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MAINZ: MACBETH

20.06.2013 | Allgemein, Oper

GELB STATT ROT DIE GRUNDFARBE IN VERDIS MACBETH. Das Mainzer Theater spielt das Opernfanal in der Regie Tatjana Gürbacas. 19.6.2013


Karen Leiber, Heikki Kilpiläinen. Foto: Martina Pipprich 

 Natürlich transponiert Regisseurin Tatjana Gürbaca Giuseppe Verdis mittleres Opernfanal ‚Macbeth‘ nach Shakespeare in eine in unseren Tagen stattfindende Geschichte, aber mit was für einem Applomb, mit welch sicherem Geschmack und welch überlegener Regiekunst an Protagonisten und Kollektiven ihr das gelingt, – das ist wirklich sehenswert.

 Ein blendend aufgelegtes Orchester unter dem Stab von Florian Czismadia steht ihr dabei zusätzlich zur Verfügung. Wie das krude Geschehen jedezeit aus dem Graben kommentiert wird, durch leisen, ahnungsvoll böse rollendenden Sound oder handfeste Tuttischläge etwa bei den Morden, oder wenn Cavatinen und Arien eingeflochten sind: schon der mittlere Verdi wusste, wie er tragfähige Stimmungen aufzubauen hatte. Auch die Festmusik perlt ganz ‚konventionell‘ daher, die sich eindrückenden Melodien und Motive reihen sich in farbigster Abwechslung aneinander. Zum Einzug des Königs Duncan spielt ganz akkurat die Banda des Frauenlob-Gymnasiums Mainz, die sich wie ein Spielmannnszug durch den Zuschauerraum schlängelt.

 Das Einheitsbild eines blühenden Sonnenblumenfeldes (Bühne Stefan Heyne) muß man sich erst mal einfallen lassen, und es ist ja auch ein eher paradoxer Kontrast zu der Mordsgeschichte des Macbeth. Mitten darin ist er im Business-Anzug aber mit MP zusammen mit Banco in Uniform versprengt. Der Hexenchor tritt dazu von hinten in Nachthemden und Stahlhelmen auf den Köpfen auf. Auch die Lady Macbeth gesellt sich später in schwarzem Anzug dazu. Hier zeigt sich schon ein ironischer Blick der Regisseurin, wenn sich der mit der MP herumfuchtelnde Macbeth in eine Gartenstuhl fallen läßt Die z.T.mit Macheten (Banco) Getöteten haben auch noch ein Nachleben, tauchen immer mal wieder auf, König Duncan küsst Macbeth bei dem Fest sogar auf die Stirn. Dieses Bankett wird zünftig als Grillabend in den Sonnenblumen begangen, wobei die Lady selber angrillt. Auch ihre Kammerfrau (Patricia Roach mit leider nur wenig Gesangeinwürfen) ist als witziges Bindeglied zwischen den Macbeths und dem Volk eingesetzt. Nach der Pause verwaltet die Lady zu ihrem gesungenem ‚Requiem‘ in der hochgefahrenen Unterbühne einen Urnenpark der bisher Ermordeten, in dem sie sich ziemlich malträtiert und mit Sonnenbrillenschutz in den Wahnsinn verabschiedet. Macbeth hat sich noch mal bei den jetzt in Morgenmänteln, gehüllten Hexen (die Chöre schönstimmig und rhythmisch immer auf den Punkt, zT. mit Luftballons und erhobenen Händen) Rat geholt. Die Könige erscheinen als weiß vermummte und maskierte Wesen, die einander jeweils mit Dolch umbringen. Der im buntscheckig schottischen Anzug erscheinende neue König Malcolm wirkt sonst eher blaß, auch Macduff und die geschundenen Schotten haben ja eigentlich gar keine eigene Geschichte, so daß sie von Gürbaca bzw.von ihrer Kostümbildnerin Silke Willrett ganz grau in grau und gebleicht erscheinen.

 Die solistischen Gesangsleistungen können auch durchweg befriedigen.

Der Macduff des Thorsten Büttner bringt einen strahlenden Trompetentenor mit warmer Grundierung ins Spiel, wenn er sich zu seiner Rachearie aufschwingt. Den Banco gibt José Gallisa mit schön biegsamem ausdrucksvollem Baßbariton, sein Sohn Fleance kann durch die dicht gewachsenen Sonnenblumen entkommen. Karen Leiber bringt als Einspringerin für Ruth Staffa schönes Stimmaterial mit und singt eine prächtige jugendliche Lady. Bei der Wahnsinnsarie setzt sie auch gekonnt Körpersprache ein. In der Titelfigur glänzt Heikki Kilpeläinen mit optimal geführtem sonorem Bariton, indem er auch die abgestuften Angst- und die cholerisch krankhaften Stimmungen zu modellieren vermag. Es gelingt ihm, trotz seiner vielen witzig-ironischen Momente, doch ein Bild der Tragik dieses Menschen aufscheinen zu lassen.

Friedeon Rosén

 

 

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