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MANNHEIM/ Nationaltheater: INFINTINE NOW von Chaya Czernowyn. Uraufführung

27.05.2017 | Oper

Mannheim: INFINITE NOW  – von Chaya Czernowyn  UA   26.5.2017

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Karen Vourc’h, Noa Frenkel, Ludovica Bello, (c)Hans Jörg Michel 

In einer Co-produktion der Oper Antwerpen-Gent brachte das Nationaltheater die neue Oper ‚Infinite Now‘ der israelischen Komponistin Chaya Czernowyn heraus. Diese hat zwei Vorlagen: Das Theaterstück FRONT mit Texten von u.a. Erich Maria Remarque und die Novelle ‚Homecoming‘ von Can Xue. In den ersten beiden Akten werden die Texte der genannten Autoren jeweils hintereinander alternierend gesungen bzw. gesprochen, vom 3.-6.Akt werden sie miteinander „verschnitten“, d.h.untereinander gelegt gleichzeitig vorgetragen. Diese Texte werden in Origianalssprachen englisch, französisch, holländisch und chinesisch vorgetragen. Daraus wird  schon klar, daß es Czernowyn nicht um Literaturoper geht. Es handelt sich eher um eine große Geräuschcollage mit Musik und Stimmen, die wie auch im Titel: Infinite Now, den Fortgang eines Erzählduktus ausschließt, sondern immer den aktuellen Leidens- und Betroffenheitszustand in den Mittelpunkt stellt und ihn ins Unendliche projiziert. diese Leidensschreie hat Czernowyn im Theaterstück FRONT gefunden, wo in Berichten einiger Soldaten die Schlimme des Stellungskriegs im 1.Weltkrieg geschildert wird. In der Novelle geht es dagen surrealistisch  um ein Haus, in das die Bewohnerin zurückkehrt und feststellt, dass es ringsum von tiefen Abgründen umgeben ist.

Die Akte werden von metallenen Klopfgeräuschen elektronisch eingeleitet. Dazu gesellen sich im Verlauf Wind- und Luftstoßgeräusche, Atemholen, Glasreibegeräusche, Knacken, Knistern, Tier- und Radiogeräusche. Die IRCAM Computermusik stammt von Carlo Laurenzi, einem engen Mitarbeiter Chaya Cernowyns. Diese wird in einer Art Quadrophonie von allen Seiten des Theaters zugespielt. Dazu kommt das Live Orchester, das  die Geräuschcollage oft mit eigenen Idioms verstärkt. Diese sollen mit langgezogenen wagen harmonischen Klängen eine Atmosphäre der Angst und der oft grauenvollen Atonalität generieren. Die musikalische Leitung hat Titus Engel inne und zeichnet dafür verantwortlich, dass die Geräusche und musikalischen Stukturen einander präzise austarieren.

Auf der Bühne stehen neben den 6 Stimmen Sop., Mezzo, Countertenor,, Bar., Baß 6 Schauspieler, die die Personen aus den Vorlagen verkörpern. Dabei dominieren die Sprechstimmen. In der Inszenierung Luk Percevals stehen sie umher und bewegen sich nur minimalistisch, sind aber sehr  focussiert. Dabei sind sie in strenger Mode des Übergangs 19./20 Jahrhunderts gekleidet (Ilse Vandenbussche). Später öffnet sich die Bühne nach hinten, von wo starkes Gegenlicht projiziert wird. Dieser Raum ist hoch, dunkel und durch lange rechteckige Stelen unterteilt, auf denn z.T. die Texte projiziert sind (Philip Bußmann).

Bei den Stimmen setzt Czernowyn öfter auf den Effekt, hohe Stimmen tief und tiefe noch tiefer singen zu lassen. So gibt es knarrende Stimmgeräusche des Basses David Salsbury Fry, oder wenn der Sopran Karen Vourc’h ihre Stimme in Contraalt-Bereiche herunterdimmt. Hier wird die schreiende Natur zur ästhetischen Prämisse. Die übrigen Sänger sind Ludovica Bello/Mezzo, Noa Frenkel /Alt, Terry Wey/Countertenor und Vincenzo Neri/Bariton.                                                       

Friedeon Rosén

 

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