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MANNHEIM: DIE BASSARIDEN von H.W.Henze

20.11.2015 | Oper

Mannheim: DIE BASSARIDEN  am 18.11.2015

 Mannheim kann für seine ‚Bassariden‘ von H.W.Henze auch in der B-Besetzung ein Ensemble aufbieten, das die Oper ausgezeichnet trägt und das Regiekonzept von Frank Hilbrich überzeugend umsetzt (s. Merker-online- Kritik der Vorstellung vom 5.11.). Auch der Chor zeigt sich wieder in bestechender Form, und es entsteht sogar eine Verbindung zwischen vorproduzierten Videos der sich am Berg Kytheron abspielenden Massen- und Gruppenszenen und den ‚Realszenen‘ der Männer, die ineinander übergehen. Die solistisch auftretenden BacchantInnen sind wieder Sehun Jin, Peter Maruhn, Philipp Alexander Mehr und Daewoo Park. Den Hauptmann der Wache stellt Thomas Berau mit seinem durchdringend wohltimbrierten tiefen Bariton, der auch als Figur sehr agil herüber kommt, und später bei den strengen Anweisungen des Königs immer mehr zaudert, schließlich auch vor dem Geschehen kapituliert, dar. Den Teiresias gibt mit angenehm gesungenem Tenor Raphael Widmer, der wegen seiner Indifferenz und Verführbarkeit von Pentheus malträtiert wird. Sebastian Pilgrim ist als Kadmos durch seine massige Körperlichkeit eine beherrschende Figur, die mit immer großer Larmoyanz die Brüchigkeit und den Niedergang des Königshauses beschwört und seinen Enkel Pentheus zu größerer Standhaftigkeit ‚erziehen‘ möchte. Dabei steht ihm ein großer fahl bis markant klingender Baßbariton zu Gebot. Von den drei Damen sind nur Beroe und Autonoe neu besetzt. Agaue, Mutter Penteheus‘, verbleibt die großartig reussierende Sopranistin Julia Faylenbogen. Vera-Lotte Böcker und der Mezzo Marie-Belle Sandis setzen in den beiden kleineren Rollen ihren Stimmglanz ein. Karsten Mewes gestaltet einen superben Pentheus, der sich nach und nach in die Intrige hineinlocken lässt. Sein robuste stupend durchgebildete Stimme scheint auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung zu sein, ein Heldenbariton erster Güte. Andreas Hermann kann als Dionysos / Stimme / Der Fremde durch seine charismatische charmante Jugendlichkeit noch eine zusätzliche Note hinzugewinnen und bringt auch einen sehr soliden Tenor mit.-

Das Orchester unter Rossen Gergov zeigt wieder, dass es diese Musik technisch absolut beherrscht und durchdringt.                  

 Friedeon Rosén

 

 

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