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MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „ONEGIN“ von John Cranko – Ein Typ für Onegin > Matej Urban

02.12.2015 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „ONEGIN“ von John Cranko – zum 246. Mal am 1.12.15 – Ein Typ für den Onegin > 

Urban Matej-foto-Vincent-Loermans  Es war an der Zeit, mir die jetzige Alternativbesetzung zum derzeit überragenden Puschkin-Helden Marlon Dinos anzusehen – Matej Urban. Der junge Tscheche hat sich prachtvoll entwickelt. Er ist der rechte Typ für den Onegin, sehr elegant, tänzerisch und vom Ausdruck her ganz ausgezeichnet  – und – er hat die persönliche Ausstrahlung, die für diese Rolle so ungemein wichtig ist. Nachdem Urban inzwischen Gelegenheit hatte, den Onegin schon mehrmals interpretieren zu dürfen, ist er eine wirklich exzellente Alternative zu seinem Kollegen Dino.

Daria Sukhorukova, die in der reinen russischen Klassik ihre Meriten hat, aber auch in modernen Rollen (z. B. in Jörg Mannes Sturm) schon sehr überzeugen konnte, blieb mir als Tatjana zu blass. Zu sehr das „Hascherl“, sodass man auf die Fürstin Gremin hoffte, aber auch als solche blieb sie mehr der tänzerischen Pflicht verhaftet als der spannenden Figur. Das legt nahe, dass die Künstlerin eben nicht die große Tragödin ist, die für solche Ballette angebracht ist. Natürlich tanzte Sukhorukova stilistisch fein, aber mitreißen konnte sie nicht so recht. – Gleiches gilt übrigens auch für den Lenski von Jonah Cook. Er wird als großes Talent gehandelt. Der Engländer ist ein sehr eleganter, man könnte sagen, typisch englischer Tänzer.

Das große Solo vor dem Duell, in welchen Lenski seinen ganzen Schmerz und seine Verzweiflung  in den Tanz legen sollte, war zwar sehr hübsch anzusehen, jedoch von Schmerz war nichts zu erkennen, Cook tanze „nur“ eine schöne Choreografie… Da gab es Rollenvorgänger, die mit ihrem Körper geradezu weinen konnten. – Mai Kono gab eine nette Olga, die besonders beim Flirttänzchen mit Onegin auftaute. – Cyril Pierre hat sich mit der Zeit vom Onegin in den Fürsten Gremin verwandelt, ein bisschen sehr auf alt getrimmt. –

Myron Romanul leitete das Staatsorchester durch die Tschaikowskys Musik-Zusammenstellung von Kurt-Heinz Stolze; Tschaikowsky-Musik, von der nicht ein Takt aus der Oper Eugen Onegin stammt (!).

Doro Zweipfennig

 

In der Vorstellung am Freitag, den 4.12. ist wieder das Paar Lacarra-Dino am Zuge, ebenso am 11.12. – Sukhorukova-Urban sind wieder am 26.12. zu sehen. https://www.staatsoper.de/staatsballett/stueckinfo/onegin.html

Foto © operaplus.cz / Urban,Matej-c. Vincent-Loermans

 

 

 

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