Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MÜNCHEN: Gärtnerplatz im Prinzregententheater: ONKEL PRÄSIDENT von Friedrich Cerha. Uraufführung/ 2. Vorstellung

04.06.2013 | KRITIKEN, Oper

MÜNCHEN, Gärtnerplatztheater im Prinzregententheater, Friedrich Cerha, „ONKEL PRÄSIDENT“, UA, 2. Vorstellung, 3.6.2013,


»Onkel Präsident«. Ann-Katrin Naidu als Fräulein Flott, Elaine Ortiz Arandes als Fräulein Flink, Stefan Cerny als Dr. Fleiß, Frances Lucey als Fräulein Flugs und Renatus Mészár als Präsident. © Jochen Klenk

 Ein reizender Zeitgenosse, dieser „Onkel Präsident“. Wie weiland absolutistische Aristrokraten herrscht er über sein Firmenimperium und weiß genau, dass durch ein paar mitfühlend erscheinende Worte die lieben Angestellten noch ein wenig schneller springen und gehorchen. Er nennt diese kleinen Freundlichkeiten „Öl, um die Maschinen am laufen zu halten“. Und natürlich ist so ein Autokrat bestens vernetzt und weiß, von wem er wann noch einen Gefallen einfordern kann. Auf dieser Klaviatur des „Geben und Nehmen“ spielt er denn auch virtuos, um aus dem ganz und gar unpassenden Geliebten Josef Powolny (Fahrradbote mit Rastalocken und antikapitalistischen Ansichten) seiner Nichte Melody Moneymaker einen präsentablen potentiellen Schwiegersohn zu machen. Denn die reichen, amerikanischen Eltern der verwöhnten jungen Dame kommen nun doch etwas früher nach Europa als geplant – es bleibt dem Onkel Präsident gerade mal eine Stunde Zeit für die wundersame Verwandlung des jungen Verlobten. Sie gelingt bestens – und man schmunzelt, als Mummy Moneymaker bei der Präsentation des nunmehr geadelten, mit Titeln und Posten versehenen jungen Mannes, freundlich ausruft: “ ….ich bin glücklich….obwohl ich für meine Tochter auch einen jungen Menschen ohne Geld und Titel auch akzeptiert hätte.“

Das Libretto zu dieser musikalischen Farce erstellten Peter Wolf und Friedrich Cerha, frei nach dem Bühnenstück „Eins, zwei, drei“ von Ferenc Molnár. Eingebettet ist das turbulente Geschehen in einen Prolog und einen Epilog, in dem der urlaubsreife Präsident auf einer Parkbank im Fichtenwald sitzend mit einem Komponisten darüber sinniert, warum heutzutage kaum noch musikalische Komödien geschrieben werden und der Präsident dem Komponisten schließlich rät, die Oper zu vergessen und stattdessen lieber die verbleibende Lebenszeit zu genießen. Worauf der Präsident einschläft.

Cerha und sein Librettist haben eine ironische Komödie über das Leben in heutigen Vorstandsetagen geschrieben. Cerhas Musik ist fein gesponnen, findet leise ariose Töne für das Liebespaar und vertont sehr akkurat den Wortwitz. Denn das muss man ihm und den Sängern zugutehalten, man hätte auch ohne die mitlaufenden Übertitel fast immer alles verstanden. Womit wir bei den wirklich großartigen Sängern wären:

Die Palme gebührt hier Renatus Mészár (Onkel Präsident), dessen nahezu pausenlose Präsenz in der hundert Minuten währenden Aufführung und dessen raumfüllender Bass eine Freude waren. Mit leuchtendem Sopran und gelegentlich etwas zickig Susanne Ellen Kirchesch als Melody Moneymaker. Ihr Liebster Paul Schweinester blieb da trotz aller Verwandlung ein wenig blass. Köstlich in Chanelkostümchen die Sekretärinnen Fräulein Flink (Elaine Ortiz Arandes), Fräulein Flott (Ann-Katrin Naidu) und Fräulein Flugs (Frances Lucey) und ebenso der Leiter dieser Damenriege Dr. Fleiß (Stefan Cerny). Robert Holl gibt mit prächtigem Bassbariton den altersmüden Komponisten auf der Waldbank.

Chefdirigent Marco Comin bewies mit dem ausgezeichneten Gärtnerplatzorchester wieder einmal, wie vielseitig die Musiker agieren können und dass man – in bewährter Tradition – an diesem Haus auch Zeitgenössisches adäquat auf die Bühne bringen kann. Dass Hausherr Josef E. Köpplinger sein Regiehandwerk versteht und ein besonders feines Gespür für das richtige Timing eines heiteren Stücks hat, wussten wir. Mit dieser rasant inszenierten musikalischen Farce hat er es wieder einmal zur großen Freude des – leider nicht so zahlreich erschienenen – Publikums bewiesen.

 Jakobine Kempkens

 

 

Diese Seite drucken