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MANNHEIM/Rosengarten: WIENER PHILHARMONIKER unter Georges Prétre

Mannheim: „WIENER PHILHARMONIKER“ unter Georges Prétre – 16.01.2013

In der Reihe PRO ARTE-Konzerte mit internationalen Orchestern gastierten nun die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Georges Prétre im Mozartsaal des Rosengarten und setzten bereits kaum zu überbietende Prioritäten. Manchmal kann Popularität einem Meisterwerk eventuell zusetzen, im Fall jedoch von Ludwig van Beethovens Siebenter scheint das Abnützungslabel sehr hoch und selbst begabte Geister hatten es schwer, der Materie Neues abzutrotzen, dies aber mitnichten mit dem Grand-Maitre am Pult eines der besten Orchester der Welt. In leicht französischer Lesart, sehr sparsamer, kaum vernehmbarer Gestik, fast unbeweglichem Taktstock vermittelte Pretre eine schier leichtfüßige, schwebende Klangdimension des ersten Satzes. Optisch wie akustisch ist es faszinierend wahr zu nehmen, wie dieser phantastische Dirigent, den so herrlich prächtig aufspielenden Klangapparat im Hauptthema, in einem wahren Wirbelsturm mitreißt. Gleich ob in der Siegesfanfare, im gespenstigen Reigen des Scherzo, den starken Orchesterschlägen, den Kontrasten zwischen irdischem Tanz und überirdischer Meditation oder die entfesselten Impulse der Leidenschaften erweckten beim Hörer Gefühle höchster Glückseligkeit. Bravos, tosende Begeisterung, mein Gott – ich wähnte diese Symphonie erstmals authentisch zu „vernehmen“!

Nach der Pause rückten die Wiener Gäste mit dem charismatischen Pultstar Igor Strawisnkys Feuervogel-Suite in Debussy-Nähe, fernab dynamischer Schroffheit, die Musik erklang in impressionistischen Couleurs – einfach traumhaft. Dem abschließenden Bolero (Maurice Ravel) mischte Prétre einen exotischen Kontext bei, nahm ihm die archaische, rhythmische Strenge, kontrastierte mehr die musikalische Transparenz und steigerte schließlich den fabelhaft musizierenden Klangkörper in die finale abrupte Ekstase. Standing Ovation und lautstarke Begeisterung wurde mit einem wundervoll symphonischen Kaiserwalzer sowie der Tritsch-Tratsch-Polka (Johann Strauß) wahren Wiener Schmankerln belohnt – es hätte noch bis Mitternacht so weiter gehen können.

Gerhard Hoffmann

 

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