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MÜNCHEN / Bay. STB – „SINFONIE IN C/IN THE NIGHT/ADAM IS“ mit Alternativbesetzungen

31.12.2015 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

MÜNCHEN / Bayerisches Staatsballett: „SINFONIE IN C/IN THE NIGHT/ADAM IS“, 28.12.

Adam_is_Matej_Urban__Jonah_Cook__c_Wilfried_Hoesl kl. Die erste Ballettpremiere der Saison zeigt neben zwei Kernwerken des neoklassischen Repertoires, Balanchines „Sinfonie in C“ und Jerome Robbins‘ „In the Night“ auch die Uraufführung „Adam Is“ der kanadischen Choreographin Azure Barton zur unterhaltenden, kurzweiligen Musik von Curtis Macdonald. Thema des Stücks sind Männer in allen ihren Wesensarten und Befindlichkeiten und mit ihren Stärken und Schwächen. Neun Tänzer des Bayerischen Staatsballetts stellen sich dieser Aufgabe mit Energie, Virtuosität und einer gehörigen Portion Selbstironie. Bartons Tanzsprache ist dynamisch, mit vielen schnellen Sprüngen und runden, fast schlangenartigen Bewegungen. So tragen die Männer ihre Kämpfe untereinander aus, spielen ihre Machtspielchen, sind wehleidig und sentimental. Dabei sieht ihnen ein überlebensgroßer Teddybär im Bühnenhintergrund zu, der das Geschehen auch mal brummend kommentiert. Ein witziges, unterhaltsames Stück, an dem die Tänzer auch sichtlich viel Spaß hatten und dem man ansah, dass es sehr sorgfältig und mit viel Liebe zum Detail einstudiert worden war. „In the Night“ von Jerome Robbins zur Musik von Frédéric Chopin (am Klavier Maria Babanina) wurde am 28.12. zum großen Teil in anderer Besetzung getanzt als in der Premiere am 20.12. Mai Kono und Adam Zvonař brachten dem Publikum den schwärmerischen, romantischen Charakter des ersten Pas de deux nahe. Sie tanzten mit großer Anmut, Leichtigkeit und wunderschönem Legato. Der zweite Pas de deux stellt ein erwachsenes, selbstbewusstes (Liebes)paar auf dem Höhepunkt seines Lebens dar. Tigran Mikayelyan und Ivy Amista tanzten mit großer Eleganz und Souveränität. Im dritten Teil überzeugte vor allem Ekaterina Petina als leidenschaftliche, dramatische und hochemotionale Frau, die sich nach langem Kampf und großen Zweifeln doch wieder ihrem Partner (Matej Urban) zuwendet. Diese Leistung war die eindrucksvollste des Abends. „Sinfonie in C“, eines der Hauptwerke von George Balanchine, zur Musik von Georges Bizet ist immer wieder schön anzusehen. Allerdings kam einem diese Neueinstudierung durch Colleen Neary nicht ganz so sorgfältig vor, wie dies in früheren Jahren schon der Fall war. Das Corps de Ballet tanzte nicht immer synchron und technisch exakt. Die Solisten beherrschten ihre Rollen zwar souverän, den meisten von ihnen, besonders den Damen, fehlte ein wenig die für das Stück sonst so typische strahlende Aura, das Funkeln, die unwiderstehliche Anziehungskraft und das Flirten mit dem Publikum. Am besten gelang die Umsetzung noch Ivy Amista mit ihrem fröhlichen Wesen und ihrer hochvirtuosen Technik im 3. Satz und Daria Sukhorukova mit ihrer wunderschönen Linie und ihrer lyrischen Ausstrahlung im 2. Satz. Bei den Männern beeindruckte vor allem Maxim Chashchegorov als Solist im 3. Satz mit seinen leichten, hohen Sprüngen und seiner eleganten, sympathischen, sich selbst nicht allzu ernst nehmenden Interpretation. Michael Schmidtsdorff dirigierte das bestens aufgelegte Bayerische Staatsorchester und sorgte so auch mit für den nötigen Esprit und Schwung. In der Publikumsgunst lag am Ende „Adam is“ ganz weit vorne. Aber auch die anderen Stücke wurden mit großem Applaus bedacht.

Gisela Schmöger

Foto: Adam is-MatejUrban-JonahCook-c_WilfriedHoesl

 

 

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