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MASTER OF THE UNIVERSE

10.12.2013 | FILM/TV

FilmPlakat Master of the Universe~1

Ab 13. Dezember 2013 in den österreichischen Kinos
MASTER OF THE UNIVERSE
Deutschland  /  2013
Regie: Marc Bauder

Im Kultursektor verhandelt man jahrelang wegen Millionenbeträgen und will sie nicht den Steuerzahlern auflasten, aber wenn es darum geht, Banken zu entschulden, stehen die öffentlichen Milliarden innerhalb weniger Tage bereit… Das ist nur eine Erkenntnis von vielen, die man aus diesem Dokumentarfilm des deutschen Regisseurs Marc Bauder mitnimmt. Nicht, dass man es nicht schon gewusst hätte. Und doch – deutlicher hat man das Wesen der heutigen Finanzwelt noch nie vorgeführt bekommen.

Das beruht auf der wohl einmaligen Tatsache, dass einer der einstigen „Herren der Welt“, wie sich die Banker wohl fühlen durften, „nachher“ bereit war, über fast alles zu sprechen, was er weiß: Rainer Voss, einer der wenigen, die ausgestiegen sind, obwohl er Unsummen verdient hat, verfügt über Insiderwissen ohnegleichen. Und das auf doppelter Ebene – über die Psychologie derer, die mit dem Geld der anderen jonglieren, oft genug an der Grenze der Legalität. Und über die Mechanismen, die heute längst nicht mehr nur Einzelpersonen (die Bankerweisheit besagt, dass der Privatanleger immer verliert!!!), nicht mehr nur Banken, sondern ganze Länder krachen lässt. Eines nach dem anderen – Griechenland. Dann Portugal. Spanien und Italien. Als nächstes? Frankreich, sagt Rainer Voss. Und das wird, wie er meint, „End of the Game“ sein, denn das ist nicht mehr zu stemmen…

Mit wenigen Ausnahmen – Szenen aus den Handelssälen, eine Gerichtsverhandlung, verlogene Bankenwerbung – spricht Rainer Voss mit bemerkenswerter Offenheit, klar formuliert und artikuliert über sich: Er ist kein Kinoheld, kein Tom Cruise, kein Michael Douglas, er sieht aus wie ein ganz normaler, leicht dicklicher deutscher Mann in seinen mittleren Jahren. Aber was er erzählt, ist nicht das Normale –  über sein persönliches Leben, über die Vereinnahmung durch einen Kosmos, der den Betroffenen aus der Normalwelt heraushebt und ihn auch weitgehend von einem selbstverständlichen moralischen Gewissen bezüglich dessen befreit, was er da tut: Geschäfte machen, Geld verdienen, der Druck der Institutionen auf jene, die mitmachen, ist gnadenlos. Die Belohung finanziell hoch. Menschlich bleibt man mit leeren Händen zurück. Bedauern mit den Herrschaften ist nicht angebracht. Denn sie fühlen sich, wie Voss offen zugibt, ungemein toll. Es ist ein Virus sagt er, und er war selbst „schwer infiziert“…

Viele Spielfilme haben es uns gezeigt. Nun offenbart eine knallehrliche Dokumentation: Es ist wirklich so. Die Herren des großen Geldes sind nicht mehr mit normalen Maßstäben zu messen – sie bewegen sich in einer Parallelwelt zu den Normalbürgern deren Ersparnisse sie mit lockerer Hand verschleudern. Die „Zauberlehrling“-Situation ist evident – die Strukturen sind so komplex und kompliziert geworden, dass sie selbst von Insidern oft nicht mehr zu durchschauen sind. Selbst gemachte Katastrophen rollen heran wie Lawinen und sind nicht aufzuhalten.

Zu den Berichten von Voss, der immer wieder auch vor der Kamera steht, filmt Marc Bauder nicht nur den Finanzbezirk Frankfurt mit seinen großartigen, protzigen Bankengebäuden – sondern auch ein leer stehendes Riesenhaus. Eine Bank, die es erwischt hat. Geräumt. Verlassen. Das sind Bilder von hoher Aussagekraft. Aber vor allem soll man zuhören. Man wird, wenn man nicht in dieser Welt zuhause ist, vielleicht nicht alle Details verstehen. Aber das ganze Bild sehen. Und das sagt: Es läuft total falsch in dieser Welt des Geldes, der Gier und der Gewissenlosigkeit.

Renate Wagner 

 

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