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MÜNCHEN/ Philharmonie: MÜNCHNER PHILHARMONIKER/ Gergiev/ Abduraimov (Ustwolskaja – Rachmaninow – Schostakowitsch)

15.07.2016 | Konzert/Liederabende

München / Münchner Philharmoniker / Ustwolskaja – Rachmaninow – Schostakowitsch / Gergiev – Abduraimov 14.07.2016

Dieses Konzert vereinte drei Werke, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, und doch haben sie zwei große Gemeinsamkeiten: alle stammen aus dem 20 Jahrhundert und alle wurden von russischen Komponisten, bzw. einer Komponistin, geschaffen.

Den Anfang machte die Symphonie Nr. 3 für Sprechgesang und kleines Orchester „Jesus, Messias, errette uns!“ der Leningrader Komponistin Galina Ustwolskaja (1909-2006). Dieses 1983 entstandene Werk entzieht sich allen gängigen Klassifizierungen. Schon die Besetzung ist ungewöhnlich: Zwei große sowie eine kleine Trommel in der Bühnenmitte, Klavier, Kontrabässe, Bläser. Der ziemlich kurze Text wird von dem russischen Schauspieler Alexei Petrenko insgesamt dreimal rezitiert, jedes Mal mit großem Pathos und zuletzt fast flüsternd mit erschütternder Trauer. Langsam mischen sich die Oboen mit unheimlich dissonant flirrenden Tönen und später die anderen Instrumente. Sehr außergewöhnlich ist das lange „Solo“ der drei Trommeln, zu dem dann das ebenfalls perkussiv behandelte Klavier hinzutritt. Eine überaus expressive Musik, die den Eindruck von brutaler Einsamkeit in einer unwirtlichen Welt hervorruft.

Ganz anders das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 d-Moll op.30 von Sergej Rachmaninow, entstanden 1908/09. Der junge usbekische Pianist Behzad Abduraimov spielt dieses als immens schwer verschriene Konzert mit einer staunenswerten Leichtigkeit und ohne allzu großes Pathos. Valery Gergiev lässt die Münchner Philharmoniker mit warmem, sattem Streicherklang glänzen, nie deckt das Orchester den Pianisten zu, wird aber auch nie zur reinen Begleitung. Wunderbar organisch gestalten die beiden vor Allem im zweiten Satz die Übergänge vom Soloklavierspiel zum Tutti des Orchesters. Als Zugabe bringt Abduraimov dann eine Siziliana von Vivaldi in einer Bearbeitung von J.S Bach transkribiert für Klavier von Alfredo Cortot, quasi die italienisch-heitere Version der melancholischen Melodien aus dem ersten Satz des Klavierkonzerts.

Das hätte eigentlich für einen wunderschönen Konzertabend gereicht. Aber Valery Gergiev wollte wohl zum Abschluss seiner ersten Saison dem Münchner Publikum ein furioses Finale bieten. So gab es nach der Pause noch die Symphonie Nr. 4 c-Moll op. 43 von Dmitrij Schostakowitsch, entstanden 1934-36. Gergiev hält dieses ausufernd-eruptive Werk mit fester Hand zusammen, es wirkt vor allem in den rhythmisch-pointierten Stellen burschikos und bodenständig, nicht übermäßig subtil, aber nie geht der große Bogen verloren. Als sich nach dem morendo verklingenden Ende die Spannung löst, explodiert der Saal förmlich im Beifall.

Sehr informativ ist wie immer das Programmheft, das man sich auch herunterladen kann:
https://www.mphil.de/fileadmin/redaktion/Saisonordner/Saisonordner_1516/Programmhefte_1516/Hefte_1516/Mphil_Gergiev13_PRO_www.pdf

Über das bunte Titelbild sagt der Künstler, dass ihn Schostakowitschs Musik zu einer bunten Dschungelwelt inspiriert habe. Die grünen Drachen, die er darin versteckt habe, sollte der Hörer zur Musik tanzen sehen. Na, das hätte ich vielleicht vorher lesen sollen!

Susanne Kittel-May

 

 

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