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MÜNCHEN/Prinzregententheater/Akademie: L’INGANNO FELICE von G. Rossini

31.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Opernrarität in München: „L’inganno felice“ von Gioacchino Rossini (Generalprobe: 30. 5. 2012)

Immer wieder überrascht die Bayerische Theaterakademie August Everding im Münchner Prinzregententheater (Akademietheater) mit Produktionen selten gespielter Opern, die ihren Studentinnen und Studenten die Möglichkeit bietet, ihr bereits erworbenes Können unter Beweis zu stellen. Diesmal fiel die Wahl auf die Oper „L’inganno felice“ von Gioacchino Rossini, deren Uraufführung 1812 in Venedig stattfand, aber nur selten zur Aufführung gelangt. Beim Rossini-Festival in Pesaro stand die Farsa in un atto in den Jahren1980 und 1994 auf dem Programm.

Die Handlung der Oper, deren Libretto von Giuseppe Maria Foppa stammt, ist rasch erzählt: Die Herzogin Isabella wird zu Unrecht durch ihren Diener Ormondo der Untreue bezichtigt. Ihr Mann Bertrando glaubt dem Verleumder und befiehlt ihm und Batone, seine Ehefrau zu beseitigen. Bei der Erledigung ihres Auftrags begehen die beiden den Fehler, Isabella bloß in einem Boot auf dem Meer auszusetzen und sie ihrem Schicksal zu überlassen, ohne sich ihres tatsächlichen Todes zu vergewissern. Isabella überlebt, wird an einen Strand gespült und dort von dem Bergwerksarbeiter Tarabotto  gerettet, der sie als seine Nichte bei sich
behält. Einige Jahre später macht sich der inzwischen zum zweiten Mal verwitwete Herzog auf den Weg zum Bergwerk, um die Gegend wegen kriegerischer Unternehmungen auszukundschaften.
Isabella, Bertrando, Batone und Ormondo treffen aufeinander – und es beginnt ein heiter-naives Versteckspiel, bis sich die Situation dramatisch zuspitzt und
ein weiterer Mord geplant wird…

Regisseur Manuel Schmitt siedelt das unterhaltsame Werk, das in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln gebracht wird, im Mafia-Milieu an und schuf eine komödiantische Inszenierung, die wie eine Parodie auf die italienischen Mafiosi wirkt, wobei seine gute Personenführung des jungen Ensembles zum Tragen kommt. Schon während der Ouvertüre wartet er mit einer originellen Idee auf, indem er Isabella zur Musik einen Brief auf eine alte Schreibmaschine hämmern lässt, deren Text auf der Hauswand mitläuft und in dem sie ihr Schicksal schildert. Witzig auch der Einfall einer Showeinlage mitten im Stück: Isabella legt eine Schallplatte auf und tanzt zu dem René Kollo-Schlager „Wie einst im Mai“, wobei sie alle anderen mitreißt und das gesamte Ensemble seine tänzerischen Qualitäten dem Publikum vorführt.

Der Hintergrund der Bühne, die fast ohne Requisiten auskam, bestand aus einer Kulissen-Hauswand mit mehreren Fenstern, die mit Jalousien versehen waren, die je nach Bedarf hoch- und runtergingen (Gestaltung: Linda Sollacher), die Entwürfe der zum Mafia-Milieu gut passenden Kostüme stammten von Lisa Geller.

Als Isabella konnte Frauke Burg mit ihrer sicheren Sopranstimme, die auch in der Höhe gut klang, und ihrer schauspielerischen Begabung beeindrucken. Ein Versprechen für die Zukunft! Als Graf Bertrando spielte der Tenor Richard Resch als Gast in einigen Szenen sein urkomisches Talent blendend aus. Ihm stand der junge Tenor Bonko Karadjov in der Rolle des Batone kaum nach, der gleichfalls herrlich komödiantisch agierte und durch seine ausdrucksstarke Mimik punktete. Den Diener Ormondo gab der großgewachsene und schlaksige Bariton Daniel Makra, der den Anführer der Mafiosi sowohl stimmlich wie auch darstellerisch überzeugend mimte. Rollengerecht auch der Bass Carl Rumstadt als Tarabotto. Obwohl erst zwanzig Jahre alt, gelang es ihm recht gut, den vermeintlichen Onkel Isabellas darzustellen.

Festzuhalten ist, dass alle Mitwirkenden mit großem Engagement und sichtlicher Spielfreude agierten. So spielte eine junge Musikerin ihr Flötensolo allein auf der Bühne, wobei sie – von einem Schuss eines Mafiosi getroffen – elegant zu Boden sinkt. Das Orchester wurde von Daniel Stratievsky, 1986 in St. Petersburg geboren, sehr umsichtig geleitet, während der zweite Dirigent, Neil Valenta, am Cembalo spielte.
Die spritzige und mitreißende Musik Rossinis wurde schon ab den ersten Takten der Ouvertüre eloquent wiedergegeben.

Das Publikum der Generalprobe war von den Leistungen der Studenten sichtlich begeistert, geizte nicht mit Szenenbeifall und applaudierte am Schluss allen Mitwirkenden minutenlang.

Udo Pacolt, Wien – München

 

PS: Die Oper, die von der Bayerischen Theaterakademie mit der Hochschule für Musik und Theater München (mit dem Studiengang Regie, Leitung: Prof. Cornel Franz) produziert wurde, wird nach ihrer Premiere am 31. Mai nur noch am 1. Juni im Akademietheater Ost / Prinzregententheater gespielt.

 

 

 

 

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