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MAILAND: LOHENGRIN

22.12.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

MAILAND/ Teatro alla Scala: LOHENGRIN vom 21.12.2012 an der Scala di Milano


Anja Harteros

 Mit der Regie für diese Eröffnungsserie war Claus Guth betraut worden und für Bühnenbild und Kostüme war Christian Schmidt verantwortlich.

Von diesem Produktionsteam war eine durchdachte und handwerklich gut gemachte Inszenierung zu erwarten gewesen, die man, falls man den psychologischen Hintergrund kannte, durchaus nachvollziehen konnte. Elsa, als die ewig suchende, die in Lohengrin ihren verstorbenen und ewig vermissten Bruder wiederfand. Lohengrin, als der vermeintlich unverstandene Geliebte, der verstört herumirrt und diese Welt am liebsten über die Hintertüre verlassen möchte. Er, der den Normen seiner Umgebung denkbar fernsteht, der durch sie verunsichert wird und fliehen möchte.

Beeindruckend ist der Schluss: denn, alles endet am kleinen See, in diesem Gewässer ertrank dazumal Elsas Bruder. Und als sich das Schicksal wiederholt und Lohengrin sie verlässt, stirbt für sie ihr Bruder ein zweites Mal, einen Schmerz den sie nur schwer ertragen kann und so setzt sie ihrem Leben selbst, in diesem schicksalhaften Gewässer, ein Ende.

 Die Inszenierung lässt viel Raum für die Protagonisten. Rundherum sind Balustraden und Balkone die dem Chor sehr gelegen kommen und es ihnen ermöglichen schnelle Auf- und Abgänge vorzunehmen, indem sie durch die Türen reinkommen oder auch wieder verschwinden.

 Unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim hat das Orchester des Teatro alla Scala ein starkes Profil. Orchester und Dirigent bilden eine ungemein stimmige Einheit. Die spürbare Spielfreude und die grosse musikalische Sicherheit mit der man hier zu Werk ging, bilden die Grundlage für eine Vorstellung, die wirklich keine Wünsche offen liess. Bei durchwegs zügigen Tempi wurde nicht nur sehr transparent musiziert, sondern auch die grosse Dramatik dieses Werkes packend zum Ausdruck gebracht.

 Mit Jonas Kaufmann, der den Lohengrin mit riesigem Erfolg bereits in München gesungen hatte, war die Partie überaus lyrisch besetzt und mit seiner baritonal gefärbten Stimme wundervoll abgerundet. Sein Gesang fand den Höhepunkt im dritten Akt, als er mit wunderbar reduzierter Stimme und voller Hingebung den Schwan besang.

 Eine ausgezeichnete Leistung bot auch Anja Harteros als Elsa. Mit ihrer fokussierten, sehr sicheren und glanzvoll aufblühender Stimme, gestaltete sie diese Rolle sehr eindringlich.

 Tomas Tomasson hatte als Telramund, nach einem überzeugenden Beginn, im 2. Akt mit Ermüdungserscheinungen zu kämpfen, er war den dramatischen Anforderungen nicht immer gewachsen. Evelyn Herlitzius als Ortrud konzentrierte sich stark auf ihre Darstellungskraft und überzeugte als durchtriebene Nebenbuhlerin, welche ihre Interessen uneingeschränkt durchsetzte. Mit ihrem Sopran, fand sie leider nicht die stimmigen und erwärmenden Töne um mit falschem Charme und eisigem Gefühl Elsa zu umgarnen. Die überzeugende Durchtriebenheit kam ihr abhanden.

 René Pape war ein gemächlicher König Heinrich der nicht wirklich böse sein konnte. Bei ihm hatte man eher den Eindruck, dass ihn das Schicksal der Elsa eher berührte und er sie vor dem Bösen behüten wollte. Einen durchzogenen Heerrufer sang Zeljko Lucic: mit seiner kraftlosen aber trotz allem sicher strömenden Stimme, war er nicht gerade die Idealbesetzung für diese Partie.

 Bruno Casoni studierte den Chor sehr gut ein und überzeugte durch beeindruckende Stimmen. Ein toller Abend der vom italienischen Publikum gebührend gefeiert wurde.

 

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