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MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION

01.08.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Mission Impossible 5~1

Ab 6. August 2015 in den österreichischen Kinos
MISSION: IMPOSSIBLE – ROGUE NATION
USA  /  2015 
Drehbuch und Regie: Christopher McQuarrie
Mit: Tom Cruise, Simon Pegg, Jeremy Renner, Rebecca Ferguson, Ving Rhames, Sean Harris, Alec Baldwin u.a.

Wie oft wohl ist Tom Cruise schon „fliegend“ an irgendeiner Türe von irgendeinem sich rasend bewegenden Vehikel gehangen, als sei das die absolut unabdingbare Voraussetzung, dass er wieder einmal die Welt rettet? Der fünfte Teil von „Mission: Impossible“ mit dem Beinamen „Rogue Nation“, was so etwas wie „die Schurkennation“ bedeutet, setzt diesen Effekt gleich zu Beginn gewissermaßen als ironisches Zitat: Cruise hängt an der Seite eines abhebenden Flugzeugs… (Achtung: persönlicher Stunt des Stars!) Und dann gilt es das heikle Gleichgewicht zu halten – die Spannung muss echt sein, die Effekte extrem, aber ernst kann (und soll) dergleichen von vernünftigen Menschen ja auch nicht genommen werden.

Also, Cruise zum fünften Mal als Ethan Hunt auf unmöglicher Mission, aber da das Retten der Welt immer nur partiell gehen kann (pro Film das Ausschalten eines  Bösewichts), sind ja die Fortsetzungen garantiert: Dass an Teil 6 gearbeitet wird, verkündete man, kaum dass der fünfte Teil seine spektakuläre Weltpremiere in der Wiener Oper gefeiert hatte. Vielleicht ist für Teil 6 dann wieder Christopher McQuarrie zuständig, der als Drehbuchautor mit lockerer Hand und Regisseur mit totaler Action-Kompetenz hier ausgezeichnete Arbeit lieferte, bei der Kamera und Musik ihren absolut nötigen Teil an Brillanz und Stimmungsmache beitragen.

Also, der Gegner heißt in der schurkischen Welt – nicht ganz originell – „das Syndikat“, und nach der Eröffnung, die in Weißrussland spielt, gerät Ethan dann in London (in einem seltsamen Club für alte Schallplatten) dann gleich in die Hände der Bösen. Wenn er da so an seinen Ketten hängt, bezweifelt man kaum, dass er sich befreien wird – die (nicht eben nervenzerfetzende) Frage lautet da nur: Wie? Natürlich mit Hilfe eines Bond-, pardon, eines Mission-Girls.

Reden wir gleich von den Protagonisten: Tom Cruise hatte sein Leben lang nicht mehr zu bieten als sein glattes, landläufig hübsches Gesicht, und man verlangt längst nicht mehr irgendetwas darüber hinaus von ihm. Wenn er mit einiger Glaubwürdigkeit durch alle Stunts durchtaucht, reicht das ohnedies völlig. Sex und Romanze von seiner Seite werden da immer klein geschrieben, so auch hier, obwohl sich die einzige Dame des Films gewaltig ins Zeug legt.

Später meint man, die Marokko-Sequenz dieser „Mission: Impossible“-Folge sei vor allem eingelegt, damit Rebecca Ferguson in der Rolle der Ilsa Faust im Bikini aus dem Pool steigen kann, aber was Ursula Andress und auf deren Spuren Halle Berry einst in Bond-Filmen aus diesem Effekt gemacht haben, bringt die 32jährige Schwedin nicht einmal in Ansätzen. Sie hat ein nettes Lächeln und ist völlig uninteressant – dabei müsste ein Teil der Spannung des Films daraus bestehen, ob Hunt ihr trauen kann, ob sie wirklich für den Bösewicht Solomon Lane arbeitet oder Hunt unterstützt, weil sie eigentlich MI 6 angehört? Gut oder böse, wäre die prickelnde Frage, weil ihr Verhalten ununterbrochen umkippt – aber das Mädel bringt es nicht.

Ebenso wie Sean Harris als ihr Chef (zumindest teilweise ist er es), der bei allem stieren Blick so farblos bleibt, wie es kaum erlaubt sein darf. Kurz, da müssten zwei in allen Farben schillern und bleiben grau.

Dafür ist Cruise von drei Schauspielern als seinem „Team“ umgeben, die ihm mühelos die Show stehlen, voran der kleine Engländer Simon Pegg als Benji Dunn – ja, einer, der gleich in den ersten Minuten des Films Lacher holt, weil er unter einer grotesken Stroh-Maskierung mit Laptop in einem Feld liegt, dem am aufsteigenden Flugzeug hängenden Tom Cruise eine Türe öffnen soll und offenbar immer den verkehrten Knopf drückt, so einer muss Benji heißen und darf noch für viel Amüsement sorgen.

Ving Rhames als Luther Stickell ist, wollte man sich die (nicht sehr sinnvolle) Mühe machen, alle „Mission: Impossible“-Besetzungen zu analysieren, vermutlich die einzige Figur des Franchise, die immer im Spiel war, und sein trockener Humor wirkt unverändert, wenn er hier auch ziemlich im Hintergrund bleibt.

Und Jeremy Renner, der so oft für verkniffene, ungute Charaktere eingesetzt wird (weil man ihm diese eben so mühelos glaubt), spielt hier mit lockerer Hand jenen William Brandt, der die IMF („Impossible Mission Force“), die ganz geheime Cruise-Geheimflotte, geschickt dem CIA gegenüber vertritt. Dessen anfangs feindseliger, aber immer humorig wirkender (und wie eine geschminkte Leiche aussehender) Direktor Alan Hunley ist eine gute Rolle für Alec Baldwin, immer im Schlagabtausch mit Jeremy Renner, bis dieser am Ende auch hinaus „aufs Feld“ und bei den Kollegen ein bisschen mitmischen darf.

MISSION: IMPOSSIBLE ROGUE NATION

So bringen’s also die Nebenrollen, abgesehen von den Effekten natürlich: Marokko war nicht nur für die Lady im Bikini da, hier hat man dann auch Autojagden und vor allem eine auf Motorrad gedreht, die ziemlich toll ausfällt. Vor allem aber muss es seit dem ersten Teil dieser Filmreihe einen ebenso sensationellen wie unglaubwürdigen Höhepunkt geben – man erinnert sich, damals ließ sich Ethan Hunt von der Decke in einen Tresorraum des CIA, hinab, um in der Luft schwebend Daten aus einem Computer zu kopieren, und hoppla, beinahe hätte ein Schweißtropfen alles zunichte gemacht… Diesmal heißt es drei Minuten Minimum Luft anhalten, sich in einen Unterwassertank begeben (warum, das vergisst man schnell wieder) und während dort die Wassermassen rotieren in der Wand mit zahllosen Öffnungen die richtige zu finden, wo man eine Computer-Platte austauschen muss. Nicht auszudenken, wenn die alte und die neue dann durcheinander wirbeln… Die Machart macht’s.

Ja, und dann ist da schließlich noch Wien. Vor genau einem Jahr, im August 2014, gab es schon allerlei Wirbel bei den Dreharbeiten vor und in der Wiener Staatsoper. Jetzt wird drinnen „Turandot“ gespielt (wo hat man diese Dekorationen hergeschleppt, wir haben das Werk in Wien seit elf Jahren nicht mehr gesehen?!?), alles turnt sich durch die Hinterbühne (und auch während der Vorstellung durch die Gänge des Hauses – das möchte man einmal „in Echt“ erleben!!!). Schließlich geht nichts über Puccini (neben Wagner!) als Filmmusik, das wusste schon James Bond, als er sich bei „Tosca“ über die Bregenzer Seebühne schwang… Am Ende gibt’s noch eine Autojagd durch Wien, und der Bundeskanzler (der gar nicht wie Faymann aussieht), ist leider doch nicht vor dem „Syndicat“-Attentat zu retten. Wenn die Schurken auch zwei Attentäter zugleich einsetzen – da versagt sogar Ethan Hunt.

Aber nicht, wenn es wirklich drauf ankommt: Ganz am Ende soll es nämlich dem britischen Premierminister auch an den Kragen gehen, aber da ist Hunt vor, und nach knapp zweieinviertel Stunden darf der Zuschauer verschnaufen. Zufrieden verschnaufen. „Mission: Impossible – Rogue Nation“ hat gebracht, was es soll. Und wird folglich aller Voraussicht nach auch an den Kinokassen diese Pflicht verfüllen.

Renate Wagner

 

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