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MÜNCHEN/ Bayerische Staatsoper: TANNHÄUSER – Neuproduktion

26.05.2017 | Oper

München: Bayerische Staatsoper: Neuproduktion „TANNHÄUSER“, 25.05.2017:


Ouverture. Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Was ist Aufgabe einer Inszenierung? Diese Frage kommt einem bei der Neuproduktion von „Tannhäuser“ (Premiere am 21.05.) in der Regie von Romeo Castellucci an der Bayerischen Staatsoper in den Sinn: Soll in erster Linie die Handlung der Oper auf der Bühne sichtbar gemacht werden oder dient das Libretto lediglich als Basis für die abstrakten Gedanken, die sich der Regisseur zu dem Stück gemacht hat? Letzterer Auffassung war wohl Romeo Castellucci bei seiner Inszenierung von „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper. In seinem ästhetisch meist durchaus ansprechenden Bühnenbild benutzt er das Geschehen, um verschiedene Interpretationsansätze sichtbar zu machen. Es geht um die Vergänglichkeit, um Verlangen, um das Wesen einer Gemeinschaft, um Fremdheit und vieles mehr. Diese Gedanken werden mit einer reichen Symbolsprache sichtbar gemacht. Dabei geht allerdings die Interaktion zwischen den Personen und der Zusammenhang der Handlung völlig verloren. Man sieht einzeln aneinander gereihte Episoden auf der Bühne, die mit der Geschichte der Oper Tannhäuser nicht mehr viel zu tun haben. Hat man vorher nicht im Programm gelesen, was Romeo Castellucci ausdrücken wollte, ist man ziemlich verloren und rätselt über die Bedeutung dessen, was man gerade sieht. Dadurch wird man allerdings arg von der Musik abgelenkt, so dass es das Beste ist, das Bühnengeschehen einfach unhinterfragt an sich vorbeiziehen zu lassen, um nicht das großartige musikalische Geschehen zu verpassen.

Unter Kirill Petrenko spielte das Bayerische Staatsorchester Wagners Musik transparent und durchlässig. Alle ihr innewohnenden Emotionen kamen voll und das Publikum unmittelbar berührend zum Ausdruck, ohne dass Klarheit und Schönheit der Musik von übertriebenem Pathos überdeckt wurden. Zu dieser Interpretation passte der Tannhäuser von Klaus Florian Vogt perfekt. Mit seiner hellen, klaren Stimme machte er Tannhäuser zu einer sehr positiven Figur und ließ beim Publikum viel Mitgefühl für diesen zerrissenen Charakter aufkommen. Sängerisch meisterte er die mörderische Partie mit einer bewundernswerten Leichtigkeit. Selbst in der kraftvoll und emotional gesungenen Romerzählung merkte man ihm keinerlei Anstrengung an. Dabei beeindruckte er auch immer wieder mit wunderschön und berührend gesungenen lyrischen Passagen.

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Georg Zeppenfeld, Klaus Florian Vogt. Copyright: Wilfried Hösl/ Bayerische Staatsoper

Neben Klaus Florian Vogt, für den die Partie des Tannhäuser ein Debut gewesen war, standen in den anderen Hauptpartien bewährte Rollenvertreter auf der Bühne. Christian Gerhahers Wolfram war ein eher verklemmter Typ, der es nicht schafft, seine Gefühle gegenüber Elisabeth offen zu legen und der Tannhäuser wohl insgeheim ein wenig beneidet. Gerhahers musikalische Gestaltung war wie immer hoch durchdacht, manchmal vielleicht ein klein wenig manieriert, was aber auch an den sehr langsamen Tempi seiner beiden Arien gelegen haben kann. Trotzdem ist es immer ein Genuss, seinem hellen, klangvollen, frei strömenden Bariton zuzuhören.

Anja Harteros begeisterte als Elisabeth sowohl durch innige lyrische Töne als auch durch kraftvolle, leidenschaftliche Passagen. Dabei klang ihre Stimme nie scharf, sondern immer rund, warm und fließend. Da die Elisabeth in Castelluccis Inszenierung hauptsächlich ein abstraktes Objekt der Sehnsucht ist, konnte Anja Harteros ihre schauspielerischen Fähigkeiten kaum zur Geltung bringen.

Besonders schwer hatte es Elena Pankratova als Venus, ist die Figur der Venus doch in dieser Inszenierung einer vorgeschichtlichen Urmuttergöttin nachempfunden und steht als nackte, dicke Figur inmitten eines Haut- und Fleischberges, der Tannhäusers Überdruss symbolisieren soll. Trotz dieser szenischen Zumutung konnte Elena Pankratova mit ihrem facettenreichen Gesang und ihrer klangvollen Stimme überzeugen. Georg Zeppenfeld gestaltete die Partie des Landgrafen mit profundem Bass und schuf wie immer eine eindrucksvolle, noble Bühnenfigur.

Neben dem hervorragenden Chor der Bayerischen Staatsoper muss von den Solisten noch Dean Power als Walther von der Vogelweide besonders erwähnt werden, der seinen Beitrag im Sängerwettstreit mit wunderschöner lyrischer Stimme ausdrucksvoll vortrug.

Insgesamt war es ein wunderbarer Opernabend, der einem trotz der verstiegenen Regie noch lange als Sternstunde im Gedächtnis bleiben wird.

Gisela Schmöger

 

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