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MÜNCHEN: Bayerisches Staatsballett: „ILLUSIONEN WIE SCHWANENSEE“ – nächste Auff. im Juni

16.02.2016 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

Matjei Urban-König-Illusionen-c. Hösl klein Bayerisches Staatsballett: „ILLUSIONEN WIE SCHWANENSEE“, 12.02.

In der laufenden Serie von John Neumeiers „Illusionen – wie Schwanensee“ durften sich viele Solisten neu in den Hauptrollen ausprobieren. Allen voran Matej Urban, der in allen Vorstellungen im Februar den König tanzte. Am 12.02. gelang ihm – wie auch schon bei seinem Debut eine Woche vorher – eine durchaus rollendeckende Interpretation. Er betonte in erster Linie die romantische, empfindsame Seite der Partie. Die Zerrissenheit der Figur, die Flucht aus der Realität, die homosexuellen Gefühle und die daraus resultierenden Schuldgefühle konnte er dagegen noch nicht in aller Tiefe zeigen. Dies wirkte sich vor allem im letzten Pas de deux mit Prinzessin Natalja sowie in der Schlussszene mit dem Mann im Schatten aus. Beides war nicht so dramatisch und berührend, wie es bei großen Darstellern sein kann. Marlon Dino war seit Beginn der Serie am 02.02. wieder tiefer in die Rolle des Manns im Schatten eingetaucht, so dass er das Geheimnisvolle und Rätselhafte des Charakters gut zeigen konnte. Adam Zvonař überzeugte als Graf Alexander vor allem durch seinen technisch hervorragenden Tanz und seine sympathische Ausstrahlung. Die Faszination, die für den König von diesem schönen, lebensfrohen und innig verliebten Mann ausgeht, konnte er jedoch noch nicht darstellen. Die Frauenrollen waren an diesem Abend alle hervorragend besetzt. Ivy Amista war eine wunderschöne, virtuos tanzende Prinzessin Natalja. Es macht immer große Freude, dieser temperamentvollen Tänzerin zuzusehen, die keinerlei Angst vor technischen Schwierigkeiten hat, sondern die Herausforderung liebt und bravurös meistert. Lucia Lacarras ätherische, romantische Odette war ein reizvoller Gegensatz zur temperamentvollen Prinzessin Natalja von Ivy Amista. Lacarra zelebrierte die langsamen, fließenden Bewegungen der unglücklichen Schwanenkönigin geradezu. Ein klein wenig übertrieb sie dabei bei den ports des bras. Trotzdem bezauberte sie das Publikum mit ihrer Interpretation. Mai Kono tanzte die Prinzessin Claire mit großer Leichtigkeit und Anmut. Auch die übrigen Solisten, wie beispielsweise Zuzana Zahradniková als Königinmutter und Norbert Graf als Prinz Leopold hatten ihren Anteil am Gelingen der Vorstellung. Michael Schmidtsdorff leitete das engagiert spielende Bayerische Staatsorchester. Insgesamt war es eine schöne Vorstellung, die jedoch nicht die ganze emotionale Tiefe des Stücks zur Geltung brachte.

Gisela Schmöger

Foto: Matej Urban-König-Illusionen-c. Hösl

 

 

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