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MANNHEIM: MY FAIR LADY – Silvestervorstellung

01.01.2012 | KRITIKEN, Oper

Mannheim: My Fair Lady   am 31.12.2011

 Die erfolgreiche Inszenierung von My fair lady am Nationaltheater, die seit Mitte 2010 bereits 37 Vorstellungen absolvierte, zu Silvester anzusetzen, war keine schlechte Idee und sicher eine Alternative zu ‚Fledermaus‘, da zum Musical ja erfahrungsgemäß auch jüngere Zuschauer ins Theater gehen.

Die Inszenierung von Helmut Baumann gibt auch keine Probleme auf, wenn auch die englische Gesellschaft des Fin de siecle in Bühnenbild und Kostüm (Katrin Kegler-Fritsch, Uta Loher u.Conny Lüders), auch wenn die damalige Mode ja bereits als int ernational bezeichnet werden kann, sich an der deutschen Fassung von Robert Gilbert rieb. So ist Eliza Doolittle hier eine Berliner Göre, der die Derbheiten der Berliner Schnauze ausgetrieben werden müssen, während das dem Oxford Englisch gegenüberstehende Hochdeutsch die Sprache unserer Dichter und Denker ist. Diese Reibungen fallen aber im Verlauf der Vorstellung nicht weiter ins Gewicht.

 Monumental erscheint Higgins‘ Wohnung, die immer wieder in Form eines riesigen Bücherbörds, in dem der Phonetiker auch seine „Spielsachen“ aufgebaut hat, eines beherrschendes Knautschsofa und einer breitest gewundenenTreppe für jedweden Auftritt hereinfährt. Geradezu niedlich dazu im Gegensatz A.Doolittles schotische Whiskeyschenke, die viel Platz für die übermütigen Tänze seiner Truppe, ein 12-köpfiges Tanzensemble, läßt.

Der Landsitz der Mrs.Higgins stellt dagegen ein lichtdurchflutetes Palais dar, und für den Chor gibts eine große Schräge, auf der sie den akustisch vorbeidampfenden Pferdchen mit Fernglas hinterherschauen.

Das Orchester ist deftiger Silvesterstimmung, und Joseph Trafton läßt die unsterblichen Melodien Frederick Loewes als Ohrenweide abschnurren. Bei der Ballszene machen besonders der Hofmarschall Richard Ewert , der Prinz Dominik Büttner sowie besonders Zoltan KarKarpathy (Karl Adolf Appel) gute ironisch-witzige Figur. Die Obsthändler geben auch gesanglich eiein schniekes Quartett ab.

 Brigitte Rackowitz hinterläßt als Nutte und Mrs.Hopkins einen guten Eindruck, und Mrs Higgins alias Kathrin Becker kommt ihrem Herrn Sohn ganz unterkühlt auf dieSchliche.  Karin Graf läßt sich als Hausdame von Higgins fast alles gefallen. Benedikt Nawrath gibt als hübscher Kavalierstenor den Freddy und wird von Eliza letztlich erhört. Peter Rühring ist ein etwas knarzender, aber gutmütiger Oberst Pickering, der aber immerhin Scotland Yard informiert. Johannes Wimmer gibt den Doolittle ganz schön verschlagen und setzt bei seinem Drehwurm „With a little bit…“ immer neue Akzente. Axel Herrig kehrt als Higgins ganz den soignierten Professor heraus und erreicht am Ende doch mehr, als er aufgrund rüpelhaften Benehmens erwarten kann. Katharina Göres setzt besonders zu Beginn ganz aufs schrille Berlinern, wohl auch durchs Mikroport verstärkt, singt und spielt sich dann aber ganz allerliebst durch die Partie.

 Friedeon Rosèn

 

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