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MÜNCHEN / Festspiel-Konzert des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper

MÜNCHEN / Festspiel-Konzert des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper, 7.7. im Cuvilliés-Theater

Trotz der starken Konkurrenz der gleichzeitigen TV-Übertragung des Fußball-Europameisterschafts-Halbfinales Deutschland : Frankreich war das Konzert äußerst gut besucht, wie der Leiter des Opernstudios Henning Ruhe mit Freude in seiner kurzen Begrüßung feststellen konnte. Er kündigte ein anspruchsvolles, kurzweiliges  Programm an und versprach, dass die interessierten Zuschauer noch rechtzeitig „in der Kneipe“ sein könnten, um das Ende des Fußballspiels zu sehen.

Dann kein Gedanke mehr an Fußball, als die Damen und Herren des Opernstudios inAbendkleid und Frack auf die Bühne des wunderschönen Cuvilliés-Theaters traten. Begleitet von Olga Fedorova am Klavier sangen sie zunächst Ausschnitte aus Mozarts Opera seria„Idomeneo“: die amerikanische Sopranistin Leela Subramaniam die Arie der Ilia „Padre, germani, addio!“, der walisische Tenor Joshua Owen MillsIdomeneos Arie „Vedrommiintornol’ombradolente“, die in Mannheim geborene Mezzosopranistin Deniz Uzun Adamantes „Il padreadorato“ und schließlich das Terzett „Pria di partir, oh Dio“ (Iris van Wijnen, D. Uzun und J. O. Mills). Alle waren sehr stilsicher und man merkte ihnen ihre Mozart- und Seria-Erfahrung an, die sie trotz ihrer jungen Karrieren schon haben.

Dann folgte ein Feuerwerk an Rossini-Gesang mit Höhepunkten aus dem „Barbier von Sevilla“: die Factotum-Arie des Titelhelden (Bariton John Carpenter), „La calunnia è unventicello“ (Bass Igor Tsarkov), „Ecco ridente in cielo“, wunderbar lyrisch gesungen vom tschechischen Tenor Petr Nekoranec, Rosinas Pracht-Arie „Una voce poco fa“ (Marzia Marzo) und zwei Ensembles. Zusammen mit dem Klavierbegleiter Benjamin Spa schufen sie eine Stimmung von Beschwingtheit, Heiterkeit und Freude an der Musik, die die Zuhörer mit in die Pause nehmen konnten.

Nach der Pause eine Begegnung mit der Oper „La Sonnambula“ von Vincenzo Bellini, die in München lange nicht mehr zu hören war, seit Oktober 2015 aber erfolgreich im Repertoire des Staatstheaters am Gärtnerplatz steht und im Januar 2016 sogar in einer Werkraum-Fassung in den Münchner Kammerspielen eine vielgelobte Premiere hatte. Zunächst das Duett „Son geloso del zefiroerrante“, das von allen großen Tenören mit hochmögenden Partnerinnen gerne gesungen wird, hier nun von Petr Nekoranec und Anna Rajah so dargeboten, dass sie sich vor großen Vorbildern nicht verstecken müssen. Einer der Höhepunkte des Abends dann Anna Rajah mit der eindrucksvoll gesungenen berühmten Arie der Amina „Ah, non credeamirarti …. Ah, non giunge“.

Nach einem Ensemble aus „La Sonnambula“ dann nochmals ein Stilwechsel, diesmal zur deutschen Spieloper: „Der Wildschütz“ von Albert Lortzing. Iris van Wijen brillierte mit „Auf des Lebens raschen Wogen“ und mit Joshua Owen Mills zusammen in „Mein teures Weib“. Leider war Bariton Johannes Kammler erkrankt, so dass er seine Solo-Arie „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ nicht singen konnte, aber alle Achtung und Dank dafür, dass er die Ensembles im „Barbier“ und im „Wildschütz“ mitgesungen und dadurch das Programm gerettet hat. Als krönenden Abschluss dann die Billard-Szene „Ich habe Numero Eins“ (van Wijnen, Uzun, Mills, Kammler, Tsarkov), in der die jungen Sängerinnen und Sänger durch Spiellaune, Frische und Heiterkeit begeisterten. Ein Kompliment an die Nicht-Muttersprachler für ihre Zungenfertigkeit in der deutschen Sprache! Es gab trotz der fortgeschrittenen Zeit viel Applaus des animierten Publikums, für den sich das Ensemble mit dem Ständchen von Franz Schubert „Zögernd leise, in des Dunkels nächt’ger Hülle …..“ bedankte.

Helga Schmöger

 

 

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