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MÜNCHEN: CARMEN

08.02.2013 | KRITIKEN, Oper

MÜNCHEN, Bayerische Staatsoper, Georges Bizet, „CARMEN“, 6.2.2013

Der Überraschungscoup zu Beginn, wenn mit Erlöschen des Lichts gleichzeitig der harte Tutti-Akkord des Orchestervorspiels erklingt, ließ erwartungsgemäß das Publikum zusammenzucken. Jedoch leider nicht dessen Gespräche verstummen! Gefühlte drei Minuten mussten sich viele Zuschauer vom Schrecken durch Volksgemurmel erholen. Schade, denn Asher Fisch und das Bayerische Staatsorchester musizierten ein sehr temperamentvolles Vorspiel und auch den weiteren Abend, con fuoco ed anima. Ob majestätischer Torero, leidenschaftliche Carmen oder inbrünstige Micaela, Asher Fisch und das Bayerische Staatsorchester begleiteten in jeder Sekunde mitfühlend und mitatmend. Bravissimo und großer Jubel.

Dagegen gestalteten sich die sängerischen Leistungen, vor allem in den Hauptpartien, eher durchwachsen: Die Nebenrollen waren vorzüglich besetzt mit zwei prachtvoll singenden Soldaten, Tareq Nazmi als Zuniga und Andrea Borghini als Moralès sowie dem präzisen und schönstimmigen Schmugglerquartett Alexander Kaimbacher (Dancairo), Kevin Conners (Remendado), Eri Nakamura (Frasquita) und Julia Faylenbogen als Mercédes. Bis auf A. Kaimbacher und J. Faylenbogen alle Ensemblemitglieder!

Der Ukrainer Vitaliy Bilyy demonstrierte mit seinem kernigen heldisch-dramatischen Bassbariton vom ersten Ton den sieggewohnten und herrisch-arroganten Torero. Ihm macht die vertrackte Auftrittsarie nicht die geringste Mühe und man versteht, warum Carmen sich ihm zuwendet und nicht dem Don José dieses Abends. Denn Thiago Arancam, vom Aussehen her eher Rekrut denn Offizier, ist ein Ärgernis. Das schlimme Wort vom „Knödeltenor“ passt leider auf ihn. Da wird gehaucht, die Stimme verschattet, gepresst….nein, das war nicht staatsopernwürdig – und das Buh nach der Blumenarie mehr als gerecht. War wirklich kein anderer Don José für diese Carmen-Serie zu finden?

Bei den Damen sah es besser aus: Die schlanke Asmik Grigorian wirkt mit ihrem langen dunklen Zopf und dem blauen Kleid zwar eher wie aus dem Mädchenpensionat denn aus einem Bauerndorf, doch machte sie mit ihrem Spiel das schüchterne Mädchen vom Lande sehr glaubhaft. Ihr Sopran klang frisch und blühend, wenn auch zu Beginn ein wenig scharf. Aber an diesem Abend war sie eindeutig ein Pluspunkt.

Nancy Fabiola Herrera gab mit der Titelrolle ihr Debüt an der Bayerischen Staatsoper und wurde heftig bejubelt. Endlich einmal wieder eine Carmen, die sowohl über eine profunde, satte Tiefe als auch über eine warme Höhe verfügt und beide Register bruchlos miteinander verbinden kann. Dazu ist sie darstellerisch wirklich ein Ereignis. Wenn sie nur das Kinn hebt oder gar kokett sich in den Seiten wiegt, dann werden Männer zu Männchen. Diese Carmen dominiert und verführt und strahlt dabei Würde und Freiheit aus. Dass sie bei Lillas Pastia auch noch selbst gekonnt die Kastagnetten spielt, ist eine erfreuliche Zugabe.

Alles in allem ein schöner Repertoireabend vor allem dank Asher Fisch und dem Bayerischen Staatsorchester.

Jakobine Kempkens

 

 

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