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MIKKELI/Finnland: GRÄFIN MARIZA

02.01.2012 | KRITIKEN, Oper

Gräfin Mariza (Mikkeli / Finnland, 1.1.2012)

Mikkeli, die ostfinnische Stadt, in der mit großem Publikumszuspruch alljährlich das Gergiev-Festival sowie ein ebenso attraktives Ballett-Festival stattfinden, zeigt sich ansonsten an Musikkultur nicht sonderlich interessiert. Die Konzerte des städtischen Kammerorchesters, eines sehr guten Ensembles von nur 12 Musikern, werden regelmäßig nur von ca. 100 Zuhörern besucht. Dieses Desinteresse ändert sich nur bei dem seit wenigen Jahren initiierten Neujahrskonzert, und Kálmáns Gräfin Mariza als Gastspiel des Kulturzentrums Poleeni im benachbarten Pieksämäki fand gar bei total ausverkauftem Haus statt – ein Zeichen, dass das Genre Operette lebt, selbst im hohen Norden.

Die Produktion (Regie: ANU HÄLVÄ SALLINEN) war gekonnt der kleinen Bühne des Konzert- und Kongresszentrums Mikaeli angepasst worden. Die Choreographie der Ensembleszenen war schwungvoll, jedoch zeigten die Personenführung und die Dialogregie einen fatalen Hang zur Klamotte à la finnisches Sommertheater. Dass die Ouvertüre mit einem Film „bebildert“ wurde, ließ zudem wenig Vertrauen in die Musik erkennen – horror vacui?

Unter der Leitung des italienischen Dirigenten MASSIMO LAMBERTINI entledigte sich das kleine, lediglich um wenige Holzbläser erweiterte Orchester gekonnt seiner Aufgabe, die Melodien Kálmáns schwungvoll zu präsentieren. Star des Nachmittags war natürlich JYRKI ANTTILA, der zu keiner Zeit den Opernsänger verleugnen konnte (zu seinen Rollen gehören u. a. Rigoletto-Herzog und sogar Siegmund!), der jedoch zur „leichteren Muse“ nicht nur ein besonderes Faible, sondern auch eine hervorragende Eignung besitzt. Gut aussehend, charmant, mit der Fähigkeit, Operette zu „servieren“ auf der einen Seite, andererseits mit einer auch in tieferen Lagen voll präsenten Stimme, zugleich die Höhenlage metallisch auskostenden Strahlkraft seines wohl klingenden Tenors. Mit dieser Leistung könnte Anttila auch international reüssieren. Bei der Titelrolleninterpretin waren da schon eher Abstriche zu machen. ANGELIKA KLAS, die Tochter des estnischen Dirigenten, besitzt innerhalb lyrischer Grenzen ein durchaus angenehmes Timbre, ließ jedoch Defizite im Fundament von Mittellage und Tiefe sowie in den Höhen erkennen, ein Zeichen dafür, dass die Mariza trotz ihres attraktiven Äußeren und ihres gekonnten Spiels für sie eine Nummer zu groß ist, selbst bei einem Orchester von derart reduzierter Größe. Der Rest des Ensembles bestand durchwegs aus Schauspielern, die „auch“ sangen (z. T. mit Mikroport), sollte also von einer Kritik der „Gesangsleistungen“ ausgenommen werden. Das Publikum ließ es sich nicht nehmen, sich zu amüsieren, und spendete freundlichen Beifall.

Sune Manninen

 

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