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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: LOHENGRIN – umjubelt

18.11.2012 | KRITIKEN, Oper

München: Bayerische Staatsoper: Umjubelter LOHENGRIN; 18. und 14.11.2012

 Wer steht denn da während des Vorspiels zum ersten Akt im „Blaumann“ auf der offenen Bühne? Ach ja, natürlich, das ist Elsa von Brabant, die am Plan des erträumten Einfamilien-Häuschens noch etwas umzeichnen möchte. Bald kommen auch noch viele Bauarbeiter in Arbeitskluft (laut Textbuch: die brabantischen Grafen und Edlen) und schließlich der Ober-Häuslebauer, der sich später als Lohengrin genannter Gralsritter vorstellen wird. Auch er in Shirt und Schlabberhose. Für diese und andere Plattheiten zeichnen verantwortlich: Richard Jones (Inszenierung) und Ultz (Bühne und Kostüme). Und trotzdem ereignete sich das Lohengrin-Wunder: durch Richard Wagners Musik und hochklassige Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben, allen voran Klaus Florian Vogt als Titelheld, Anja Harteros (14.11.) und Edith Haller (18.11.) als Elsa. Vogts helle und reine Stimme, die über allem zu schweben scheint, bringt die überirdische Schönheit, die diese romantische Oper erfordert, in die Aufführung. Alle Abstufungen von zarter Lyrik bis zur Dramatik des dritten Aktes kommen wunderschön und mühelos. Textverständlichkeit und eine bis in Details sinnerfüllte Darstellung scheinen für ihn selbstverständlich zu sein. Anja Harteros ist ihm eine ebenbürtige ideale Partnerin. Es ist betörend, mitzuerleben, wie Frau Harteros gesanglich und darstellerisch jede Empfindung und Verzweiflung Elsas gestaltet. Im dritten Akt baut sie die Spannung so bezwingend auf, dass man versteht, warum Elsa die verbotene Frage unausweichlich stellen muss. Eine ganz große Leistung dieses Traumpaares! Ein wenig herber als Anja Harteros ist Edith Haller als Elsa. Sie fand sich gut in der umständlichen Szene zurecht und bildete mit Klaus Florian Vogt ebenfalls ein sehr stimmiges Paar, das vom Publikum mit großem Jubel bedacht wurde. Hans-Peter König sang mit wohlklingendem Bass einen gutmütigen König Heinrich. Eine schillernde Gestalt im schwarzen Cocktail-Kleid ist die Ortrud von Michaela Schuster, die mit dramatischem Mezzosopran und viel Präsenz die Bühne und ihren Ehemann beherrscht. Besonderes Interesse galt nach dem Hinauswurf aus dem Bayreuther Holländer im Sommer 2012 wohl dem Telramund von Evgeny Nikitin, der seinen großen Erfolg der letzten Jahre als Telramund an der Bayerischen Staatsoper souverän wiederholen konnte. Fabelhaft, wie akzentfrei er die Partie singt, obwohl er eigentlich nicht sehr gut deutsch spricht. Markus Eiche war ein wohllautender und dabei textverständlicher Heerrufer.

Wie immer hervorragend der Chor der Bayerischen Staatsoper (Leitung: Sören Eckhoff). Das Bayerische Staatsorchester unter Lothar Koenigs hörte sich etwas herber als sonst bei Wagner an (auf einem Parkettplatz mehr als in der Galerie), bezauberte aber durch hervorragende Leistungen in allen Soloinstrumenten. Begeisterter Schluss-Applaus des Publikums, mit ganz leichten Vorteilen für Klaus Florian Vogt.

Helga Schmöger

 

 

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