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MARTINA FRANCA: MARINA FRANCA (Festival/Teatro Verdi) : L’ORFEO IMMAGINI DI UNA LONTANANZA von Luigi Rossi und Daniela Terranova

01.08.2012 | KRITIKEN, Oper

MARTINA FRANCA (Festival/Teatro Verdi) : L’ORFEO IMMAGINI DI UNA LONTANANZA von Luigi Rossi und Daniela Terranova am 30.7.2012

Mit einem versöhnlichen Ausklang endete das heuer unter keinem besonders guten Stern(siehe auch 27.,28. und 29.7.) stehende Festival della Valle d’Itria in Martina Franca, und das aufgrund einer Mini-Produktion, von der man das am wenigsten erwartet hätte : dem ORFEO des apulischen, aus Foggia stammenden, Komponisten Luigi Rossi (1568 – 1653 ) bzw. einer stark reduzierten, „modernisierten“ Version desselben.

Fabio Ceresa (der auch Regie führte) hatte die opulente Festoper (3 Akte und ein Epilog, 6 Stunden Spieldauer, 25 Mitwirkende, 200 Bühnenarbeiter) auf eine eineinhalbstündige Fassung für 7 Sänger/innen „eingedampft“ und die junge italienische Komponistin Daniela Terranova die nunmehr auseinanderklaffenden Teile neu miteinander verbunden.

Erstaunlicher Weise geht sich diese seltsame Hochzeit so unterschiedlicher Idiome ziemlich gut aus. Man ist fasziniert von Rossis sublimen Melodienbögen, aber auch von Terranovas delikater Orchesterbehandlung, und besonders von der Überlagerung, Verschränkung, vom Ineinander – und wieder Auseinandergleiten beider Musikstile. Raffiniert.

Ceresa Inszenierung in den weissen Bühnenbildern von Benito Leonori ist einfach, aber effizient – und das junge internationale Sängerensemble gibt unter der souveränen Leitung von Carlo Goldstein zumindest stimmlich sein Bestes. Darstellerisch hingegen spürt man die Unerfahrenheit, die der sympathischen Produktion gelegentlich den Charakter einer Konservatoriumjahrgangabschlussarbeit verleiht

Das einzige wirkliche Problem des ansonsten gelungenen Abends war die Tatsache, dass man, sobald man den originalen Rossi hörte, sofort Lust bekam, den gesamten Orfeo ungekürzt zu erleben ,und man sich, sobald die Terranova-Teile erklangen, sofort wünschte, von der Azio Corghi- und Ivan Fedele-Schülerin ein vollständig eigenes Opus kennenzulernen..

Also nächstes Mal bitte, liebe Martina Franca-Direktion: zumindest fünf Stunden Rossi am Stück, und zumindestens zwei Stunden Terranova pur.

Robert Quitta; Martina Franca

 

 

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