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MAINZ: RINALDO von G.F.Händel

09.04.2014 | KRITIKEN, Oper

Mainz: RINALDO 8.4.2014

 Einer koreanischen Fraktion im christlichen Adel steht sozusagen eine slawische muslimische gegenüber. Das steht aber in der Inszenierung der Händel-Oper von Tatjana Gürbaca gar nicht so im Mittelpunkt. Denn die Auseinandersetzung um Jerusalem tritt hinter größeren Liebeshändeln weit in den Hintergrund. Sehr witzig bei den Christen zu Beginn Goffredo und Eustazio, König und Zwillingsbruder, und in allem eigentlich Konkurrenten, sogar in der Stimmlage als Countertenöre. Die Szene driftet zusammen mit dem Heerführer Rinaldo, einer Hosenrolle, auf einer vorderen kleinen Drehbühne (Bb. Stefan Heyne) fast in den Slapstick ab. Das Orchester spielt auf einer hinteren Galerie, und davor dreht sich auch fast alles unaufhörlich. Eine wichtige Rolle spielt ein Sofa, immer auseinandergenommen und wieder zusammengestellt, das für die Protagonisten meist zum Kuscheln und Knutschen dient. Dazu beleben köstliche Wesen wie Nymphen und Furien in absurdesten Verkeidungen (viele neckische Kostüme: Silke Willrett) oder als Amores mit Pfeilen die Szene. Auch die Seite der Mohammedaner hat keine große Lust auf Krieg, ihr Heerführer erweist sich als Papiertiger und seine Zauberin Armida als strenge Domina und entführt Rinaldo seine Geliebte Almirena. In einer turbulenten Aktion wird auch noch der „notwendige“ Krieg abgearbeitet, der dann endgültig in den Triumph der Liebe mündet.

Das musikalische Geschehen scheint völlig von einer Opera seria  abgekomen zu sein. Hermann Bäumer spielt mit seinem philharmonischen Orchester so flüssig unsd spannend, dass es eine Lust ist, diesen Händel, der hier gefühltermaßen ohne da-capo Arien auskommt,lange zuzuhören.

 Die beiden (Haupt)sirenen geben Su-Jin Yang und Uiji Kim allerliebst mit schon ganz kräftigen Sopranen. Den Mago singt Forian Küppers, auch von der Musikhoschule Mainz, mit sehr gediegenem Baß. Bei der grazilen Radoslava Vorgi (Almira) zeigen sich im Koloraturberich aber noch einige Unausgeglichenheiten, die aber sicher technisch abzustellen sind. Dmitry Ryabchikov gibt den Argante mit kernigem Bariton als coolen mohammedanischen Heerführer. Die Brüder Goffredo und Eustachio, die zu iher ‚weiblichen‘ Stimmlage später auch in Röcken auftreten, sind Michael Taylor, der mit optimal prononcierender  „englischer“ Stimmführung  einen Schönklang erreicht, sowie Alin Deleanu, der ihm gesanglich nicht nachsteht, dabei spielerisch fast noch köstlicher herüber kommt. Die Almirena wird von Saem You als weiße Brillen-Schöne mit einem hellen klaren Sopran gestaltet, und Rinaldo ist Jina Oh mit burschikos maskulinem Spiel und guten dunkleren Sopranregistern.            

 Friedeon Rosén

 

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