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MANHATTAN INTERMEZZO – Amerikanische und britische Werke für Klavier und Orchester

26.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0747313349074 MANHATTAN INTERMEZZO – Amerikanische und britische Werke für Klavier und Orchester – Musikalische Liebeserklärung an den Big Apple / NAXOS CD

Unbeschwert und beschwingt genießen. Die auf der CD vereinten Kompositionen umschmeicheln das Ohr wie Frühlingssonne, ganz ohne eine Spur von kitschiger Konfektion aufzuweisen. Der großartige Pianist Jeffrey Biegel, der mit Zustimmung des Komponisten Neil Sedaka sogar Verschönerungen‘ am Klavierpart des „Manhatten Intermezzo“ vornehmen durfte, ist der ideale Interpret für die auf der CD aufgenommene Werke. Beste akustische Medizin ganz ohne Nebenwirkungen gegen Trübsal,  musikalischer Ausdruck von Optimismus und Lebensfreude, wie er nur den Amerikanern zu Eigen ist. Wie gut tut das in Zeiten apokalyptischer Reiter und einer Welt, die ideologisch und ökonomisch immer weiter auseinanderdriftet. Und Hand aufs Herz: Welcher hart gesottenen Klassikfreund wünscht sich nicht einmal etwas Abwechslung von Musik, die von Liebesschmerz, Melancholie, Tod, seelisch-makabren Bekenntnissen, Racheengeln à la Elektra oder bluttriefenden Monstern wie Macbeth oder Salome erzählt. 

Neben dem virtuosen Einleitungsstück (entstanden 2008) in Cinemascope-Klang, das der CD ihren Namen gab, enthält die CD noch das dreisätzige erste Klavierkonzert des britischen Komponisten Keith Emerson, Duke Ellingtons „New World a-Comin‘„ und die selten aufgeführte Originalversion von George Gershwins „Rhapsodie in Blue“. Begleitet wird Jeffrey Biegel vom Brown University Orchestra unter der animierten Leitung von Paul Phillips. Die Harms Publishing Company hat letzteres Stück, das nach seiner Premiere 1924 die Quintessenz der Roaring Twenties darstellte, anlässlich der Publikation um 50 Takte gekürzt. Jeffrey Biegel beruft sich hier auf die Fassung von Alicia Zizzo, die den Solopart des Klaviers so restaurierte, wie Gershwin ihn selbst immer (und zwar ungekürzt) spielte.

Stilistisch vereint die CD Musik, die Klassisches, Jazziges und Rock verbindet. Neben dem eher an Puccini erinnernden Manhattan Intermezzo, das für den Hörer eine vergnügliche Reise durch die musikalische Diversität Manhattens bereit hält,  enthält die CD auch Wild-Ungestümes, wie etwa die Toccata con fuoco (3. Satz des Emersonschen Klavierkonzertes). Da klingt es schon mal wie eine Mischung aus Schostakovich und Bernsteins West Side Story. Wie sich überhaupt déjà entendu Erlebnisse aus der Musikgeschichte bei den ersten zwei Stücken nicht selten einstellen: Da glaubt man so manches so oder so ähnlich schon mal bei Holst (Die Planeten), im Kino oder wo sonst auch immer gehört zu haben. „Honni soit, qui mal y pense“.

Pures Glück stellen auch die Aufnahmen der beiden Klassiker von Duke Ellington (uraufgeführt 1943) und George  Gershwin dar. Höchste Eleganz im Vortrag, der richtige Swing, virtuose Solisten (zu Jeffrey Biegel gesellt sich Benjamin Wesner auf der Klarinette), ein prächtiges Orchester sorgen dafür, dass die Botschaft von Duke Ellington für seine ,Neue Welt‘ auch wirklich verstanden wird: „I visualized this new world as a place in the distant future, where there would be no war, no greed, no categorization, no non-believers, where love was unconditional, and no pronoun was good enough for God“. Die Rhapsody in Blue, orchestriert von Ferde Grofé, macht Lust, ins Flugzeug zu steigen und wieder einmal in einen der unvergleichlichen Jazz-Clubs in Manhatten oder auch in Chicago zu gehen. Bis dahin leistet diese gelungene CD aber auch beste Dienste.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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