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MÜNCHEN/Opernstudio der Bayerischen Staatsoper: ALBERT HERRING

15.04.2016 | Allgemein, Oper

München: Opernstudio der Bayerischen Staatsoper: „ALBERT HERRING“ 14.04.2016:

Das Münchner Publikum hat während einer laufenden Saison viele Gelegenheiten, die meist vielversprechenden Nachwuchssänger des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper zu erleben. Höhepunkt für die jungen Künstler ist sicher immer die Neuinszenierung eines abendfüllenden Werks im Cuvilliés-Theater.

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Petr Nekoranec in der Titelrolle. Copyright: Wilfried Hösl

In diesem Jahr gab es Benjamin Brittens komische Oper „Albert Herring“ in einer Inszenierung von Róbert Alföldi (Bühne: Ildikó Thinanyi, Kostüme: Fruzsina Nagy) zu sehen. Das Stück spielt in dem fiktiven englischen Städtchen Loxford, in dem die schon ältere, reiche, streng auf Moral bedachte Lady Billows die übrigen Bewohner, insbesondere auch die Honoratioren wie den Pfarrer, die Lehrerin, den Bürgermeister und den Polizeichef unter ihrer Fuchtel hält. Um die alte Tradition der Wahl einer Maikönigin wiederzubeleben, lässt sich Lady Billows von ihren „Untergebenen“ eine Auswahl an besonders tugendhaften Mädchen präsentieren, die jedoch alle nicht den hohen Moralvorstellungen von ihr selbst und ihrer Haushälterin Florence genügen. Schließlich kommt man darauf, den Brauch etwas abzuändern und den etwas einfältigen, schüchternen jungen Mann Albert Herring zum Maikönig zu ernennen. Dieser sträubt sich erst, lässt sich aber dann von seiner herrischen Mutter und dem in Aussicht gestellten Preisgeld doch überzeugen. Auf der Maifeier steigen Albert die mit Rum versetzte Limonade und die neu gewonnene Prominenz etwas zu Kopf: Er stiehlt sich davon und verbringt die Nacht in den Kneipen der nahegelegenen Kreisstadt. Am nächsten Morgen präsentiert sich ein zwar etwas derangierter, aber neuerdings selbstbewusster und lebensfroher Albert der moralisch erschütterten Hautevolee von Loxford.

Benjamin Brittens lockere und bewegliche Musik für nur 12 Musiker ist heiter, aber auch pointiert. In witzig-ironischer Weise spielt er mit verschiedenen Musikstilen, etwa dem feierlichen Oratorienstil Händels, dem Belcanto mit perlenden Koloraturen oder der Wiener Walzerseligkeit. Insbesondere für die Szenen, die Alberts Suche nach sich selbst zeigen, findet Britten auch sehr zarte und innige Töne. Die Protagonisten stürzten sich alle mit Feuereifer in ihre Rollen. Der Tenor Petr Nekoranec spielte einen äußerst liebenswerten Albert Herring, dem man als Zuschauer nur zu gern beim Erwachsenwerden zusah und ihm am Ende seine neugewonnene Unabhängigkeit von Herzen gönnte. Auch mit seinem klaren, etwas metallischen, aber sehr klangvollen Tenor konnte er sehr für sich einnehmen. Aus den übrigen Opernstudio-Solisten ragte Deniz Uzun als Haushälterin Florence heraus. Sie versetzte einen nicht nur mit ihrem voluminösen, frei strömenden, samtigen Mezzosopran in Begeisterung, sondern brachte einen auch mit ihrer Darstellung der äußerlich streng moralischen und ihrer Hausherrin treu ergebenen, eigentlich aber durchaus durchtriebenen und auf ihre eigenen Interessen und ihr eigenes Vergnügen bedachte Haushälterin zum Lachen. Die Rolle der tyrannischen Lady Billows wurde von Miranda Keys quasi als Gast, da nicht Mitglied des Opernstudios, meisterhaft verkörpert. Ihr dramatischer, manchmal etwas zur Schärfe neigender Sopran war wie geschaffen für die herrschsüchtige Dame, vor der sämtliche Einwohner Loxfords zittern. Auch die übrigen Opernstudio-Solisten zeigten überzeugende, witzige Charakterstudien, so Leela Subramaniam als streberhafte Lehrerin, Johannes Kammler als geltungsbewusster Pfarrer, Joshua Owen Mills als großspuriger Bügermeister, Igor Tsarkov als kauziger Polizeichef sowie John Carpenter und Marzia Marzo als sympathisches Liebespaar Sid und Nancy, die sich ihre Liebe nicht von Lady Billows‘ Moralpredigten vermiesen lassen.

Dirigentin Oksana Lyniv und die Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters musizierten Brittens Partitur mit Witz, Leichtigkeit, aber auch der nötigen Ernsthaftigkeit, die es braucht, um eine Komödie richtig zur Geltung zu bringen. Ein beschwingter Abend, für den sich das Publikum mit begeistertem Applaus bedankte.

Gisela Schmöger

 

 

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