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MOONRISE KINGDOM

22.05.2012 | FILM/TV

Ab 25. Mai 2012 in den österreichischen Kinos
MOONRISE KINGDOM
USA  /  2012 
Regie und Drehbuch: Wes Anderson
Mit: Jared Gilman und Kara Hayward, sowie Bruce Willis, Edward Norton, Edward Norton, Frances McDormand, Tilda Swinton, Harvey Keitel u.a.

Wes Anderson (der mit seinen 43 Jahren immer noch wie ein großer Junge wirkt) ist kein Regisseur für jedermann. Er kreiert für jeden seiner Filme eine ganz eigene, skurrile Welt, in die man ihm bereitwillig folgen muss, sonst wird man im Kino nicht glücklich. In „Moonrise Kingdom“, seiner siebenten Regiearbeit, gibt er sich als sanfter Satiriker, der dennoch den American Way of Life, dort, wo er sich am betulichsten gibt, ganz schön hernimmt. Der Film ist ein Vergnügen der anderen, aber auch der besonderen Art.

Dass sein „Kingdom“ eine Insel (irgendwo in New England) ist, verwundert ebenso wenig wie die Zeit, in der Anderson das Geschehen ansiedelt – 1965, als man doch noch sehr, sehr brav war. Bunte, ja grellbunte Häuschen mit artigen Kindern, denen man die Purcell-Variationen von Britten vorspielt, damit sie lernen, die Instrumente zu unterscheiden. (Bildungsbürger! Mein Gott, wo sind sie hingekommen!) Auch bei der Pfadfindertruppe des kleinen Biotops läuft alles bestens und exakt – ist ja gut, wenn schon die Jungs ein bisschen soldatischen Drill mitbekommen, nicht wahr? Dass sie Außenseiter mobben (so wie die Mädels in der Schule die ihren) – ja, das ist das Leben, das ist wohl nicht so schlimm, oder? Im übrigen hat doch ohnedies jeder Verständnis für jeden, sogar der Sheriff ist ein ausgesprochen netter Kerl (nur dass er ein Verhältnis mit einer der braven Familienmütter hat… doch sie halten es wirklich geheim!).

Aber Filmemacher interessieren sich nicht für die Braven, die sind Dekoration am Rande, sie interessieren sich für die Außenseiter und deren Zusammenprall mit der genormten Welt: Nur dass diese Außenseiter zwölf Jahre jung sind, Junge und Mädchen, tatsächlich für einander bestimmt. Und bereit, miteinander auszureißen…

Die Kunstfertigkeit dieses durch und durch künstlichen Films besteht in der Ausgewogenheit und Ernsthaftigkeit, mit der Wes Anderson seine durch und durch skurrile Geschichte erzählt. Das bezieht sich erstens auf seine beiden Zwölfjährigen, Jared Gilman als Sam und Kara Hayward als Suzy, die rührend drollig „anders“ sind, ohne dass es der Regisseur spürbar auf Rührung und Drolligkeit angelegt hätte. Sie sind – und das ist das Zeichen der gelungenen Komödie – einfach zutiefst ernsthaft, wie sie sind, auch wenn wir über sie nur lächeln können.

So aufrecht sind auch alle anderen, vor allem Bruce Willis als Sheriff des Örtchens, wobei es wunderbar ist, ihn wieder einmal in einer echten Rolle zu sehen, aus der er einen echten, einfachen, schüchternen, reizlosen Menschen mit inneren Qualitäten schälen kann. Edward Norton beginnt als Führer seiner Pfadfinderschar so schneidig und rüstet so armselig-bedauerlich ab, wenn die Ereignisse ihm über den Kopf wachsen. Frances McDormand schreit hinter ihren Kindern und ihrem völlig danebenstehenden Gatten (Bill Murray) her und hat eine Romanze mit Bruce Willis. Harvey Keitel verulkt ganz, ganz sanft das Militär, Tilda Swinton die Behörden.

Das alles ist wunderschön gespielt und so schräg, dass es – kennt man Wes Anderson – schon wieder gerade ist: Seine Welt. Seine Welt des Kinos, in die man bereitwillig eintaucht, wenn man etwas für zärtliche Spinner übrig hat.

Renate Wagner

 

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