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MUSCAT: MACBETH als Gastspiel desTeatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste

24.09.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Muscat: „MACBETH“ 22.09.2014 als Gastspiel des Teatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste

macbeth
Wenig Mobilien für Macbeth. Foto Teatro Muscat

Macbeth, Copyright

 Das dritte Opernhaus der arabischen Welt das Royal Opera House Muscat öffnete 2011 seine Pforten und dürfte  zu den schönsten ja ohne Zweifel  den geschmackvollsten  Institutionen dieser Welt zählen. Im ensemblefreien Haus gastieren zur Stagione europäische Opernhäuser,  internationale Opern- und Konzert-Solisten sowie arabisch-asiatische Ensembles der Unterhaltungsmusik in breitgefächerten, anspruchsvollen Programmen.

Zur Eröffnung der Saison 2014/15 bildete das Gastspiel des Teatro Lirico Giuseppe Verdi Trieste an drei Spieltagen mit „Macbeth“ (Giuseppe Verdi) den umjubelten Auftakt.

 Tournéegerecht, sparsam und dennoch wirkungsvoll die Bühnendeko (Joseph Svoboda) graues, düsteres Gestein für Burgkonstruktionen außen und innen mit flexibel variierten Öffnungen, ein Gazevorhang mit Blätterwerk als Symbolik der naturalistischen Waldszenen.

Wenig Mobilien lediglich ein Thron für Macbeth dafür bildschöne epochale Kostüme (Naná Cecchi). In beklemmend düsterer Atmosphäre wurde lustvoll gemordet und gemeuchelt, textgenau ließ Henning Brockhaus die Protagonisten agieren und somit wirkte die leicht überzeichnete Theatralik ohne akzentuierte Ansätze in ihrer Aussage von gestern. Die Hexen  lemurenhaft kriechend teils in schwindelnder Akrobatik an Seilen fungierend, symbolisieren zudem die schleichenden Mordgedanken der Lady, leisten ihr mal regungslos verharrend oder aktionsreich Gesellschaft. Personell dominiert Lady Macbeth das Geschehen in wirkungsvollem Einsatz den wankelmütigen Charakter des Gatten zu überzeugen.

 Voll dramatischer Wucht warf sich Csilla Boross (Lady) ins Geschehen, vermochte mich lediglich darstellerisch zu überzeugen, lehrte mich in dramatischer, vokaler Attacke das Fürchten. Diese Sopranstimme bot zwar wenige Momente warmer Mezzotöne, kam jedoch in  Bereichen der Höhenschärfen den vom Komponisten gewünschten Idealen überreich nahe und schmeichelte in keiner Weise meinem Ohr.

Kraftvoll zunächst rau empfahl sich der Bariton Michael Chioldi als Titelheld, bewältigte die Partie konsequent mit beachtlichem Stimmpotenzial gewann jedoch zunehmend an farblichen, melodischen Nuancen.

 Herrlich-sonore Basstöne, melodiösen Wohlklang durfte man von  Giorgio Giuseppini (Banquo), sowie strahlend hellen Tenorglanz in der leider kleinen Partie des Malcolm (Saverio Fiore) vernehmen, die Herren boten zweifellos die kultiviertesten vokalen Beiträge des Abends. Weniger reizvoll mit mächtiger Tenorstimme beweinte Macduff (Luciano Ganci) die gemeuchelte Familie. Schönstimmig besetzt die kleinen Partien: Kammerfrau (Maria Cioppi), Doktor/Mörder (Gabriele Ribis) und Diener/Herold (Christian Starinieri). Vokal-rhythmische Akzente setzte zudem der Chor des Teatro Verdi (Paolo Vero).

 Maestro Donato Renzetti führte das federnd leicht musizierende Orchestra Teatro Verdi durch Partitur, ließ den bestens disponierten Klangkörper akzentuiert mit stets wachsamem Blick zur Bühne, sehr differenziert aufspielen.

 Bleiben wir bei Shakespeare: Wie es Euch gefällt – das höchst disziplinierte, aufmerksame, bewundernswert-fachkundige Publikum spendete reichlich Szenenapplaus und bedachte Solisten, Orchester, Dirigent, Statisten sowie das auf der Bühne versammelte technische Personal lautstark, ausdauernd  mit Standing Ovations.

 Ein Interview mit der deutschen Direktorin Frau Christina Scheppelmann sowie ein Portrait des ROH folgt in Kürze.                                            
Gerhard Hoffmann

 

 

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