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MANNHEIM: WERTHER

14.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Mannheim: „WERTHER“ 13.04.2013

Es ist schon verwunderlich, dass man nach der dubiosen Reklame für den FOA „Tosca“, den Weltklasse-Tenor Jonas Kaufmann dennoch für eine Sondervorstellung von Jules Massenets „Werther“ gewinnen konnte und dafür sei allen Verantwortlichen zu danken.

In beklemmend intensiver Gestaltung fand sich Jonas Kaufmann in der Inszenierung von David Mouchtar-Samorai (2001) zurecht, interpretierte nicht nur den verzweifelt Unglücklichen – nein „er ist Werther“! Ich wage zu behaupten, dass derzeit weltweit kein Sänger diese Figur in Vokalität und authentischer Intensität besser darstellen könnte. Es war frappierend zu erleben, wie Kaufmann sein herrlich timbriertes, heldisch baritonales Material zu zügeln versteht, obertonreiche Piani aus dem Stand in wohlklingende Spitzentöne transponiert, in technisch atemberaubender Selbstverständlichkeit, strahlende Töne wieder ins Piano ausklingen lässt. Kaufmann setzte mit seiner unvergleichlichen Stimme künstlerische Maßstäbe von höchstem Rang und entführte den Hörer in eine andere Welt des Gesangs. Zudem bot der mit viel Legatokultur gesegnete Ausnahme-Tenor eine Kombination aus gesangstechnischer Überlegenheit, vorbildlicher Pianokultur, musikalischer Phrasierung, nuancierter Textbehandlung, in Verbindung der bewegenden Verkörperung der Rolle.

Kongenial konnte Marie-Belle Sandis mithalten, wohl inspiriert durch den genialen Partner, katapultierte sie ihren expressiven Mezzo in einen stimmlichen Furor von bestürzender Subjektivität, offenbarte zudem eine facettenreiche Charakterisierung der sich im Zwiespalt der Gefühle behafteten Charlotte. Mit verbindlicher Noblesse und reifem Bariton sang Thomas Berau den Albert, jungmädchenhafte Züge schenkte Katharina Göres in Optik und Stimme der Sophie, beweglich entfaltete sich der Kinderchor (Anke-Christine Kober), die Besetzung der kleineren Rollen Schmidt (Benedikt Nawrath), Johann (Radu Cojocariu), Amtmann (Bryan Boyce) ließ einige Wünsche offen.

Mit grobem Pinselstrich, beleuchtete Alois Seidlmeier am Pult des sehr sauber und konzentriert musizierenden Orchester des NT mehr die dramatischen, lauten Passagen der Partitur, ließ es teils an jener Zartheit, jenes melancholischen, sensiblen Untertons mangeln. Nichts dessen zum Trotz wurden alle Beteiligten mit herzlichem Überschwang 12 Minuten gefeiert, Jonas Kaufmann mit Ovationen und Bravostürmen und einem üppigen Rosenstrauß aus dem Publikum bedacht. Man wünscht sich eine baldige Wiederbegegnung mit dem großartigen Sänger im NT.

Gerhard Hoffmann

 

 

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