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MAGIC MIKE

13.08.2012 | FILM/TV

Ab 16. August 2012 in den österreichischen Kinos
MAGIC MIKE
USA  /  2012 
Regie: Steven Soderbergh
Mit: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey u.a.

Zart besaitet darf man nicht sein, wenn gleich zu Beginn Matthew McConaughey seine guten Stücke (gerade noch in der Hose) einer kreischenden Damenwelt darbietet, gleichsam als Appetizer für den von ihm geführten Männer-Stripclub in Florida.. Ein solcher steht hier im Mittelpunkt eines Filmes, der ebenso schlüpfriges Ausschlachten des Themas wie auch dessen kritische Betrachtung anbietet. Denn man kann natürlich darüber nachdenken, auf welche Arten in unserer Welt Geld gemacht wird – aber wenn man es gleichzeitig so genüsslich herzeigt, dann geht es ja wohl auch darum, das Geschäft mit dem knackigen Männerkörper von den Clubs auf die Leinwand zu verlegen und dort das Geschäft zu verlängern…

Immerhin heißt der Regisseur des Streifens Steven Soderbergh und hat einen guten Namen in der Branche. Und der Film bietet noch einen „Realitätsbonus“: Darsteller Channing Tatum, der den Michael „Magic Mike“ Lane spielt, hat eine eigene Vergangenheit als Stripper – und war offenbar schon die längste Zeit bestrebt, die dabei gemachten Erfahrungen in einem Film umzusetzen. Also doch nicht nur Spekulation, sondern auch ein Stück Realität.

Möglicherweise schlüpft man in eine Welt des (wie man es nimmt) relativ leicht verdienten Geldes und macht als junger Mann, der nicht recht weiß, was er im Leben anfangen soll, das Geschäft mit dem Körper. Allerdings hat das viele Nebeneffekte. Der junge Adam (anfangs entsprechend naiv: Alex Pettyfer, Brite und ehemaliges Model) kommt durch Zufall zu seinem ersten „Strip“ im Xquisite-Club, und die kreischenden Damen im Publikum sind entzückt, weil er so auf schüchtern spielt. Aber nein, er ist es wirklich. Denn man merkt schnell, dass es nicht jedermanns Sache ist, sich dermaßen auszustellen.

Ist man aber im Geschäft wie Magic Mike (Channing Tatum mit kurz geschorenem Military Look, einer der neuen Stars von Hollywood) und auch der Clubchef (brillant, schrill, glatt: Matthew McConaughey so gut wie noch kaum je), dann ist – ganz wie in der Frauenwelt – sorgliche Beachtung des eigenen Body angebracht, Pflege der Muskel und des Looks (Körper immer schön straff halten, fest an den Trimmgeräten arbeiten, den Einsatz der Haut genau kalkulieren!). Es dreht sich ums Geld (das Trinkgeld in der Hose), um Zusatzverdienste so und so, und ohne Drogen geht es in dem Milieu auch nicht ab. Kurz, ein Kid stolpert in eine andere Welt und wird ein anderer Mensch.

Das ist der mehr konventionelle Handlungsstrang, der dann mit den üblichen privaten Drehungen und Wendungen angereichert ist, Frauen spielen auch mit (die Jungs sind ja nicht schwul), und die Analyse dessen, was man vorgesetzt bekommt, scheint zu stimmen.

Und doch wird man oft den Verdacht nicht los, alles sei ja doch nur der Vorwand für die „Show-Szenen“: Denn diese sind reichlich, und sie sind brillant, sie machen mit witzigem Ideenreichtum und choreographischen Künsten fast ein Musical aus dem Film. Und doch hat man es mit einer Art Subkultur zu tun, denn üblicherweise bewegt man sich ja nicht in Welten, wo kreischende Weiber außer sich geraten, wenn Männer die Hosen runterlassen und ihre Zuschauerinnen mit Beischlaf-Bewegungen hochschaukeln. Der Film überträgt die Atmosphäre aus Schrille, Lüsternheit und auch ehrlichem, entfesseltem Vergnügen, die bei solchen Shows herrscht, in den Kinosaal – die billigere Variante für jene, die das gerne einmal kennen lernen wollen, ohne sich in Unkosten zu stürzen…

Renate Wagner

 

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