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MANNHEIM/ Nationaltheater: AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

13.10.2017 | Oper

Mannheim: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Kurt Weill/ Bertolt Brecht) WA 12.10.2017

 Brecht/Weills Oper ‚Mahagonny‘ von 1930, Premiere am 1.7.17, wurde am Nationaltheater wieder aufgenommen. In der großartigen Inszenierung von Markus Dietz, in der extravaganten tollen Bühnearchitektur der Ines Nadler und den lasziv erotischen 20er Jahre Kostümen von Henrike Bromber wurde diese einmalige Opernzusammenarbeit dieser großen Künstler, die danach im Exil unterschiedliche Wege gingen, begeisternd auf den Punkt gebracht. Die Details dazu in meiner Premierenkritik vom 2. Juli hier im Online-Merker /Archiv.
 Im gleichfalls großartigen Ensemble hat es nur eine Umbesetzung in einer Hauptrolle gegeben. Für die wohl nach Berlin gewechselte Vera Lotte Böcker übernahm die Rolle der Jenny Hill die früher am Staatstheater Cottbus engagierte Cornelia Zink. Sie ist diese Spielzeit ein echter Ensemble-Zugewinn. Dotiert mit einer lieblichen hell-schlank timbrierten flexiblen Sopranstimme, die auch koloraturfähig erscheint (sie wird auch die Clorinda in der Rossini-Aschenputtel Premiere singen), gibt sie die Prostiuierte Jenny, die sich in Mahagonny unterwürfig dem ehemaligen Holzfäller Jim Mahoney aus Alaska zuschlagen läßt, mit dem sie aber eine auf Gegenseitigkeit beruhende Beziehung eingeht. Mit seinerVerurteilung wegen Verstöße gegen die Regeln in der Wüstenstadt, z.B.Zechprellerei, kommt diese Liebe aber auch an ein Ende, und Wil Hartmann, der auch gut bei Stimme seines kräftgen Tenors ist, spielt das im Duett mit seiner neuen Partnerin ergreifend aus.

Bewegungs-Chor und Orchester zeigen sich in vortrefflicher Abendform. Zum Schluß denkt man wieder an Große Oper mit dem in seinem Blut liegenden erschossenen Mahoney und dem live gefilmten Requiem vor und hinter dem Eisernen Vorhang.

Friedeon Rosén

 

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