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MANIFESTO

FilmCover Manifesto~1

Filmstart: 8. Februar 2018
MANIFESTO
Deutschland / 2015
Regie: Julian Rosefeldt
Mit Cate Blanchett

Keine zeitgenössische Ausstellung, die auf sich hält, wird ohne mehrere Video-Beiträge auskommen. Und obwohl die meisten Menschen sich schwer tun werden, den Begriff „Installation“ zu definieren, bestimmt diese Kunstform die heutige Kunst- und Performance- und Theaterwelt mit. Wie nun ein undefinierbares Patchwork aus all den neuen Kunstbegriffen ins Kino kommt und Aufmerksamkeit erreicht, statt irgendwo im Verborgenen zu tümpeln – das zeigt „Manifesto“. Und das Geheimnis des Unternehmens? Cate Blanchett. Ein Star, der das Publikum anzieht – und gleichzeitig eine so große Schauspielerin ist, um all das möglich zu machen…

Der Deutsche Julian Rosefeldt (Jahrgang 1965) ist ein Konzeptkünstler, Wikipedia bietet als Definition „an der Schnittstelle zwischen narrativem Film und komplexer Filminstallation“ an. Was er mit „Manifesto“ wollte? Nun, erst einmal, wie der Titel sagt, Manifeste. Man sollte wissen, dass hier nur zitiert wird, wenngleich wohl ausschließlich die ausgefuchstesten Kenner moderner Kunstströmungen die jeweiligen Texte identifizieren können. Am Ende landet man immer bei „Dada“, weil es hier „Konzept“ ist, dass man nichts verstehen soll. Und warum das? Vielleicht, um unserer Zeit und unserem brüchigen Kunstverständnis einen Spiegel vorzuhalten… Oder soll es Satire sein?

Die Bilder und Schauplätze, die der „Film“ bietet – nun ist es ein chronologischer Film, Festival-Vorführungen ließen die einzelnen Szenen parallel nebeneinander laufen, man soll und muss ja nichts verstehen – sind mannigfaltig und immer heutig. Da erklingt die Stimme von Cate Blanchett zuerst aus dem Off, und sie doziert lautstark, mit Überzeugung und kaum verständlich (was den Inhalt betrifft). Und dann beginnt das Virtuosenstück – sie verwandelt sich, und das gründlich. Mit falschem Bart, Wollmütze und „schiefem Gesicht“ ist sie, sprachlich entsprechend krächzend, ein Obdachloser, der über Kunst faselt. „Art beyond understanding“ wird zum Motto von allem, was sie in den verschiedenen Rollen verkündet.

Die sind übrigens in der Endfassung des Films nicht auseinanderdividiert 13 verschiedenen, von einander abgesetzte „Rollen“, da kommen Figuren vereinzelt durchaus mehrmals vor. Und jedes Mal soll es diesen Menschen ein Anliegen sein, über moderne Kunst zu sprechen, selbst wenn die arme Frau in dem Schutzanzug eines Labors steckt und vermutlich andere Sorgen hat.

Es passt zum „beyond understandig“-Konzept des Films, dass jede Figur, die Blanchett spielt – jedes Mal erstaunlich in der Verwandlung, das ist mehr als nur Frisur und Kostüme -, keinesfalls logischerweise über Kunst sprechen müsste. Sicher nicht die tipp topp gestylte Familienmutter, die ihren drei kleinen Söhnen und ihrem Mann (die vor Langeweile fast von den Stühlen fallen), vor dem Essen endlos Manifeste vorliest wie ein Gebet. Auch eine Begräbnisrede über Kunst zu halten, ist nicht unbedingt logisch. Am überzeugendsten passt das Thema noch zur Figur, wenn sie als russische Choreographin, genau so gekleidet und mit Akzent versehen, wie es das Klischee vorsieht, Kunst-Maximen losschreit, während eine Gruppe Tänzer in Alien-Kostümen herumwankt…

Man glaubt es auch dem Partygeschöpf, auch der unaufhörlich sich selbst bespiegelnden Schauspielerin in der Garderobe, der TV-Sprecherin, die darüber ein Interview (wieder Blanchett am anderen Ende) führt und selbst der Lehrerin, die ihre kleinen Schüler mit ihren Kunstkonzepten verwirrt. Bis die Sandlerin wieder voll Verachtung das letzte Wort hat… und man sich erschöpft vom Kinosessel erhebt.

Mann o Mann, was weiß man jetzt über moderne Kunst? Nichts. Was man weiß, hat man schon vorher gewusst: Welch außerordentliche Schauspielerin Cate Blanchett ist…

Renate Wagner