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MANNHEIM: ALCESTE von C.W.Gluck. Wiederaufnahme

19.12.2015 | Oper

Mannheim: Alceste von C.W.Gluck 18.12.2015  WA

 Bei dieser Inszenierung von Dietrich Hilsdorf drängt sich von Beginn an ein krasser Widerspruch auf zwischen dem durch Gewehrkugeln durchsiebten Palastgemäuer, das noch entfernt an griechischen Klassizismus erinnert, und der hochpompösen barocken Ausstattung inclusive großer Damenroben und -krinolinen. In dieser „Gemengelage“ entwickelt sich ein hochgedrechseltes Spiel. (Bb.: Dieter Richter, Kost.: Renate Schmitzer.) Im hinter dem Palasteingang liegenden Raum wird die vordere Bühnenhandlung z.T.gespiegelt, z.T. live gefilmt, was merkwürdige Kontraste ergibt in seiner immer milchig fahlen Beleuchtung (Nicole Berry).

Hilsdorfs Hang zum Makabren wird in kleineren Akkredenzien sichtbar, etwa die mit schwarzen Tiereingeweiden umhängte schwarze Apollo-Büste bei der Priesterzeremonie. Das stoische Löffeln der Suppe samt Terrine an der die Bühnenlänge ausfüllenden und danach gespiegelten Tische-Flucht ist bei Hilsdorf fast schon legendär.  Die Unterweltgötter haben sich hier zum Mahl eingefunden, während Alceste im Palast verbleibt und sich nicht über den Styx final nach unten begibt. Im Palast setzt nun ein heftiges Treiben ein, auch mit dem Rotwein aus der Flasche trinkenden Herkules, der nach den erledigten Arbeiten „vorbeischaut“, und es wird in der scheinbar ausweglosen Situation auch mit Löffeln um sich geschmissen. Endlich wird es den Göttern zu bunt, und sie lassen das Paar zusammen weiter leben.

 Eine Thessalierin als Hof-Vorsängerin, die aber vom Herold immer schnell wieder weggeführt wird, gibt die stimmschöne Eun Young Kim. Das Apollo-Orakel singt Valentin Anikingut hohl und düster aus dem Off. Den Gott selber Raymond Ayers mit gepflegt-geradem Bariton. Den Gott der Unterwelt singt mit tiefem Baß Sung Ha auch zwischen stoischem Suppelöffeln. Hercule ist  wieder mit metallisch durchgestiltem Bariton Joachim Goltz, während der Herold sehr markant und stramm von John in Eichen gegeben wird. Den Evandre, Vertrauter des Admetos, singt mit hübschem Kontrast-Tenor Raphael Widmer. Als der Oberpriester kommt Bartosz Urbanowicz tiefstimmig zum Zug. Michael Baba ist ein heldischer Admet und singt dabei weniger belcantesc, wenn auch in der hohen Tessitura manchmal etwas zu tief, was aber kaum ins Gewicht fällt. Seine Alceste gibt die zu Beginn stimmlich sehr verhaltene Galina Shesterneva, sie überzeugt dann aber durch einige Brillanz ihres schlank geführten Soprans. Die Namen der Kinderdarsteller der  Eumele und Aspasia, am Ende rätselhaft schlafend oder schon verstorben wirkend, bleiben ungenannt.                                                           

Friedeon Rosén

 

 

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