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MÜNCHEN: MADAMA BUTTERFLY – herzzerreißend in pittoreskem Bühnenbild

28.09.2015 | Oper

München: Bayerische Staatsoper: „Madama Butterfly“ – herzzerreißend in pittoreskem Bühnenbild, 27.09.2015

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Foto: Bayerische Staatsoper/Wilfried Hösl

„Es zählt nicht alt oder neu, nur, ob das Werk auf der Höhe ist oder nicht“, sagte Nikolaus Bachler dem Müncher Merkur im Juli 2009, und weiter, dass die „Butterfly“ neu inszeniert werden müsse. Das ist bis jetzt leider nicht geschehen, immer noch steht die etwas angestaubt und bieder wirkende Inszenierung von 1973 auf dem Programm. Regie: Wolf Busse, Bühnenbild Otto Stich, Kostüme: Silvia Strahammer. Nur zwei Inszenierungen an der Bayerischen Staatsoper sind noch älter: Otto Schenks unverwüstliche Bohème von 1969 der Rosenkavalier von 1972, ebenfalls von Schenk inszeniert. Die Tragödie der Butterfly entfaltet sich also vor einem pittoresken Bühnenbild, ein japanisches Häuschen, im ersten Teil von außen mit ein wenig Umgebung gezeigt, in zweiten Teil ist der Innenraum zu sehen. Die Farben sind erdig warm, das tut keinem weh und nichts lenkt vom Musikgenuss ab, es regt aber auch nichts dazu an, über die vordergründige Handlung hinauszudenken. Manches ist gut beobachtet: etwa Pinkerton, der mit den kleinen Holzfiguren, die Butterfly ihm gibt, erst mal Jonglieren übt, bis sie ihm sagt, dass es sich um die Geister der Ahnen handelt. Oder Sharpless, der, als er Butterflys Alter erfährt, dieses fast erschrocken zu Pinkerton gewandt wiederholt, fünfzehn Jahre, als würde er ihm sagen wollen, dass es doch Missbrauch Minderjähriger ist, was er plant. Aber der Rest ist reine Bebilderung, die lächerlich und banal wirken könnte, es sei denn, man hat eine sehr gute Besetzung. Und eine solche hatte die Bayerische Staatsoper am Sonntag aufgeboten: Joseph Calleja war der leichtsinnige Amerikaner B.F. Pinkerton, der nur ein kurzes Vergnügen mit einer exotischen Geisha sucht. Er hat die Stimmfarben für alle Launen des leichtsinnigen, verliebten, arroganten, patriotischen Kerls. Die Stimme ist immer hervorragend fokussiert, die Höhen strahlen mühelos und die Piani leuchten. Seine Darstellung ist auch wesentlich agiler als früher, er scheint sich in dieser Rolle und in der Inszenierung wohlzufühlen. Das erotisch drängende während des Liebesduetts legt er aber nur in die Stimme, darstellerisch flüchtet er sich in dieser Situation in die üblichen Operngesten, aber das könnte auch an der Inszenierung liegen. „Addio fiorito asil“ geriet ihm mit genau der richtigen Mischung aus Selbstmitleid und echter Empathie.

Die Butterfly wurde von Hui He mit kraftvoller, dramatischer Stimme gesungen. Sie klang vielleicht einen Tick zu fraulich, als dass man ihr das junge Mädchen im ersten Akt hätte glauben können, zumal die Höhen im Piano manchmal etwas eng wurden und der eine oder andere Ton etwas zu tief intoniert wurde. Ihr Rollenportrait der verlassenen Frau im zweiten Teil der Oper gestaltete sie dagegen mit schöner kräftige Mittellage und warmem Timbre, auch die dramatischen Ausbrüche waren immer auf Linie gesungen. Herzzerreißend der Abschied vom Kind.

Den beiden zur Seite stand mit Levente Molnár ein Konsul Sharpless, der als väterlicher Mahner mit noblem Bariton doch immer auf taube Ohren stieß. Die restlichen Rollen waren aus dem Ensemble besetzt; allen voran die Suzuki der Okka von der Damerau, die ihren schönen Mezzo in wunderbar phrasierten Bögen strömen ließ. Der Heiratsvermittler Goro wurde von Ulrich Reß mit agilem Charaktertenor gesungen, während der Yamadori, Andrea Borghini, manchmal in den Wogen des Orchesters unterging.

Die Musikalische Leitung lag bei Keri-Lynn Wilson in weiblichen Händen, was zu überraschtem Raunen im Publikum bei führte: „Das ist ja eine Frau“ hörte man wispern, als sie das Pult betrat. Sie generierte einen pastosen, satten Puccini- Klang, manchmal etwas lauter als nötig, aber insgesamt ein spannungsreiches, nie kitschiges Dirigat, das die Verzweiflung der Butterfly auch mal mit durchaus passenden harschen Klängen unterstreicht.

Susanne Kittel-May

 

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