Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

MARSEILLE/ OPÉRA : DON CARLO

18.06.2017 | Oper

MARSEILLE/ OPÉRA : DON CARLO am 17.6.2017

Bildergebnis für MARSEILLE opera Don Carlo

 Ganz ohne Placido Domingo kam die Neuproduktion des Verdischen Don Carlo(in der vieraktigen italienischen Fassung) an der Marseiller Oper aus. Und es war durchaus kein Mangel zu verspüren, stand den Marseillern doch mit Jean-François Lapointe nicht nur ein altersmässig passender und sehr männlich aussehender, sondern dazu auch noch stimmlich völlig souveräner Bariton zur Verfügung.

Bildergebnis für MARSEILLE opera Don Carlo
Jean-François Lapointe, Yolanda Auyanet, Nicolas Courjal. Copyright: Christian Dresse

 

Überhaupt wies das gesamte Sängerensemble kaum eine Schwachstelle auf. An der Spitze eine elegante und beseelte Yolanda Auyanet als Elisabetta, ihr in nichts nachstehend Sonia Ganassi, erfahren und leidenschaftlch als Eboli.Gequält und zerrissen Nicolas Courjal als König,fanatisch und furchterregend Wojtek Smilek als Grossinquisitor. Einzig Teodor Ilincai als Don Carlo könnte man vielleicht vorwerfen, dass er keinen grossen Versuch unternahm, seine Rolle nicht nur zu singen, sondern auch schauspielerisch zu gestalten.

Chor und Orchester boten eine ordentliche Leistung, die Tempi von Lawrence Foster erschienen uns hingegen die meiste Zeit als allzu schleppend.

Bildergebnis für MARSEILLE opera Don Carlo
Copyright: Christian Dresse

 

Tja, und was soll man zur Inszenierung von Altmeister Charles Roubaud sagen ? DIe zeitgetreuen Kostüme von Katia Duflot waren wahrlich eine farbenprächtige Augenweide (und wahrscheinlich auch sündteuer), die Bühnenbildlösung von Emmanuelle Favre – Videoprojektionen auf abstrakte graue geometrische Gebilde) überzeugte jedoch nicht. Vor allem auch deshalb, weil die Sänger dadurch die ganze Zeit requisitenlos und hilflos im leeren Raum herum standen und aneinander vorbei immer nur direkt zum Dirigenten sangen.

Sei’s drum. Sehen lassen konnte sich die Marseiller Produktion (die nach Bordeaux weitergehen wird) eher nicht, hören lassen hingegen absolut.

 Robert Quitta, Marseille

 

Diese Seite drucken