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MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „ONEGIN“ / Cranko/Rose – Was ist eine STERNSTUNDE?!

05.12.2015 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „ONEGIN“ / Cranko/Rose – Was ist eine STERNSTUNDE?! – 4.12.15

Eine Sternstunde ist ein ganz besonderes, nur schwer in dieser Form und Qualität wieder erreichbares Erlebnis. Eine solche Sternstunde war die Onegin-Aufführung am 4.12. – Man spricht allgemein von Erst- und Zweitbesetzungen. Ich bevorzuge dafür in der Regel lieber Alternativbesetzung, weil das Wort Zweit- möglicherweise etwas abwertend wirken könnte. Im Falle der derzeitigen Besetzungsalternativen des STBs, bietet sich der Begriff Erst- und Zweitbesetzung jedoch auch als Qualitätskriterium an, da die sogen. Erstbesetzung, gesehen an diesem 4. Dezember, die Zweitbesetzung um Längen schlägt. Zwar war der am 1.12. gesehene Matej Urban (MÜNCHEN / Bay. Staatsballett – „ONEGIN“ von John Cranko – Ein Typ für Onegin > Matej Urban) auf einem hoffnungsvollen Weg zu einem guten Onegin (was auch partnerabhängig ist), weil er der richtige Typ dafür ist, aber das ihn umgebende Team konnte dem vom 4.12. nicht das Wasser reichen. Und wenn dieses Erst-Team dann auch noch eine Sternstunde auf die Bretter zaubert …

Onegin_Lucia_Lacarra__Marlon_Dino_c_Charles_Tandy_  Es ist doch gut, wenn man sich zwischendurch Alternativbesetzungen anschaut, umso deutlicher wird dann wieder, was für Ausnahmetänzer Lucia Lacarra und Marlon Dino doch sind, und dass wir uns glücklich schätzen dürfen, dieses Paar beim Bayer. STB zu haben. Sie haben uns in den Jahren ihrer Zugehörigkeit zum STB ja schon zahlreiche außergewöhnliche Aufführungen beschert, aber dieser gestrige Abend war im Rahmen all dieser die o. erw. Sternstunde. Da die beiden nicht nur grandios tanzen (wie die ganze Welt durch unzählige Galas weiß), sondern auch schauspielerisch ungemein intensiv sind, durchlebte man einmal mehr Puschkins spannendes Drama. Dank seiner schauspielerischen Fähigkeiten dehnt Dino die rein darstellerischen Sequenzen vor dem Zwischenvorhang  weit mehr aus als sein Kollege, und beeindruckt auch damit. Der Spiegel-Pas-de-deux („ein Killer“, laut Dino) und der finale Liebes-Kampf der beiden – besser und intensiver geht’s wohl kaum, auch wenn wir früher mit Evelyn Hart und Oliver Matz ähnlich Aufregendes erlebt hatten.

Bei dieser Aufführung befand sich aber auch das lyrische Paar in Spitzenform. Ivy Amista schwebte mit der Lacarra um die Wette, ein kleiner Butterfly beim Flirttanz mit Onegin und mit wundervoll jugendlicher Ausstrahlung im Pas de deux des ersten Akts mit Lenski. Als solcher überzeugte Adam Zvonař als engagierter Partner und eleganter Tänzer.

Diese Aufführung fand im Nationaltheater als jährliche Benefiz-Ballettgala der „Herz für Herz – Stiftung für Leben!“ von Erich und Irène Lejeune statt > http://www.herzfuerherz.de – Bereits rund 4000 Kindern mit angeborenen Herzfehlern konnte in Vietnam und Südafrika geholfen werden, das entspricht 2 x dem vollbesetzten Nationaltheater. Um diese Arbeit zu unterstützen, stellt das Bayerische Staatsballett jedes Jahr eine Vorstellung in den Dienst der Sache, war es im vorigen Jahr John Neumeiers Kameliendame, so war die diesjährige Crankos Onegin gewidmet.

Doro Zweipfennig

Foto: Onegin-LuciaLacarra-MarlonDino©CharlesTandy

 

 

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