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MARTINA FRANCA/Festival Teatro Verdi: NUR von Marco Taralli – Uraufführung

30.07.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

MARTINA FRANCA/ Festival/“Teatro Verdi“: NUR von Marco Taralli (Uraufführung) am 28.7.2012


Foto: Festival Martina Franca

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals della Valle d’Itria (dessen Spezialität ja sonst Belcanto-Werke sind) hatte man diesmal bei einem zeitgenössischen Komponisten eine Oper in Auftrag gegeben.

Eine an sich verdienstvolle Initiative, deren Ergebnis man aber leider nicht preisen kann.

Es fängt schon beim Libretto an. Inspiriert von einer Geschichte Marco Buticchis spielt sich hier unsäglich Krauses ab: In einem Feldlazarett bei Aquila („nach dem Erdbeben“) liegt eine blinde Frau mit dem überhaupt nicht symbolischen Namen Luce (Licht). Ihr erscheinen im Traum uns so vertraute und vielsagende Gestalten wie Papst Coelestin V. und Jacques de Molay, der letzte Ritter des Templerordens. Zu schlechter Letzt entpuppt sich in poltisch korrekter  Weise auch noch ein freiwilliger Helfer als Luces (auf arabisch: Nur) arabischer Sohn. Grosser Gott ! Gnade !!

Zu diesem unerträglich prätentiösen Text hat Marco Taralli eine unerträglich schwülstige Musik geschrieben. Dezidiert tonal, dezidiert melodisch, mit unüberhörbaren Anklängen an Puccini, Respighi, gelegentlich auch an Steve Reich (“ Dagegen klingt ja Menotti wie ein Zwölftöner“ bemerkte ein
Kollege sehr treffend). Nun ist ja gegen Tonalität und Melodik im Prinzip gar nichts einzuwenden. Wenn diese mystizierende Neomelodik aber in einer so einfältigen, eintönigen, einfallslosen, auf wenigen Akkorden basierenden musikalischen Sauce daherkommt wie hier aber schon.

Nach dem letzten Akkord war man jedenfalls geneigt,sich einmal gründlich die Ohren waschen zu gehen.


Tiziana Fabricini. Foto: Festival Martina Franca

Die Titelpartie sang Tiziana Fabbricini (einstmals Mutis Traviata), die noch immer eine hervorragende – Schauspielerin ist.

Nur die Regie Roberto Recchias in dem schönen Bühnenbild von Benito Leonori vermittelte (bis auf die unverständlicherweise in Lumpen gekleideten Erdbebenopfer und einige überflüssige Ärzte-Soap-Einsprengsel) einen beruhigenden Eindruck von beherrschter Professionalität.

Schade. Eine vertane Chance.

Robert Quitta, Martina Franca

 

 

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