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MAGIC MIKE XXL

21.07.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Magic Mike XXL~1

Ab 24. Juli 2015 in den österreichischen Kinos
MAGIC MIKE XXL
USA  /  2015 
Regie: Gregory Jacobs
Mit: Channing Tatum, Jada Pinkett Smith, Amber Heard, Andie MacDowell u.a.

Das ist das unweigerlich Interessante an Kino: Dass auch mittelmäßige, sogar schlechte Filme uns etwas erzählen, meist über den gegenwärtigen Zeitgeist. Als der erste „Magic Mike“-Film 2012 herauskam, basierte er auf Erfahrungen des inzwischen zum Filmstar avancierten Channing Tatum. Der hatte nämlich seine Karriere tatsächlich als Stripper in Tampa, Florida, begonnen. Eine seltsame, zwielichtige Welt, in die man mit einigem Interesse hineingesehen hat. Tatsächlich aber ging es – wie in analogen Filmen, wo Frauen ihre Körperlichkeit ausstellen – darum, den Jungs bei ihren obszönen Bewegungen, sexuellen Anspielungen und, hoffnungsfroh, bei ihren Nuditäten zuzusehen, die dann doch nicht kamen…

Doch das Ganze ist immerhin gesellschaftlich peinlich und klebrig genug, dass nur die wirklich „freien“ weiblichen Gemüter live in solchen Clubs auftauchen, Geldscheine in die straffen Höschen steckt und entzückt aufkreischen. Kino kann hier – wie in tausenden anderen Fällen (bis zum Mord, den man nicht selbst begehen muss) –  zum Ersatzort werden. Es funktionierte, „Magic Mike“ spielte genügend ein, um eine Fortsetzung sinnvoll (sprich: lukrativ) erscheinen zu lassen. Und weil alles immer größer, besser, schriller sein muss… also jetzt Magic und XXL dazu.

Matthew McConaughey ist nicht mehr dabei, aber ein Kinopublikum vergisst schnell, dafür gibt es jetzt eine Menge Frauengesichter, was beim ersten Film nicht der Fall war. Die Handlung liegt auf der Hand – dass Mike, wieder Channing Tatum mit bescheidenen Darsteller-Fähigkeiten (tatsächlich scheint er in „Foxcatcher“ die einzige Leistung seines Lebens geliefert zu haben), der sich in die Bürgerlichkeit zurückgezogen hat, diese auf die Dauer nicht aushält, das muss so sein. Als die alten Kumpel rufen, geht’s mit den Buddies On the Road für eine finale Vorstellung. Allerdings liefern sie schon am Weg einiges davon ab, und festzustellen ist, dass das erotische Hüftgewackel mit den vorgeschobenen Eh schon wissen (Elvis the Pelvis hat dies ja einst zur Meisterschaft gebracht) nach wie vor lustvoll ausgezuckt wird, dass die Tanzszenen aber jetzt geradezu Musical-Charakter angenommen haben. Der Film von den Jungs am Rande der Stricher- und Halbseiden-Existenz ist gewissermaßen glitzernd geworden – zumindest beim Tanz.

Im übrigen tauchen auf dem Weg nach Myrtle Beach, wo der letzte Auftritt stattfinden soll, in Jacksonville und Savannah einige Ladies auf, die man kennt: Jada Pinkett Smith als Nachtclubbesitzerin ist da weniger interessant als Amber Heard (die Blondine, die Johnny Depp geheiratet hat), von der man eine nachdrückliche hektische Studie zu sehen bekommt.

Für ältere Kinobesucher besonders interessant ist das Wiedersehen mit Andie MacDowell, vor mehr als zwei Jahrzehnten einer der „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“-Stars, mittlerweile längst von der Filmleinwand verschwunden. Als nicht mehr ganz junge Lady inmitten einer auch nicht gerade taufrischen Schar von Freundinnen macht sie (auch mit parodiertem Südstaaten/ Texas-Dialekt) klar, wie lüstern die Damen auf die jungen Männer sind, die her kurzfristig reinstolpern und …. durchmarschieren. In diesem Sinn wird, unter Lachen versteckt, hier und dort (nicht übertrieben oft) ein Stück wahres, nicht allzu schönes Amerika sichtbar. Da hat Regisseur Gregory Jacob der Geschichte ein bisschen Griffigkeit gegeben, und Steven Soderbergh, der Regisseur des ersten Teils, hat sich hier immerhin des „Editing“ und der Choreographie angenommen.

Sonst gibt es nicht viel zu sehen, aber was soll’s – die Spielszenen sind ja doch nur Verbindung von einem Tanz zum anderen. Und dieser ist das erotische Versprechen, das man sich auf der Filmleinwand billig kaufen kann, ohne Enttäuschung, dass es nicht eingelöst wird. (Schauspielerisch schon gar nicht, am wenigsten von jemandem wie Channing Tatum, wieder am Drehbuch beteiligt und immerhin geschickt genug, dass er vor der Kamera seinen alten Job nun um ungleich mehr Geld ausüben kann…)

Renate Wagner

 

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