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MAURICE RAVEL: ORCHESTERWERKE Vol. 3: Daphnis et Chloé…..

29.03.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

Ravel MAURICE RAVEL: ORCHESTERWERKE Vol. 3: Daphnis et Chloé, Valses nobles et sentimentales – Radio-SO Stuttgart des SWR unter Stéphane Denève – SWR music CD

Stéphane Denève und seine technisch hervorragenden Musiker des SWR (Orchester und Vokalensemble) stellen ihre erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Erarbeitung aller Orchesterwerke von Ravel einmal mehr unter Beweis. Von der frz. Fachpresse (Diapason) vor allem und zu Recht wegen der großen Partiturtreue, dem Nuancenreichtum und der großartigen Klangregie hochgelobt, erschließen sich dem Hörer nach und nach der Farbenreichtum und die unzähligen Finessen dieser magisch-mysteriösen Musik. Aus absoluter Stille, ähnlich wie beim Rheingold, lässt Ravel  die „Danse religieuse“ erstehen, das Orchester von den Vokalisen des Chors umschmeichelt. Die Feierlichkeit des Beginns wandelt sich bald in die Danse générale und die „Danse grotesque de Dorcon“. Wurde von Ravel erwartet (Choreograph Michail Fokine), möglichst den Charakter antiker Musik wieder zu beleben, so schuf er statt dessen ein ganz gewaltiges urfranzösisches Meisterstück an impressionistischen Klängen. In drei Teilen wird die Liebesgeschichte des Ziegenhirten Daphnis und der Schäferin Chloé erzählt, vom fröhlichen Fest in der Felsengrotte, der Entführung der Angebeteten durch Piraten und dem Gott Pan, der die Liebenden in einem strahlenden Sonnenaufgang wieder zueinander führt. Dieser hatte sich bekanntlich aus dem Schilfrohr, in das sich die vor dessen Liebe fliehende Nymphe verwandelt hatte, die berühmte Flöte gebunden. Dieses Instrument bildet auch den klanglichen Faden, um den sich neben Streichern, dem Holz und Blech auch Trommeln, Becken, Triangel, Kastagnetten, Glockenspiel, Tamtam, antike Zymbeln, Celesta, Windmaschine und der wie eine Orgel eingesetzte Chor ranken. 

Dem Chefdirigenten des SWR, Stéphane Denève, gelingt eine Interpretation, in der sowohl die malerisch, wie Arabesken spielerisch gezeichneten Aspekte der Partitur als auch die dramatische, dem Ballett gewidmete Geschichte gleichermaßen Gestalt annehmen. Das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart spielt brillant, ohne das letzte Geheimnis zu verraten, diese einzigartigen Traumhörbilder nachschaffend, denen sich auch der Hörer hingeben soll und darf. Die Aufnahmetechnik bildet die dionysisch-bukolische Mär räumlich bestens ab, wobei eine akustische Grundtendenz zu transparenter Kühle besteht. Letztere wiederum steht dem grandiosen Ballett als auch den die CD ergänzenden Valses nobles et sentimentales an sich gut an. Der Folge aus acht Walzern, in Anlehnung an die gleichnamigen Kompositionen von Franz Schubert geschrieben, wurde erst in der Orchesterfassung der große Erfolg beschieden, den sie verdient. Ein klein wenig runder und flott schwingender hätte die Wiedergabe allerdings schon sein können. Mir scheinen hier die gewählten Tempi etwas zu schwer geraten zu sein.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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