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MÜNCHEN/ Opernfestspiele: MEFISTOFELE

26.07.2016 | Oper

München: Münchner Opernfestspiele: „MEFISTOFELE“, 24.7.2016

 Der italienische Komponist Arrigo Boito (1842 – 1918), der vielen Opernfreunden zu Unrecht nur als Librettist von Verdi-Opern bekannt ist, hat sich Goethes Faust I und die Helena-Szene aus Faust II als Vorlage für seine Oper genommen und dabei die Figur des Verführers und Menschenverächters Mephisto in den Vordergrundgestellt. Regisseur Roland Schwab, der im Oktober 2015 „Mefistofele“ als Münchner szenische Erstaufführung auf die Bühne des Nationaltheaters brachte, hat sich noch etwas mehr vom Goetheschen Faust entfernt, so dass das Schulwissen gerade noch gut genug ist, die einzelnen Handlungsschritte identifizieren zu können. „Faust I“ spielt in einem riesigen stählernen Gitter-Tunnel (Bühne: Piero Vinciguerra, Kostüme: Renée Listerdal, u.a.), die Helena-Szene spielt im Heim für Demenzkranke. Der alte Faust verliebt sich in die Pflegerin, seine Helena, und entzieht sich durch das Vergessen in der Demenz dem Einfluss Mefistofeles. Die hehren Chöre der himmlischen Heerscharen (wunderbar: Chor und Kinderchor der Bayerischen Staatsoper, Einstudierung Sören Eckhoff, StellarioFagone) lassen vermuten, dass ihm, Faust, vergeben werden wird und er in den Himmel aufgenommen werden kann. Genau weiß man es aber nicht; das Ende Fausts bleibt offen.

Die Krone des Gesangs gebührt an diesem Abend (wie auch schon am 21.7.) Joseph Calleja. Seine schwärmerische Romanze „Dai campi, daiprati“ im ersten Akt und die Gesänge des Faust im Epilog sind absolute sängerische Höhepunkte der ganzen Aufführung. Sein unverwechselbarer Tenor hat in den letzten Jahren neben einerdunkleren Tönung eine Klangfülle bekommen, die -zusammen mit der mühelosen, unmanierierten Höhe – begeistert. Darstellerisch zeigt er sich gegenüber seinem Rollendebüt 2015 viel gelöster und überzeugender. Das trifft auch auf René  Papezu, der jetzt als Mefistofele wirklich der elegante, zynische und ausdrucksstarke Herrscher über seine ziemlich sexistische Unterwelt geworden ist. Dass die hohen und tiefen Extreme seines Gesangsparts „kommen“, scheint bei ihm selbstverständlich zu sein. Ein großartiges Rollendebüt! Wie Pape und Calleja gehört auch Kristine Opolais als Margherita zur Premierenbesetzung von 2015. Frau Opolais macht jede Rolle, die sie singt, zu einer höchst bewegenden und eindrucksvollen Figur, wenn auch ihr Sopran nicht zu den sehr einschmeichelnden gehört. Die Marta, hier eine Liebesdienerin, wird von Heike Grötzinger aufregend gesungen und gespielt.

Frappierend sind Statisterie und dasOpernballett der Bayerischen Staatsoper in ihrer lasziv-akrobatischen Darstellung der Unterwelt (Choreographie: Stefano Giannetti). Fausts „Altenpflegerin“ Karine Babajanyan (Elena) möchte man gerne in einer attraktiveren Rolle und Aufmachung auf der Bühne wieder begegnen. Omer Meir Welber leitete mit Leidenschaft das fabelhafte Bayerische Staatsorchester. Sehr herzlicher, aber nicht allzu langer Beifall des Münchner Festspielpublikums.

Helga Schmöger

 

 

 

 

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