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MAGDEBURG: TOSCA

11.12.2016 | Oper

Opernhaus Magdeburg: „Tosca“ von Giacomo Puccini (Vorstellung: 10. 12. 2016)

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Die englische Sopranistin Elizabeth Llewellyn glänzte als Tosca (Copyright: Nilz Böhme)

Nachdem im Schauspielhaus von Magdeburg die Oper „Julie“ von Boesmans wegen Erkrankung eines Hauptdarstellers abgesagt wurde, bot mir freundlicherweise die Pressestelle eine Karte für die Aufführung der Oper „Tosca“ im Opernhaus der Stadt an. Es war eine glanzvolle Vorstellung des musikalischen Meisterwerks von Giacomo Puccini, dessen Uraufführung im Jahr 1900 in Rom war und dessen Libretto von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica nach dem Drama „La Tosca“ von Victorien Sardou als Ort der Handlung ebenfalls Rom vorsah – und zwar am 17. Juni 1800 und im Morgengrauen des folgenden Tags, spielte doch das Werk während der Schlacht zwischen den französischen und österreichischen Truppen, in der Napoleon siegreich blieb.

Die englische Regisseurin Karen Stone – sie war von 2000 bis 2003 Generalintendantin in Graz – lässt die Oper zwar auch in Rom spielen, verlegte die Dreiecksgeschichte allerdings in das Jahr 1944, als deutsche Truppen Rom eingenommen hatten, um damit die Wiederholbarkeit der Geschichte zu demonstrieren. Hintergrund dazu: Die damals sehr populäre italienische Schauspielerin Maria Denis bat 1944 Pietro Koch, den Anführer der berüchtigten, für ihre Foltermethoden bekannten „Koch-Bande“, um die Freilassung des Regisseurs Luchino Visconti, da sie befürchtete, dass er an die SS ausgeliefert würde. Als Gegenleistung musste sie sich Koch zur Verfügung halten und sich auch in der Öffentlichkeit mit ihm zeigen. In ihrer Autobiographie „Il gioco della verità“ schweigt sich Denis darüber aus, ob Koch von ihr noch mehr verlangte. Ulrich Schulz schuf für diese Inszenierung opulente Bühnenbilder sowie die zur Kriegszeit passenden Uniformen und Kostüme, aus denen bloß die elegante Kleidung von Tosca herausstach.   

Für die exzellente Aufführung der Oper sorgte neben der groß aufspielenden Magdeburger Philharmonie, die unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kimbo Ishii alle musikalischen Feinheiten der Partitur Puccinis zum Erklingen brachte, das hervorragende Gastensemble des Magdeburger Opernhauses.  Allen voran der südkoreanische Bariton Sangmin Lee als Scarpia, der neben seiner enormen Bühnenausstrahlung durch seine markige Stimme, die den fiesen Charakter seiner Rolle noch verstärkte, voll überzeugte.

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Tosca (Elizabeth Llewellyn) mit dem gefolterten Cavaradossi (Paul O’Neill) Copyright: Nilz Böhme

Die in London geborene dunkelhäutige Sopranistin Elizabeth Liewellyn gab eine elegante Primadonna Tosca, die ebenfalls stimmlich wie schauspielerisch das Publikum begeisterte. Immer wieder glänzte sie mit ihrer kraftvoll-dramatischen Stimme, aber auch, wie in der Arie Vissi d’arte, durch emotionale Eindringlichkeit. Beiden Sängern ebenbürtig zeigte sich der australische Tenor Paul O’Neill als Cavaradossi. Er hatte keinerlei Probleme mit seiner stimmlich, aber auch schauspielerisch schwierigen Rolle, berührend seine von der Soloklarinette untermalte Arie E lucevan le stelle, begeisternd sein Freiheitslied Vittoria! Vittoria!, das er Scarpia ins Gesicht schleudert.

Für die hohe Qualität der Aufführung bürgten auch die Darsteller der kleineren Rollen, wie der Bass Johannes Stermann in der Rolle des entflohenen politischen Gefangenen Angelotti,  der kanadische Bass Paul Sketris als Mesner sowie der Tenor Manfred Wulfert als Polizeiagent Spoletta und der Bariton Roland Fenes als Sciarrone. Zu nennen ist darüber hinaus der Opernkinderchor des Konservatoriums „Georg Philipp Telemann“, der mit seinen hellen Stimmen für eine „engelsgleiche“ Atmosphäre in der Kirche sorgte (Einstudierung: Martin Wagner).   

Das restlos begeisterte Publikum belohnte am Schluss der Vorstellung alle Mitwirkenden mit minutenlangem Applaus, zahlreichen Bravorufen – sie galten vor allem den Darstellern des Scarpia, der Tosca und des Cavaradossi sowie dem aus Taiwan stammenden Dirigenten – und mit Standing Ovations fast des gesamten Hauses.

Udo Pacolt

 PS: Weitere Vorstellungen dieser glanzvollen „Tosca“-Produktion finden am 25. 12., 14. 1. und 28. 1. sowie am 5. 2., 10. 2. und am 4. 3. im Opernhaus Magdeburg statt.

 

 

 

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