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MANNHEIM/ Nationaltheater: WIE WERDE ICH REICH UND GLÜCKLICH von Mischa Spoliansky. Premiere

22.01.2017 | Operette/Musical

Mannheim: Wie werde ich reich und glücklich von M. Spoliansky   21.1.2017 Premiere

Merten Schroedter, Nikola Hillebrand, Andreas Hermann, (c) Jörg Michel

Als 3.Saisonpremiere hat die Oper des Nationaltheaters sich ein großes Projekt vorgenommen: die Rekonstruktion eines Filmes von 1930  „Wie werde ich reich und glücklich“ zu der Kabarettrevue mit der Musik von Mischa Spoliansky  und dem Text von Felix Joachimson. Den in Berlin uraufgeführten Tonfilm gibt es zwar noch, die Filmdose kann aber nicht  geöffnet werden, da durch die Korrosion des Zelluloids Explosionsgefahr besteht. Spoliansky war ein bekannter (Film)komponist, der auch für den damaligen Ausnahmetenor Jan Kiepura komponiert hat. Als Jude emigrierte er 1933 nach London, wo er in den 80er Jahren verstarb. Seine Musik befindet sich auf der postromantischen Höhe der Zeit und bezieht Jazz- und Revue-Elemente selbstverständlich mit ein.

Für Mannheim stammen die Orchester-Arrangements von den sog. Himmelfahrt Scores; Konzept, Inszenierung und Dramaturgie von ‚Kommando Himmelfahrt‚, das sich in Hamburg gründete, und hinter dem sich heute die neuen OperndramaturgInnen des NTM verbergen. Es spielt das Nationaltheater-Orchester und eine Jazzband ‚Hats & Beards‚. 

Musikalisch geleitet werden die Ensembles, zu dem sich auch ein Vokalquartett mit Gesangsolisten auf der Bühne gesellt, von Matthew Toogood mit Animo und 20er Jahre Kompetenz.

Da es sich also beim Thema ‚Wie werde ich reich und glücklich‘ auch um eine philosophische Abhandlung handelt, werden noch zwei Schauspieler gebraucht, die als Moderatoren zwischen den Szenen räsonieren. Matthias Bernhold tut das gern mit Seneca, während Merten Schroedter ihm wie bei Stanley und Olly den dumm-witzigen Gegenpart liefert. Er muß  auch gleich das zu spät erscheinende Nummergirl, das für die Reihenfolge verantwortlich ist, ersetzen, was er sehr köstlich in Frauenkleidern bewältigt. Die Bühne von Michael  Graessner präsentiert sich offen von Anfang an in Unordnung, so das sie während der Aufführung auch spontan neu entsteht. Links sind die Spielplätze für die Realszenen verortet (zuerst Mietwohnung mit Zimmer), auf rechts eine Filmleinwand 20/30er Jahre, auf der die Szene simultan gefilmt erscheint, also s.-w. inclusive original Requisiten! (Camera Operator: Jasper Glasch und achtköpfige Film Crew) Die Story ist, dass ein Arbeitsloser, der mit seiner Freundin in einer Mansarde zur Miete lebt, diese nicht mehr bezahlen kann. Da kommt ihm eine Broschüre Wie werde ich reich… ins Haus geflattert. Natürlich interessiert sich Kibis für die ‚Reich‘- Variante, wobei die Anweisung ist,  immer besonders und freundlich und liebenswürdig zu sein. Bei einem Schneider probiert er einen Anzug  und behält ihn gleich an, wird dann vom Schneider mit der Person, für die der Anzug bestimmt war, verwechselt und dem wohlhabenden Geheimrat Regen vorgestellt. Dieser lädt ihn in seinen Autosalon ein. Zur selben Zeit erhielt Regens Tochter Marie die Broschüre, und sie interessiert sich natürlicherweise eher für den Teil des Glücklichwerdens. Die beiden kommen zusammen und stellen fest, daß sie denselben Ratgeber gelesen haben, halten sich füreinander bestimmt und heiraten. Kibis verläßt seine Freundin Lis. FD Lohrenz, ein früherer Verehrer Maries und Mitarbeiter Regens, bleibt mit diesem und dem Brautpaar befreundet. Gemeinsam verbringen sie einen Urlaub auf Sylt. Kibis ist zufrieden mit seinem neuen Reichtum, bei Marie stellt sich aber kein Glückszustand ein. Darauf schlägt Kibis überraschend die Scheidung vor. Wieder  in Berlin, kann darauf FD Lohrenz Marie endlich einen Heiratsantrag stellen, wofür er früher keine Zeit gehabt hatte, Kibis kann die Stelle im Autosalon behalten und bittet Lis, seine Frau zu werden. In einer Doppelhochzeit wird das Glück und der Reichtum besungen, auch mit kurz einstudiertem Zuschauerchor!

Dies wird in treffenden zeitgemäßen Kostümen von Kathi Maurer tatsächlich wie eine Kabarett- und gleichzeitig Filmrevue szenisch geschildert. Bernhold und Schroedter haben dabei immer wieder heftige Dispute um den Fortlauf der Handlung. Der Clou dabei ist, daß gegen Ende so gefilmt wurde, daß die Protagonisten von der Leinwand herab mit ihren Darstellern auf der Bühne diskutieren. Auch wird der Filmablauf in den 30er Jahren imitiert, wenn im Zuschauerraum Popcorn- und Eisverkäufer durch die Zusschauerreihen gehen, und die Besucher des Films (Kibis, Lis, Marie , FD Lohrenz und Geheimrat Regen) dort (Liebes)Szenen spielen, die natürlich auch gefilmt werden. Das muß man gesehen haben. Das Mädchen für die Reihenfolge ist die ganz spät aufgetauchte Katja Degering, FD Lohrenz singt mit leicht beschwingtem Tenor Andreas Hermann, die Marie mit ebensolchem lieblichen Sopran Nikola Hillebrand. Die Lis ist Maria Markina mit gar nicht soubrettenhaftem Mezzo. Den Geheimrat gibt Stafan Sevenich mit markantem Baß, und Kibis ist Joachim Goltz mit brillantem hohen Bariton.                                                           

Friedeon Rosén

 

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