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MANNHEIM: DAS RHEINGOLD (Wiederaufnahme)

22.05.2016 | Oper

Mannheim: Das Rheingold 21.5. 2016 WA


Copyright: Nationaltheater Mannheim

Der Mannheimer Ring von 2011, der auch bereits als DVD erschienen ist (wir berichteten), wird wieder aufgenommem, sozusagen als Abschied von GMD Dan Ettinger, der nach erfolgreichen Jahren mit einigen Sängern, die auch in diesem Ring involviert sind, das Nationaltheater zu Ende der Spielzeit verlassen.  Das Bemerkenswerte an der Produktion des „Alleskönners“ bzw. Allesmachers Achim Freyer ist bei Rheingold wie auch den folgenden Musikdramen die Idee, einen ‚Weltraum‘ zu imaginieren, der als Bühnenbildelemente zwei Astroidenkugeln miteinander verbunden durch gelenkige Stahlstangen enthält, sowie eine am Boden liegende Schiene, die erleuchtet auch den Wotanspeer symbolisiert. Der Boden stellt eine durchsichtig wirkende Drehbühne dar, worauf die Figuren kreisen, wenn sie nicht gerade eigenbewegt sind, was seltener vorkommt. Die Rheintöchter sitzen auf vom Bühnenhimmel herabgefahrenen Gestellen und sind wie Fische aber auch mit Applikationen wie große Busen gezeichnet. Die hermetisch abgeschlossene Götterwelt kommt in den schwarzen auch die Köpfe ganz bedeckenden Kostümationen zum Ausdruck, Wotan mit einem ovalen Maskenkopf, Fricka mit einer sehr breitkrämpigen schalenartigem Kopfbedeckung. Freya geht weißhaarig und mit Apfelbäumchen auf dem Kopf, Donner ganz schwarz auch im Gesicht und Oberkörper sowie Riesenhammer. Froh imaginiert Freyer als altertümlichen Maler, der mit Baskenmütze auch fast als Wagner selber, aber mit Palette in der Hand,die er mit dem Pinsel immer betupft, wie auch die anderen Göttinnen/er immer  verschiedenartige mechanische Hand- und Armbewegungen vollführen. Die sympatischen Riesen stecken in übergroßen ‚Schwarzmännern‘, Fasolt mit Maurerkelle, Fafner mit einer langen Meßlatte. Loge wirkt wie ein Zirkusdirektor mit vier Armen, die er selbst wie ein Puppenspieler koordiniert und dabei wechselweise noch 2 Zigarren raucht und hat aber keine ‚einstudierten‘ Bewegunegen auszuführen. Die Nibelungen hausen in der Unterbühne und schauen aus Luken hervor, Mime und Alberich sind als Zwerge durch hohe Podeste, auf denen sie sie laufen  gezeichnet, was an große Plateaus erinnert. Die Verwandlung Alberichs in den Riesenwurm kann nicht so überzeugen, wenn er vorn im Soffleurkasten verschwindet, und dann aus den diagonal angeordneten Luken alle Nibelungen erscheinen sowie ein anderes goldgeschmiedetes Gebilde. Als ‚Kröte‘ ist Alberich  aber dann eine kleine Kasperlfigur, die sich Wotan in die Tasche schieben kann. Später ziehen ihn die Götter an Bastseilen wieder aus dem Souffleurkasten. Der Ring stellt eine beleuchtete Überhand mit gespreizten Fingern, der Tarnhelm einen übergroßen Zylinderhut dar, was insofern Sinn macht, da Mime nur einen kleinen trägt. Erda erscheint später aus dem Boden bis zu Brusthöhe, ihr Kopf wird aber oben wie ein Medusenhaupt projiziert, wobei auch ihre Gesichtsmimik spannend zu erkennen ist. Final stehen die Götter in der rechten Ecke, hinten die 3 Rheintöchter und auf dem diagonalen Speer balanciert der kleine Siegfried, wie wir ihn schon aus der gleichnamigen Folgeoper kennen.

Tamara Bajesevic  (Woglinde) und Maria Markina (Wellgunde) sind 2 prächtige Sopranstimmen, die sich duettierend bestens verbinden. In der Rheintöchterszene werden sie noch vom famosen Alt der Julia Faylenbogen grundiert, die auch die Erda mit schmelzigem Timbre und gut drauf gesetzten Acuti gestaltet. Die gesangliche Kleinrolle der Freya singt Iris Kupke rollengemäß angstbesetzt. Edna Prochnik gibt der Fricka den räsonierend und manchmal hämischen Ton bei, um überhaupt gegenüber dem Spielmacher Wotan wahrgenommen zu werden. Der Fasolt Sun Ha singt hier auch den weicheren Baß(barition) gegenüber Sebastian Pilgrim, der weniger belcantesc, dafür mit grundbösen Ton den Fafner charakterisiert. Der tapsige Mime des Uwe Eikötter bringt auch in den Gesang etwas Hilfloses ein, wobei er aber tenoral schön deklamierend und sehr wortverständlich herüber kommt. Joachim Goltz singt mit dem Alberich vielleicht seine erste ganz große Rolle und kann seinen geerdeten hell klingenden Bariton schon sehr daramatisch zuspitzen. Der Loge des Jürgen Müller erscheint der ideale Conferencier  und hat einen immer anmutigen sehr agilenTenor zu Verfügung. Der Froh des Juhan Tralla hinterließ bei seinen wenigen Tenorphrasen eher als subtiler Maler guten Eindruck, was auch auf den Donner des wuchtig ausgreifenden Bariton von Thomas Berau zutrifft. Thomas Jesatko dringt in alle Verästelungen der Wotanpartie spielend vor und hat genügend Durchschlagskraft, auch wenn er gerade in der hinteren Bühnenschleife fährt. Das Orchester agierte auf hohem Niveau und changierte traumwandlerisch zwischen kammerspielartiger Begleitung und protagonistischem Handlungimpetus, angeleitet von dem guten Wagner-Versteher Dan Ettinger.                                            

Friedeon Rosén 

 

 

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