier mit seiner schon etwas verblühenden Gattin Vivien Leigh zum Empfang bereit stand? Und dann, als der Film gedreht wurde? Nun, Colin Clark war damals tatsächlich dabei. Ein ehrgeiziger junger Mann aus bester Familie, der bereit war, die Aufgaben eines unbezahlten Laufburschen zu erfüllen, nur um mitarbeiten zu dürfen. Der mit seinen Manieren, seiner Liebenswürdigkeit immer öfter für alles Mögliche herangezogen wurde – schließlich auch  zur Betreuung einer einsamen, verwirrten Marilyn, die von ihren intellektuellen Dichter-Gatten ebenso schlecht behandelt wurde wie von ihrem hochmütigen Partner und Regisseur… Und sich an Colin vertrauensvoll anlehnte.

Jahrzehnte später hat Colin Clark seine Erinnerungen an diese Zeit niedergeschrieben, und Regisseur Simon Curtis hat dem Film, der nun daraus gemacht wurde, jenen Zauber gegeben, denen Filme übers Filmemachen (so wie Theater auf dem Theater) unwiderstehlich innewohnt, wenn man es richtig macht: Dass der Brite bisher vor allem am Theater inszeniert hat, ist diesem Film (schon für die Arbeit mit den Schauspielern) zweifellos höchst zugute gekommen.

Man hat die fünfziger Jahre, die ja optisch sehr typisch waren, ebenso perfekt nachempfunden, wie man – mit einer Ausnahme vielleicht – perfekt besetzte: Vor allem Eddie Redmayne als der Inbegriff des liebenswerten, jungen, naiven Briten ist hinreißend, und man versteht, dass Harry Potters Emma Watson in der Rolle des Garderoben-Mädchen sich in ihn verliebt: Aber welche Chance hat man schon gegen Marilyn Monroe? Prachtvoll die Grandezza und auch menschliche Großzügigkeit, mit der Judi Dench  als Dame Sybil Thorndike die amerikanische Kollegin behandelt, wunderbar der Schmerz, den Julia Ormond als Vivien Leigh ausstrahlt, weil sie akzeptieren muss, nicht mehr jung und folglich aussortiert zu sein. Köstlich Zoë Wanamaker als die lästige Paula Strasberg, die sich berechnend an Marilyns Fersen klebte, und britische Grandezza vom Feinsten bei Derek Jacobi als Sir Owen Morshead, während Dougray Scott als Arthur Miller gewissermaßen amerikanische Gefühllosigkeit verbreitet.

König des Films ist allerdings Kenneth Branagh, der endlich wieder einmal eine Rolle gefunden hat, die seiner Größenordnung entspricht. Wer außer ihm könnte schon wagen, Sir Laurence Olivier zu spielen, und wem würde es gelingen (vor allem geschminkt als „Prinz“ im Film) dem großen Vorbild gelegentlich täuschend zu ähneln? Er bringt jede Facette der Figur, Egozentrik und Ungeduld ebenso wie die Größe, die man ihm fraglos glaubt. Da ist ein Shakespeare-Darsteller dem anderen auf Augenhöhe begegnet – wunderbar!

Es widerspricht der allgemeinen Meinung, von Michelle Williams in der Rolle von Marilyn nicht begeistert zu sein, bekam sie doch schließlich eine „Oscar“-Nominierung dafür. Aber wo Marilyn der Inbegriff der Fragilität war, ist die Williams mit ihrem breiten, eher groben Gesicht trotz aller Schminkkünste nicht zart genug, und wenn sie auch die seelische Hinfälligkeit des armen Geschöpfs glaubhaft nachspielt, so packt sie doch nicht den Zauber des Originals. Schade – aber der Film überzeugt dennoch. Alles rundum ist einfach zu gelungen.

Renate Wagner

 

 

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