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MÜNCHEN / Bayerisches Staatsballett / „ONEGIN“

28.12.2015 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

 

MÜNCHEN / Bayerisches Staatsballett / „ONEGIN“, 26.12.2015 

Am 2. Weihnachtsfeiertag zeigte das Bayerische Staatsballett eines der beliebtesten Stücke des Repertoires, John Crankos „Onegin“. Dieses Ballett in der wunderschönen, das Sujet optimal illustrierenden Ausstattung von Jürgen Rose ist einfach genial choreographiert. Jeder Schritt und jede Pose drücken eine Emotion aus und dienen der Erzählung der Handlung. Mit seiner packenden Choreographie dringt Cranko zum Kern des Dramas von Alexander Puschkin vor und weckt auch im Publikum tiefe Gefühlte. Dies funktioniert auch mit nahezu jeder Besetzung, auch wenn die Tänzer einmal nicht die besten Schauspieler sein sollten, so wie an diesem Abend beim Bayerischen Staatsballett. Matej Urban als Onegin, Adam Zvonař als Lenski und Mai Kono als Olga tanzten die vorgeschriebenen Schritte mit Leichtigkeit und Anmut und stellen ihre Partien auch vordergründig passabel dar. Man hat jedoch den Eindruck, dass keiner der drei ein tiefes Gefühl für seine Rolle hat oder deren inneren Gehalt wirklich durchdrungen hat. Wie anders ist dies bei Daria Sukhorukova, der Tatjana des Abends. Sie tanzt ihre Rolle nicht nur, sie lebt sie. Ihre Emotionen sehen echt und natürlich aus, ihr Tanz ist beseelt. Es war eine Wohltat, ihr zuzusehen. Man würde ihr einmal einen emotional und darstellerisch ebenbürtigen Partner als Onegin wünschen! Trotz der nicht ganz optimalen schauspielerischen Leistungen war der Abend ein Publikumserfolg, was auch am diesmal sehr inspiriert und engagiert spielenden Bayerischen Staatsorchester unter Myron Romanul lag. Ein Teil der auf der Bühne fehlenden Emotionen konnte so durch die Musik ersetzt werden.

Gisela Schmöger

 

 

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